Einzelhandel

Die Duisburger Innenstadt kämpft gegen den Handel im Netz

Leerstand an der Einkaufstraße Königstraße in Duisburg im Ladenlokalen. Hier an der Königstraße. Foto am 1.6.2018 Foto: Jörg Schimmel / Funke Foto Services

Leerstand an der Einkaufstraße Königstraße in Duisburg im Ladenlokalen. Hier an der Königstraße. Foto am 1.6.2018 Foto: Jörg Schimmel / Funke Foto Services

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Duisburg.   Kleiner, aber dafür attraktiver: Das ist die Kurzform für die Strategie, mit der sich der Handel in der City als Oberzentrum positioniert.

Im Einzelhandel soll Duisburg wieder ein Oberzentrum werden, dass diese Bezeichnung auch verdient. So haben es die Gutachter des Büros Dr. Donato Acocella ins neue Einzelhandelskonzept geschrieben. Doch nach dem Aus der Pläne für ein Designer Outlet-Center (DOC) am alten Güterbahnhof ist der Weg dahin noch weit.

Königsgalerie tut sich beim Handel schwer

Die Bestandsaufnahme klingt ernüchtern: 142 Leerstände registrierten die Fachleute in der City, mit rund 101.000 Quadratmetern Handelsfläche und 301 Betrieben der größte Versorgungsbereich der Stadt. Der hat an Attraktivität eingebüßt. „Eine 1A-Lage wird nur noch in direkter Nähe zum Forum gesehen und reicht maximal bis zum Kuhtor. Die Königsgalerie wird dagegen sehr negativ bewertet“, erklärte Gisbert Schneider (Straten Consulting) unlängst zu seiner Studie im Auftrag von Citymanagement, IHK und Wirtschaftsförderung.

Von 50 expansionswilligen Filialisten hätten 23 ein Interesse am Standort Duisburg verneint, nur 15 sich offen für ein Angebot gezeigt. Der Grund: „Sie schätzen das Umsatzpotenzial als zu niedrig ein.“ Andere, wie etwa die Gastrokette „Extrablatt“ knüpften ein Engagement an klare Vorstellungen für eine Außengastronomie – dafür fehlen Standorte.

Die Duisburger Innenstadt stecke in einem Schrumpfungsprozess, bedingt durch die Konkurrenz aus dem Netz,

konstatieren die Fachleute.

Anzeichen für strukturelles Problem

„Der Leerstand ist Anzeichen für ein strukturelles Problem“, sagt auch Gisbert Schneider. Prognosen zufolge werde der Online-Umsatz des Textilhandels, einer Schlüsselbranche, von aktuell 25 Prozent bis 2025 auf 37 Prozent steigen. „Auch durch andere Dinge, wie Bankgeschäfte, die sich online erledigen lassen, gehen die Leute weniger vor die Tür.“

Einzelhändler und Immobilienbesitzer müssten deshalb über andere Nutzungen nachdenken, denn: „Es gibt zuviel Einzelhandelsfläche in der Stadt.“ So sehen es auch die Autoren des Einzelhandelskonzepts und das Handelsforum der IHK Ruhrgebiet, das im März im Lehmbruck-Museum tagte.

Zusätzliche 3900 Quadratmeter Verkaufsfläche will die Fokus Development AG nach dem für den Spätherbst 2019 geplanten Abriss der alten Bibliothek an der Düsseldorfer Straße schaffen. Das Interesse bemesse sich an der Qualität, sagt Fokus-Vorstand Andrej Pomtow: „Für vier bis fünf Läden mit Verkaufsflächen von 120 bis 600 Quadratmetern stellen wir echte Nachfrage fest.“ Viele Ladenlokale in Duisburg hätten zu niedrige und zu schmale Räume.

Mangel an individuellen Läden und attraktiver Gastronomie

Weitere Defizite listet das Einzelhandels-Konzept auf: wie die fehlende Attraktivität des Averdunkplatzes, die einseitige Nutzung der Königstraße durch Banken und Büros, den Mangel an individuellen Läden, den Überhang an Filialisten, Spielhallen und Wettbüros, sowie einen Mangel an attraktiver Gastronomie. Die Autoren schlagen vor, Königs- und Kuhstraße zu „entrümpeln“ und attraktiv zu möblieren. Zwischen Stadttheater und Lehmbruck-Museum können sie sich eine „Kulturachse“ vorstellen, mit Kunst als Wegmarken.

Mit einem „Pakt für die Innenstadt“ versuchen Verwaltung, IHK, Duisburg-Kontor und City-Management Ziele zu entwickeln und in überschaubarer Zeit umzusetzen. Neues Pflaster auf der Königsstraße gehört ebenso dazu wie neue Bäume, bepflanzte Beete und flexible Ruhebänke. „Wir machen weiter“, sagt City-Managerin Dagmar Bungardt mit Blick auf weitere Vorschläge von fünf Arbeitsgruppen. Einen Tag freies Parken zum Beispiel, oder einen Erstsemester-Tag mit 20 Prozent Rabatt gegen Vorlage des Studentenausweises. Ohne die Einzelhändler, sagt Bungardt, geht es nicht. Doch der Dialog lasse nach den ersten Runden hoffen: „Auch kleine Schritte bringen uns voran.“

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