Integration

Deutsche und Flüchtlinge schauen über den Tellerrand

Foto: Herbert Höltgen

Duisburg.  Flüchtlinge und Deutsche kochen in Neumühl einmal im Monat gemeinsam. Diesmal dreht sich alles um Spinat. Das Ergebnis schmeckt.

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In der Pfanne brutschelt frischer Spinat. Auf der Anrichte nebenan knetet Silke van Os einen Hefeteig, in den später Spinat eingewickelt wird. Kinder rühren in einer Schüssel Eier mit Feta und, richtig, Spinat, zusammen. 20 Ehrenamtliche, darunter Flüchtlinge und Deutsche, treffen sich in der Küche der evangelischen Gemeinde Neumühl, um über den Tellerrand zu schauen. So heißt das Kochprojekt, das sich jeden Monat eine andere Länderküche samt Zutaten vornimmt.

Lange Abende mit Gesprächen

Angefangen hat alles vor zwei Jahren mit dem Projekt „Kitchen on the run.“ Studenten aus Berlin schickten einen Container auf die Reise, der eine typische Flüchtlingsroute nachzeichnen sollte. In Italien ging’s los, in Deutschland machte der Container dann in Neumühl Station. „Jeden Abend gab es etwas zu essen und gute Gespräche auf Augenhöhe“, erinnert sich Stefan Ringling, Jugendleiter und einer der Aktiven beim Newcomer Netzwerk Neumühl, das sich für Flüchtlinge engagiert. Damit der Austausch weitergeführt wird, haben sich die Duisburger der Initiative „Über den Tellerrand“ angeschlossen. Einmal im Monat wird gemeinsam gekocht und gegessen. „Seitdem St. Barbara geschlossen wurde und auch die Turnhalle dicht ist, kommen weniger Flüchtlinge, aber dafür kommen immer mal wieder Neue dazu, die die Aktion schön finden“, sagt Stefan Ringling. Finanziell unterstützt wird die Gruppe unter anderem vom Kommunalen Integrationszentrum und anderen Spendern.

Börek - Essen für den sponaten Besuch

Spinat ist dankbar, er kommt in vielen Gerichten vor. Samet Yetik zeigt den anderen, wie man Zigarren-Börek rollt. Auf ein Stück Blätterteig wird die Spinat-Hirtenkäse geträufelt, dann werden die Röllchen geformt. Später werden diese frittiert. „Das ist eigentlich ein Essen, was es gibt, wenn sich spontan Besuch ankündigt“, erklärt Samet Yetik. Er mag die türkische Küche, „aber ich probiere auch alles andere, was wir hier zubereiten.“ Er findet gut, dass das „Kochen so niederschwellig ist, und alle mitmachen können.“

Gegessen wird bis zum späten Abend

Imtisel Tatari behält in der Küche den Überblick. Die Mutter von sechs Kindern treibt die Frage um: „Reichen drei Pakete Nudeln?“ Andrea Sack, die am Herd steht, meint: „Laut Weightwatchers rechnet man 50 Gramm pro Person. Da ist aber auch Fleisch bei.“ Imtisel blickt zweifelnd: „Da rechnen wir anders.“ Ihr Vater kam in den 1960er Jahren aus Syrien nach Deutschland, sie wurde in der Bundesrepublik geboren. „Für die Flüchtlinge sind wir die Deutschen. Wir können Brücken bauen.“

Wenn die Gruppe kocht, werden die Abende lang. Gegessen wird bis zum späten Abend. „Mmh, lecker“, lautet das Urteil von Imtisel Tartari, die mit den anderen an einer langen Tafel sitzt. „Meist haben wir viel zu viel. Damit können wir den halben Stadtteil beköstigen“, sagt Stefan Ringling.

>> KURDISCH KOCHEN IM APRIL

Am 14. April veranstaltet die Gruppe „Über den Tellerrand“ einen Kochkurs, bei dem kurdische Gerichte zubereitet werden.

Da die Anzahl der Plätze begrenzt ist, sollten sich alle Interessierten unbedingt per E-Mail anmelden: duisburg@ueberdentellerrand.org. Die Teilnahme kostet fünf Euro.

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