Nahverkehrsplan

Der Protest gegen den Duisburger Nahverkehrsplan geht weiter

Nach der Menschenkette am vergangenen Sonntag ist eine weitere Protestaktion im Duisburger Süden gegen den neuen Nahverkehrsplan geplant.

Nach der Menschenkette am vergangenen Sonntag ist eine weitere Protestaktion im Duisburger Süden gegen den neuen Nahverkehrsplan geplant.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Nach der Menschenkette im Duisburger Süden kündigt sich weiterer Protest gegen den neuen Nahverkehrsplan an. Wo sich Duisburger auch noch ärgern.

Der Ärger über den neuen Nahverkehrsplan zum 27. Oktober ist weiter groß. Im Duisburger Süden gab es bereits am vergangenen Samstag eine Demo mit Menschenkette. Nun wird der von der SPD in Ungelsheim und mehreren Bürgervereinen initiierte Protest gegen die neuen Fahrpläne am Samstag, 5. Oktober, fortgesetzt.

Die betroffenen Menschen wollen sich um 14 Uhr erneut an der Haltestelle Schwarzer Weg/Ecke Am Grünen Hang treffen. Der Grund des Ärgers: Die Anbindung der Stadtteile Ehingen, Ungelsheim und Hüttenheim an die zentralen Orte wie die großen Arbeitgeber TKS und HKM, an die weiterführenden Linien wie U79 und 903, an die Schulen sowie das Nahversorgungszentrum an der Mündelheimer Straße seien künftig faktisch nicht mehr gewährleistet. Parallel zur Protestaktion in Ungelsheim bringt der Dachverband der Bürgervereine eine Bürgereingabe nach Paragraf § 24 der Gemeindeordnung ein, um sich bei den zuständigen Gremien zu beschweren.

„Die Taktung ist mies“

Aber nicht nur im Duisburger Süden ist der Unmut über die neuen Fahrpläne groß. Dabei hat sich Homer Faidas aus Neudorf zunächst gefreut. Er wohnt nicht weit von der Haltestelle Wildstraße entfernt. „Die wurde bisher nur zweimal in der Stunde angefahren, künftig bis zu acht Mal“, so Faidas. „Allerdings ist die Taktung mies. Viele Busse kommen gleichzeitig.“

Dies sei auf der Strecke zwischen Koloniestraße und Duisburg Hauptbahnhof besonders schlimm. „Da fahren die Busse der Linien 934, 928 und 920 die Haltestellen im Minutentakt nacheinander an, aber danach fährt teilweise plötzlich eine halbe Stunde kein Bus mehr“, beklagt der Neudorfer.

Nachteile für Neudorf und Neuenkamp

Karla Osinski wohnt ebenfalls in Neudorf, an der Aktienstraße. Von dort konnte sie bisher mit dem Bus der Linie 933 immer direkt zu ihrem Arbeitsplatz an der Friedrich-Wilhelm-Straße fahren. Nun nicht mehr. „Dort gibt es auch viele Arztpraxen und das kulturelle Zentrum am Dellplatz mit Säule, Filmforum und vielen Gaststätten ganz in der Nähe“, so Osinski. „Dass die Friedrich-Wilhelm-Straße von der 933 nicht mehr angefahren wird, ist für Neudorfer, aber auch für Neuenkamper von Nachteil. Viele andere und ich auch müssen künftig immer am Hauptbahnhof umsteigen und hoffen, dass man den Anschluss bekommt.“

Daniel Keßler kann ebenfalls nur müde darüber lächeln, dass der neue Plan laut DVG für bessere und schnellere Verbindungen sorgen soll. „Oft ist genau das Gegenteil der Fall“, so Keßler. „Ich denke da besonders an die älteren Menschen in meinem Stadtteil, die den Bus von der Deichstraße in Laar oder aus Beeckerwerth zum Einkaufen, Geld abholen oder zum Arzt nutzen. Die können nur noch durch Umstieg, Lauf zu einer anderen Haltestelle und mit Wartezeit ihr Ziel in Meiderich erreichen.“

Und Vanessa Nielutz sagt: „Ich weiß, warum ich für meine Tochter einen Kinderarzt in Hamborn und nicht in Meiderich gesucht habe. Da nimmt man eine echt gute Verbindung weg“, so Nielutz. „Bisher brauche ich mit dem 907er von Beeckerwerth aus nur ungefähr 15 Minuten. Nach der Umstellung dauert es dann bestimmt eine Stunde.️ Echt schade sowas!“

Ärger auch auf der linken Rheinseite

Auch auf der linken Rheinseite herrscht großes Unverständnis über den neuen Nahverkehrsplan. Petra Seidel-Siewert etwa kritisiert: „In Rumeln gibt es nur ein Gymnasium. Alle Schüler brauchen viel länger zur Schule, sind aber viel früher da und kommen nach Schulschluss viel später weg“, so Seidel Siewert.

Doris Adler sieht auch Baerl benachteiligt: „Wir haben nur noch eine Buslinie nach Homberg beziehungsweise Friemersheim. Wir kommen ohne Umstieg nirgendwo sonst mehr hin. Außer nach Moers und Rheinberg.“

„Ohne Rücksicht auf Verluste“

Das wirklich Schlimme, so Adler, daran sei, dass viele Bürger, teils sogar mit Unterstützung ihrer Bezirksvertretungen, schon seit mehr als einem Jahr auf die massiven Fehler hinweisen und Politik und Stadt trotzdem alles rigoros ohne Rücksicht auf Verluste ihre Pläne durchziehe. „Was das an Politikverdrossenheit hervorruft, kann sich jeder selbst denken.“

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