Ausstellung

Deutsch-französisch gekreuzter Blick auf die Quartiere

Unter dem Motto „Marxloh kann … Demokratie“ stehen die Fotos und Texte der jungen Erzieher im Dialog mit einer Fotoserie aus dem Werk „Une jeunesse française“ („Eine französische Jugend“).  Das Projekt wurde unter der Leitung vom Institut français und dem Sophie Scholl Berufskolleg im November 2017 ins Leben gerufen.Fotos:DANIEL ELKE

Unter dem Motto „Marxloh kann … Demokratie“ stehen die Fotos und Texte der jungen Erzieher im Dialog mit einer Fotoserie aus dem Werk „Une jeunesse française“ („Eine französische Jugend“). Das Projekt wurde unter der Leitung vom Institut français und dem Sophie Scholl Berufskolleg im November 2017 ins Leben gerufen.Fotos:DANIEL ELKE

Duisburg.   Fünf Monate lang haben Schüler am Sophie-Scholl-Berufskolleg eine deutsch-französische Fotoausstellung über Stadtteile erarbeitet.

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Wenn – wie auch gestern Vormittag in Marxloh, im Sophie-Scholl-Berufskolleg – der Grandseigneur der deutsch-französischen Verständigung, Professor Alfred Grosser auf das Thema „Stadtteile und Migranten“, auf die „banlieus“ (die Vororte) in Frankreich zu sprechen kommt, dann wird der mittlerweile 92-jährige Politologe immer wieder zornig und nimmt kein Blatt vor den Mund:

Alle Jugendlichen in den so genannten Problemvierteln, so sagt Grosser mit kaltem Zorn, seien ja Franzosen mit französischem Pass, doch sie würden dort total diskriminiert. Von der Polizei, die sie schikaniere, von schlechten Schulen, von der übrigen Zivilgesellschaft, die sie nicht mitmachen lasse. „Also suchten sie sich eine andere Identität, den radikalen Islam – und man muss wissen, erst kam die Diskriminierung durch Frankreich, dann kam der radikale Islam!“

Champs-Élysée und kurdischer Tänz

Vor mehreren Hundert Schülerinnen und Schülern des Sophie-Scholl-Berufskollegs an der Dahlmannstraße in Marxloh, die an diesem Donnerstag eben noch zu Ehren der hochmögenden Gäste der Eröffnung einer deutsch-französischen Foto-Ausstellung in der Schule „Oh Champs-Elysée“ gesungen und kurdische-irakisch-libanesische Tänze getanzt haben – spricht nun der alte Mann aus Frankreich. Und die jungen Schüler hören genau hin, verstehen genau, worum es hier geht, obwohl Grosser sehr leise spricht und schwer zu verstehen ist. Es geht um Respekt, um Demokratie, darum, wie wir als Menschen im gemeinsamen Haus Europa leben wollen und wie die beiden Länder Deutschland und Frankreich dabei behilflich sein könnten.

Dazu haben sich Schüler einer Erzieherklasse des Berufskollegs die französische Foto-Ausstellung „Une jeunesse française“ (Eine französische Jugend) von Sébastien Deslandes und Hervé Lequeux zum Vorbild genommen und sind mit Fotokamera, Block und Bleistift auf Marxlohs Straßen unterwegs gewesen, auf der Suche nach Parallelen zu den französischen Banlieues, beziehungsweise zu den Lebensläufen der französischen Jugendlichen.

Entstanden ist mit Unterstützung des Institut Français Düsseldorf und der Landeszentrale für politische Bildung eine bemerkenswerte deutsch-französische Ausstellung mit dem Titel „Gekreuzter Blick auf die Stadtteile“ (Regards croisés sur les quartiers). Sie nimmt die Kinder und Jugendlichen in den Fokus und zeigt Parallelen zu dem Leben der Kinder und Jugendlichen in Frankreich auf.

Es wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Szene gesetzt und die Fotos und Texte so kombiniert, dass ein Aspekt mit jedem Bilderpaar in einem „gekreuzten Blick“ betrachtet wird. Dabei ist der Text - die Geschichte, die Motive und Eindrücke hinter dem Bild - genauso wertvoll und interessant wie das Foto selbst. Und: Nicht über Kinder und Jugendliche und deren Situation wird hier gesprochen, sie selber kommen hier zu Wort. Die Ausstellung räumt schlicht und überzeugend mit Vorurteilen auf.

Sie gibt den Blick frei auf den Alltag dieser Jugendlichen und auf ihre Erwartungen an die Gesellschaft. Besonders auf die demokratischen Werte, auf die beide Länder sich jeweils berufen. Weswegen die beiden sympathischen Schüler-Moderatoren alle Redner dieser feierlichen Schulveranstaltung (die Schulleiterin, die Vizepräsidentin des NRW-Landtages, den Schuldezernenten der Stadt, den französischen Generalkonsul und natürlich den berühmten Professor aus Frankreich) nach ihrem persönlichen Verständnis von Demokratie befragten.

Landtags-Vizepräsidentin Carina Gödecke outete sich als veritabler Marxloh-Fan: Dieser Stadtteil im Norden der Stadt könne gewissermaßen alles erreichen, wenn er nur wolle. Marxloh sei ein Quartier voller Lebendigkeit, voller Vielfalt, auch mit einer gewissen Ungeduld.

Auf keinen Fall sei Marxloh aber eine No-Go-Area, wie manche behaupteten. Diese Ausstellung betrachte sie als Mahnung und Herausforderung. Ihre Macher hätten damit bereits eine Gemeinsamkeit unter Jugendlichen hergestellt, sie seien Brückenbauer für ein gemeinsames Europa.

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