STADTARCHÄOLOGIE

Die tiefe Geschichte der stolzen Stadt Duisburg

Dr. Kai Thomas Platz, Leiter der Stadtarchäologie Duisburg (links), Andree Haack, Beigeordneter für Wirtschaft und Strukturentwicklung, und Brigitta Kunz, Stadtarchäologin, präsentieren den zweiten Band der Duisburger archäologischen Jahresberichte „Dispargum“, der jetzt erschienen ist.

Dr. Kai Thomas Platz, Leiter der Stadtarchäologie Duisburg (links), Andree Haack, Beigeordneter für Wirtschaft und Strukturentwicklung, und Brigitta Kunz, Stadtarchäologin, präsentieren den zweiten Band der Duisburger archäologischen Jahresberichte „Dispargum“, der jetzt erschienen ist.

Foto: DANIEL ELKE

Duisburg.   Die Stadtarchäologen legen mit „Dispargum“ den zweiten Jahresbericht ihrer Arbeit vor. Zeigen wollen sie auch, wie bedeutend Duisburg war und ist

„Duisburg wird immer schnell auf das Industriezeitalter reduziert, aber die Stadt hat eine lange, stolze Geschichte“, betont Duisburgs neuer Wirtschaftsdezernent Andree Haack. Die solide Basis für diese Ansicht liefern ihm die Stadtarchäologen, die nun den zweiten Jahresbericht ihrer Grabungs- und Forschungsarbeiten vorlegen. „Dispargum – Band 2“ listet nicht nur die archäologischen Aktivitäten im Stadtgebiet des Jahres 2017 auf, sondern bietet archäologisch und historisch Interessierten ein Blick in die Geschichte eines Gebietes, dessen Siedlungsspuren mindestens bis in die Bronzezeit reichen.

Geprägt von Handel und Verkehr

Thorsten Quenders beschäftigt sich mit entsprechend alten Funden, die an der Dorfstraße in Serm zutage kamen, als dort ein Wohngebäude errichtet werden sollte. Mit dem „Mythos der Ackerbürgerstädte zwischen Rhein und Ruhr“ räumt Maxi Maria Platz in ihrem Beitrag auf. „Gründlich“, wie ihr Mann, der Duisburger Stadtarchäologe Thomas Platz bei der Vorstellung des Jahresberichtes zufrieden feststellt. „Duisburg war nie Ackerbürgerstadt, sondern immer geprägt durch Handel und Verkehr, und es war eine Bildungsstadt“, verweist Platz auf die Vorbereitung und Gründung der alten Universität Duisburg im 16. und 17. Jahrhundert.

Platz selber hat zum zweiten Band eine umfassende Analyse der Grabungsunterlagen der verschiedenen Untersuchungen in der Salvatorkirche beigesteuert, die zu neuen Erkenntnissen über die Bauentwicklungen, vor allem der ausgegrabenen Pfalzkapelle, führt.

Diese sind ebenso Teil der aktuellen Ausstellung „Dispargum – Königssitz, Kaiserpfalz, Hansestadt“ im Stadthistorischen Museum am Innenhafen wie auch eine Auswahl der von Meike Hachmeyer bearbeiteten gut 600 Funde des fränkischen Gräberfelds im Gebiet des Kantparks, das nach und nach seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde. Wer seine Kenntnisse darüber vertiefen will, findet im Jahresbericht „Dispargum“ entsprechende Ausführungen über das Gräberfeld sowie die dort gefundenen Beigaben.

Stadtarchäologin Brigitta Kunz widmet sich Überresten aus dem Früh- und Hochmittelalter, aber auch römischen Hinterlassenschaften, die in Baerl ans Licht kamen. Die jüngere Vergangenheit findet ihren Niederschlag in Bernhard Rosenbergs Präsentation der Mühlen im Duisburger Norden, sowie in Anke Kreidelmeyers Beschreibung der ersten „Winkelbunker“, einer besonderen Bauart von Hochbunkern, die bereits 1934 von Leo Winkel in Duisburg entwickelt wurden. Ein Teil des Bandes behandelt die archäologische Geschichte Hamborns. In den nächsten Jahresberichten sollen weitere Stadtteile folgen.

Es ist beileibe kein reiner Arbeitsnachweis, den die Stadtarchäologie hier auf gut 250 Hochglanzseiten vorgelegt hat, sondern eine Publikation mit Vorbildcharakter. „Wir stehen mit dieser Art von Publikation ziemlich allein im Westen des Landes da“, sagt Thomas Platz nicht ohne Stolz. Zudem nennt er den höheren Zweck, der damit verfolgt wird: „Archäologie bedeutet nicht nur eine Last für die Bauherren, sondern ist ein Mehrwert für alle. Wir möchten, dass sich das Bild von Duisburg ändert, denn Duisburg war wirklich bedeutend und ist es noch.“

Vortrag über Funde im Mercator-Quartier

Die Rahmen der Austellung „Dispargum“ im Stadthistorischen Museum stellt Dr. Kai Thomas Platz, Leiter der Duisburger Stadtarchäologie, am Sonntag, 16. Dezember, um 15 Uhr Ergebnisse und Erkenntnisse der Grabungen im Mercator-Quartier vor. Der Eintritt beträgt 4,50 Euro, ermäßigt zwei Euro. Weitere Info: www.stadtmuseum-duisburg.de

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