Die größte Entwicklungsfläche der Stadt

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Es ist aktuell Duisburgs größte Entwicklungsfläche, und zugleich ist es eines der größten regionalen Wohnungsbauprojekte in ganz Nordrhein-Westfalen: Die ehemalige Güterbahnhoffläche in Wedau soll zu einem Stadtteil innerhalb des Stadtteils werden – es entstünde eine Verbindung der Ortsteile Wedau und Bissingheim. Geplant sind auf dem 90 Hektar großen Areal des ehemaligen Rangierbahnhofs und des früheren Ausbesserungswerks ein Wohn- und Arbeitsquartier mit bis zu 3000 Wohnungen, Platz für Gewerbe und Forschung, eine Schule, Kitas sowie ein Nahversorgungszentrum.

Als Anfang Oktober auf der größten europäischen Fachmesse für Immobilien und Investitionen, der Expo Real in der bayrischen Landeshauptstadt München, Vertreter von Land, Stadt und Bahn ein Zehn-Punkte-Papier zur Entwicklung des Geländes unterzeichnet haben, sprach der ebenfalls anwesende NRW-Landesbauminister Michael Groschek (SPD) von einem Projekt, das „auf eindrucksvolle Weise zeigt, welches Potenzial in Brachflächen schlummern kann“. Und als die Tinte auf dem Papier getrocknet war, äußerte der 59-Jährige die große Hoffnung, dass der Duisburger Plan „eine Blaupause auch für andere Kommunen“ sein könnte.

Große Pläne in den 1990er-Jahren

Dabei hatte die Planung der künftigen Nutzung des brachliegenden Bahn-Areals in der Vergangenheit über lange Zeit nur bedingt einen Vorbildcharakter gehabt. Schon Ende der 1990er-Jahre gab es große Pläne, im Jahr 2000 wurde dann sogar eine Zielvereinbarung auf den Weg gebracht. Doch die Sache kam nicht voran. Auch wegen ungeklärter Zuständigkeiten. Viel Zeit ging in der Folge verloren. Kritiker gingen davon aus, das Vorhaben würde möglicherweise niemals realisiert.

Spätestens im Februar 2015 kam dann jedoch erneut Bewegung in das Vorhaben. Stadt und Deutsche Bahn gaben gemeinsam mit der Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft NRW bekannt, das Städtebau-Projekt im Team gemeinsam voranbringen zu wollen. Es herrschte Aufbruchsstimmung bei den Planern. Und bei den Bürgern gab es zugleich viele offene Fragen: „Was wird aus dem Sportverein und den Kleingärten?“, „Werden die Seen für die Allgemeinheit zugänglich bleiben?“, „Wie wird sich das Projekt auf die Verkehrslage auswirken?“...

Roden der Bäume ab Ende 2015

Als ab Ende 2015 die Arbeiten auf dem Areal begannen, wurde plötzlich sichtbar, dass es tatsächlich ernst wird. Männer mit großen Heckenscheren und schweren Motorsägen zogen über das Gelände, sie kappten Sträucher und Bäume. So sollte der Rückbau der alten Gleise vorbereitet werden.

Rücksicht genommen wurde dabei auch auf die Brutzeiten der Vögel und auf die streng geschützte Zauneidechse, die auf dem Gelände heimisch ist. Offen war jedoch weiterhin, ob im Boden des Bahngrundstücks möglicherweise gefährliche Altlasten verborgen liegen und wie künftig der Lärmschutz für die neuen Bewohner des Quartiers aussehen werde.

Denkmalschutz und industrielles Erbe

Es folgten Untersuchungen und Gutachten. Überlegungen zu Denkmalschutz und dem Erhalt von Industriearchitektur. Ideen, wie die Herausforderungen „Verkehr“ und „Lärmschutz“ gemeistert werden können. Kurz: Die Planungen schritten voran. Im vergangenen Mai stockten dann die Macher aus Gründen der Wirtschaftlichkeit die Zahl der geplanten Wohneinheiten von 1800 auf 3000 auf, und sie gaben zusätzlich bekannt, ein Drittel der Gesamtfläche als „Innovation-Campus“ für universitätsnahe Nutzung in den Bereichen Forschung, Technologie und Existenzgründungen vorhalten zu wollen.

2020, falls alles wie geplant verläuft, sollten die ersten der bis zu 8000 Bewohner des neuen Stadtteils einziehen können.

Im Juni folgte der Ratsentscheid. Eine breite Mehrheit von SPD und CDU gab grünes Licht für die weitere Entwicklung des Projekts. Grüne und Linke äußerten hingegen Kritik.

Oberbürgermeister Sören Link (SPD) sprach davon, wie wichtig es sei, nun ein Signal zu setzen: „Vor uns liegt noch eine Strecke. Aber jetzt ist die Zeit, das Wohnbauprojekt schnell voranzutreiben.“

Der Bebauungsplan für die weitere Entwicklung konnte also in Angriff genommen werden. Doch angesichts der gesamten Projektdauer warnte CDU-Fraktionschef Rainer Enzweiler bereits vor allzu großer Euphorie: „Bis der Bebauungsplan rechtskräftig ist, wird noch viel Wasser den Rhein runterfließen.“

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