INKLUSION

Die Duisburgerin Nora Riebe ist eine wahre Pionierin

Freuen sich über den gemeinsamen Erfolg: Personalreferent Christoph Hellwig, Nora Riebe und WfbM-Geschäftsführerin Roselyne Rogg (v.l.).

Foto: Herbert Höltgen

Freuen sich über den gemeinsamen Erfolg: Personalreferent Christoph Hellwig, Nora Riebe und WfbM-Geschäftsführerin Roselyne Rogg (v.l.). Foto: Herbert Höltgen

Duisburg.   Die 22-Jährige aus Duisburg hat trotz einer geistigen Behinderung eine ganz normale Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement absolviert.

Nora Riebe ist eine wahre Pionierin. Vor drei Jahren hat sie einen Weg begonnen, den vor ihr – zumindest in Duisburg – noch niemand betreten hat, und sie ist ihn bis zum Ende gegangen: Nach dreijähriger Ausbildung hat sie jetzt im ersten Anlauf ihre Prüfungen bestanden und darf sich mit Fug und Recht „Kauffrau für Büromanagement“ nennen.

Das klingt erstmal nicht ungewöhnlich, aber das ist es eben doch. Denn die 22-Jährige hat trotz einer geistigen Behinderung und eines Herzfehlers, der sie auch während der Ausbildung wegen notwendiger Operationen zu zwei Pausen zwang, die ganz normale Ausbildung zur Kauffrau absolviert. Es ist ein Riesenerfolg für die sympathische junge Frau.

Sprungbrett für die Karriere

Maßgeblich daran beteiligt ist die Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM), in der Nora Riebe seit September 2012 beschäftigt ist. Zunächst war sie dort im Berufsbildungsbereich. „Das ist ein Bereich, in dem die Mitarbeiter verschiedene Ausbildungsfelder kennenlernen, damit wir sehen können, wer welche Wünsche und Fähigkeiten mitbringt. Wir nennen das Sprungbrett“, erklärt Roselyne Rogg, Geschäftsführerin der WfbM. Für Nora Riebe wurde es zu einem Sprungbrett, das sie weit nach oben katapultierte.

Im „Kleinen Prinzen“ hat sie danach in der Küche und im Service gearbeitet. Im Rahmen einer Kooperation mit anderen Arbeitgebern hat sie in beiden Duisburger Jugendherbergen Praktika absolviert und schließlich die Urlaubsvertretung für den hauptamtlichen Mitarbeiter am Empfang der WfbM-Verwaltung übernommen.

Pfiffige Art

„Frau Riebe war mir schon im Kleinen Prinzen durch ihre pfiffige Art aufgefallen“, erzählt Roselyne Rogg. Und auch den Empfang habe sie glänzend gemeistert.

Es gehört zu den Grundprinzipien der Werkstatt, Menschen mit Behinderungen etwas zuzutrauen, manchmal auch etwas mehr, als sie es selber tun. Doch die Idee der WfbM-Geschäftsführerin, Nora Riebe die normale Ausbildung zur Kauffrau ans Herz zu legen, stieß auch bei den Führungskräften auf Skepsis. Roselyne Rogg: „Alle fragten sich, wie das gehen soll.“

Mit vereinten Kräften

Die Lösung: vereinte Kräfte, Disziplin und ein starker Wille, vor allem der von Nora Riebe. „Ich bin so froh, dass ich die Ausbildung angefangen habe“, sagt sie heute, „auch wenn ich oft daran gezweifelt habe, ob ich es schaffen kann.“ Damit hat sie zuweilen auch ihre externen Nachhilfelehrer, die für sie engagiert wurden, genervt. Aber auch ihre Unterstützer in der Werkstatt, wie etwa den Personalreferenten Christoph Hellwig, den Nora Riebe lächelnd „meinen Freund und Helfer“ nennt.

Alle mussten zwischendurch immer mal wieder moralische Aufbauarbeit leisten. Einen zusätzlichen Ansporn gab Roselyne Rogg. Sie versprach Nora Riebe eine Arbeitsplatzgarantie, wenn sie die Prüfung auf Anhieb schafft. Und auch dafür bekam die junge Frau tatkräftige Unterstützung. Roselyne Rogg und Christoph Hellwig paukten mit ihr Bilanzkennzahlen, und alle Führungskräfte und Nachhilfelehrer simulierten mit „heiligem“ Ernst die mündliche Prüfungssituation für Nora Riebe.

Das nächste Ziel ist in Sicht

Die hat die kommunikative Duisburgerin ebenso souverän gemeistert wie ihre echte Prüfung zum Thema „Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement“. Ihr Lohn: ein ordentliches Zeugnis, ein gleichzeitig mit der Ausbildung nachgeholter Hauptschulabschluss, eine Anstellung als Assistentin eines Prokuristen in der Werkstatt in Röttgersbach und eine Riesenparty in der Werkstatt, auf der sich Nora Riebe bei allen herzlich bedankt hat, „die mir ab und zu mal in den Hintern getreten haben, damit ich dabeibleibe.“

Gewonnen hat sie aber auch durch diesen Weg ein neues Selbstbewusstsein. „Meine Eltern sind megastolz auf mich“, sagt sie strahlend. Und schiebt dann hinterher: „Und ich auch.“

„Das ist ein Meisterstück, das macht ihnen keiner so schnell nach“, lobt Roselyne Rogg. Aber dabei soll es für Nora Riebe nicht bleiben. Mit Genehmigung der IHK nimmt sie ab Anfang 2019 die Ausbildereignungsprüfung in Angriff. Nora Riebes Weg als Pionierin scheint noch nicht beendet.

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