Kommentar

Die Kirche in Duisburg lebt – vor allem außerhalb der Mauern

   

   

Duisburg.   Die Kirchen befinden sich im Wandel. Vielen jungen Duisburgern ist das Gotteshaus nicht mehr wichtig. Ihr Glaube dagegen sehr. Das macht Mut.

Die Welt blickt in diesen Tagen nach Paris. Bestürzt schauen die Menschen auf die durch ein verheerendes Feuer zum großen Teil zerstörte Kathedrale Notre Dame. Die Bilder des ausbrennenden symbolträchtigen und jahrhundertealten Bauwerks erinnern uns nicht nur daran, dass die Menschen auch in einer hochtechnisierten Welt machtlos gegen höhere Gewalten sind, sondern zeigen, wie sehr sie in Stunden der Trauer zusammenstehen. Notre Dame soll wieder aufgebaut werden. Spendenaktionen wurden gestartet. Die Solidarität ist groß.

Der Bauverein Salvatorkirche braucht Unterstützung

Auch in Duisburg? Auch wir haben ein Wahrzeichen, das saniert werden muss: die Salvatorkirche, die nach den Worten von OB Sören Link „aus Duisburg nicht mehr wegzudenken ist.“ Vielleicht erinnern die Bilder aus Paris die Duisburger daran, dass auch eine noch so kleine Spende helfen kann, ein 700 Jahre altes Gotteshaus vor der Haustür zu erhalten. Der jüngst gegründete Bauverein Salvatorkirche braucht die Unterstützung der Bürger. Ohne dieses Engagement geht es nicht mehr.

In Zeiten sinkender Mitgliederzahlen müssen sich die Kirchen von Gotteshäusern trennen. Sie müssen schauen, wie sie mit weniger Finanzmitteln den Betrieb aufrecht halten können. Sicher, zu Ostern werden die Kirchen wieder voll sein, viele Duisburger treffen sich an den Osterfeuern, um gemeinsam innezuhalten. Bilder der brennenden Notre Dame werden noch präsent sein. Sie erinnern an die Vergänglichkeit und an die österliche Hoffnung der Auferstehung. Aber was ist nach Ostern? Wie wird der Glaube im Alltag gelebt?

„Es gibt etwas, was über allem steht: nämlich Gott“

Die Kirchen befinden sich im Wandel. Längst übernehmen immer mehr Frauen Verantwortung in der Gemeindearbeit. Wie sagte Pfarrersgattin Hiltrud Grimoni in dieser Woche im Gespräch mit der NRZ: Die evangelische Kirche ist viel lebensnaher geworden.“ Das muss sie auch. Denn nur so wird sie es schaffen, die jungen Menschen zu halten, die sich in den kirchlichen Jugendorganisationen, in der Flüchtlingshilfe und in vielen sozialen Projekten ehrenamtlich engagieren. Und das machen sie, weil sie fest daran glauben, „dass es etwas gibt, was über allem steht: nämlich Gott“, wie eine junge Katholikin es ausdrückt. Ihr Glaube habe nichts mit der Kirche als Institution zu tun. Nächstenliebe braucht für sie kein Gotteshaus. Das macht Mut für ein christliches Miteinander in einer Gesellschaft, die viele soziale Probleme hat, in der Kinder mitnichten die gleichen Bildungschancen haben und in der viele Menschen im Berufsleben eine eisige Kälte erleben.

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