Interview der Woche

Duisburger SPD-Chef Jäger: "Rödeln jeden Tag wie verrückt"

Ralf Jäger begrüßt zur SPD - Mitgliederversammlung am Montag, den 12.11.18 in der Rheinhausenhalle in Duisburg Rheinhausen. Foto: Tanja Pickartz/ FFS FUNKE Foto Services

Ralf Jäger begrüßt zur SPD - Mitgliederversammlung am Montag, den 12.11.18 in der Rheinhausenhalle in Duisburg Rheinhausen. Foto: Tanja Pickartz/ FFS FUNKE Foto Services

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Mit einem neuen Parteitagsformat versucht die SPD, ihre Mitglieder stärker einzubeziehen. Auch darüber spricht Parteichef Ralf Jäger.

Diverse Themeninseln in der Rheinhausenhalle, daran wurde lebhaft diskutiert, und wer sich für weitere Themen interessierte, ging weiter zur nächsten und übernächsten Diskussionsrunde. Lebhaft war’s bei der letzten Parteiversammlung der Duisburger SPD, die die Alternative zum traditionellen Parteitag inzwischen sogar in der Satzung verankert hat. Über den Versuch, mehr innerparteiliche Demokratie zu wagen, sprach WAZ-Redakteur Willi Mohrs mit dem Vorsitzenden der Duisburger SPD, Ralf Jäger.

Warum macht die Duisburger SPD jetzt Parteiversammlungen statt wie bisher Parteitage mit gewählten Delegierten?

Ralf Jäger: Wir machen auch in Zukunft noch Parteitage. Aber wir haben diese mitgliederoffenen Versammlungen zuvor zweimal ausprobiert und festgestellt, dass dann auch solche Mitglieder kommen, die nicht regelmäßig, aber doch punktuell mitarbeiten wollen.

Kommen dadurch mehr Leute oder andere?

Definitiv mehr. Aber auch andere, nicht mehr nur unsere Mandatsträger und Funktionäre.

Wie werden die bei Parteiversammlungen wie am Montag gesammelten Ideen anschließend ausgewertet? Wer entscheidet, was umgesetzt wird?

Die Vorschläge werden gesammelt und zu einem Katalog zusammengestellt. Es wird zu jedem Thema einen Arbeitskreis geben, der sich mit den Vorschlägen befasst. Und wir werden das zugleich wissenschaftlich begleiten. Auch werden Fokus-Gruppen von Bürgern von einem wissenschaftlichen Institut befragt. Da kann man dann nicht nur mit ja und nein antworten, sondern wir lassen den Befragten ziemlich breiten Raum. So etwas haben wir schon vor der Oberbürgermeister-Wahl gemacht. Und wir werden auch Bürgerversammlungen machen und unsere Themen diskutieren. Wir wollen uns daran orientieren, was den Bürgern im normalen Leben wichtig ist.

Die Duisburger SPD ist auch im organisatorischen Umbruch, traditionelle Ortsvereine sollen fusionieren – warum?

Unsere Mitglieder bezahlen Beitrag, und wir müssen ihnen dafür etwas anbieten. Einige Ortsvereine sind zu klein, um vor Ort ein solches Angebot unterbreiten zu können. Und genau da denken wir über eine sinnvolle Zusammenarbeit von Ortsvereinen nach. Wir haben seit dem Frühjahr in der Stadt schon sieben Regionalkonferenzen zu solchen Themen durchgeführt, und die Fusion von Ortsvereinen ist nur ein Punkt. Die Einführung von Mitgliederversammlungen war ein weiterer.

Sie als Parteivorsitzender haben nie einen Hehl aus ihrer Ablehnung der Großen Koalition in Berlin gemacht, während der Duisburger OB die Zusammenarbeit mit der CDU ausdrücklich lobt – was will die SPD eigentlich?

Es ist schon ein Unterschied, ob in den letzten 13 Jahren das ganze Land neun Jahre von einer Großen Koalition regiert wird und 69 Prozent der Bürger sind damit unzufrieden, während ein Bündnis auf lokaler Ebene durchaus Sinn machen kann. An dieser Stelle hat es sich bewährt, aber es ist auch in Duisburg nicht in Stein gemeißelt.

Duisburg war immer SPD-Hochburg, aber auch hier bröckelt die Zustimmung. Woran liegt das und wie will die SPD dagegen angehen?

Die Gesellschaft ändert sich mit zunehmender Geschwindigkeit, und viele Menschen schauen mehr darauf, was ihnen nutzt und nicht mehr darauf, was der Gesellschaft nutzt. Und der Populismus nimmt zu. Aber gerade in Zeiten, wo Volksparteien es schwer haben, braucht es deren ausgleichende Kraft.

Was macht eigentlich die NRW-SPD? Gibt’s die noch?

Die Medien gucken mehr auf das Parlament als auf die Parteien. Aber wir rödeln jeden Tag wie verrückt. Aber man ist nicht mehr so sexy, wenn man nicht mehr regiert. Die Außenwirkung ist dann einfach nicht da.

>>>Auf dem Weg zum „Duisburg Plan 2020“

Wirtschaft, Integration, Digitalisierung und Stadtentwicklung, Schule, Jugend und Kultur sowie Umwelt: Über diese Themenfelder diskutierten rund 300 Mitglieder der Duisburger SPD in der Rheinhausenhalle.

Mit der neuen Debattenkultur wollen die Sozialdemokraten ihre Mitglieder mitnehmen auf dem Weg zum „Duisburg Plan 2020“. Da sei es Ziel, „jeden Wahlkreis in Duisburg zu gewinnen“, so die Parteispitze.

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