Lesungen

Der Duisburger Verein für Literatur blickt nach Frankreich

Ulrich Wickert – hier bei einer Lesung beim Krimi-Festival „Mord am Hellweg“ – stellt keinen neuen Krimi, sondern ein Sachbuch über Frankreich vor.

Ulrich Wickert – hier bei einer Lesung beim Krimi-Festival „Mord am Hellweg“ – stellt keinen neuen Krimi, sondern ein Sachbuch über Frankreich vor.

Foto: Jürgen Theobald

Duisburg.  Das Veranstaltungsprogramm 2017/2018 erinnert an die Werte der Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!“ und feiert Böll und Grass.

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Französischsprachige Literatur als Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse, die in der französischen Revolution erkämpften Werte auch mitten in Europa bedroht: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ hat der Verein für Literatur zum Thema seines Programms für 2017/2018 gemacht. „Viele Höhepunkte“ kündigte Thomas Diederichs, Vereinsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender des Hauptsponsors Volksbank, am Montag an. Dass das Programm mit neun Lesungen umfangreicher ausfällt als sonst, ist wohl auch zwei Geburtstagen von Literatur-Nobelpreisträgern geschuldet, die es in diesem Herbst zu feiern gilt: Heinrich Böll wäre 100, Günter Grass 90 Jahre alt geworden.

Einer der populärsten Autoren, die in der Zentralbibliothek im Stadtfenster an der Steinschen Gasse lesen, ist Ulrich Wickert. Der ehemalige Tagesthemen-Moderator und Frankreich-Experte bringt aber keinen Krimi mit, sondern liest am 25. Januar aus seinem neuen Buch „Frankreich muss man lieben, um es zu verstehen“, das im September erscheint. Darin geht es um die wirtschaftliche, soziale und politische Krise im Nachbarland.

Im Rotlicht-Milieu

Die Auftaktlesung am 8. September ist eine Kooperation mit dem Literaturbüro Ruhr. Die 1982 geborene Nora Bossong liest aus ihrem Buch „Rotlicht“, für den sie sich ins Milieu begeben hat: Sie trifft Pornoproduzenten, besucht Sexkinos und Swingerclubs; Moderatorin ist Gabriele von Arnim.

„Der Engel schwieg“

Mit einer Lesung aus „Der Engel schwieg“ wird am 22. September an Heinrich Böll erinnert. Der bekannte Schauspieler Günter Lamprecht hat mit seiner Frau, der Schauspielerin Claudia Amm, und Literaturwissenschaftler Hans-Gerd Koch eine Lesefassung des frühen Romans erarbeitet, der nach Kriegsende 1945 in Köln spielt und erst 1992 posthum erschienen ist. Hunger und Brot, Ruinen und katholische Kirche – „hier sind schon alle Böll-Themen angelegt“, so Bibliothekschef Jan-Pieter Barbian.

Markus Boysen liest den „Butt“

Ebenfalls hochkarätig besetzt ist die Lesung zum Grass-Geburtstag am 16. Oktober. Markus Boysen aus der bekannten Schauspieler-Familie liest aus dem 1977 erschienenen Roman „Der Butt“, in dem Grass das Grimm-Märchen vom Fischer und seiner Frau umgekehrt erzählt – aus der Perspektive der Frau. Es moderiert Hanjo Kesting.

Die guten Bücher der Franzosen

„Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben“ erklärt Iris Radisch am 25. Oktober in ihrem neuen Buch, das im September erscheint. Darin begibt sich die studierte Romanistin und bekannte Literaturkritikerin auf einen Streifzug durch die neuere französische Literatur und gibt einen Überblick von Sartre und Duras bis hin zu Yasmina Reza und Houellebecq; es moderiert Wolfgang Schwarzer von der Deutsch-Französischen Gesellschaft.

Prof. Kraft in Silicon Valley

Der Schweizer Autor Johans Lüscher stellt am 9. November seinen Roman „Kraft“ vor. Darin geht der „ziemlich kraftlose“ Professor Richard Kraft ins Silicon Valley, um an einem wissenschaftlichen Wettbewerb teilzunehmen. Lüscher blicke dabei auch kritisch-desillusionierend auf den Mythos Silicon Valley, so Barbian.

Historischer Berlin-Krimi

Volker Kutscher stellt am 1. Dezember mit „Lunapark“ seinen sechsten Krimi der Serie um Kommissar Gereon Rath vor, die ein schillerndes Bild Berlins in den 20er und 30er Jahre zeichnet. Glanz und Elend der Metropole, in der die Nazis zunehmend an Macht gewinnen – auch im Polizeiapparat.

„Die Sache mit dem Abschied“

Nach „Da geht noch was“ zu ihrem 65. Geburtstag, geht es bei Christine Westermann mit dem Thema weiter. Sie stellt am 22. Februar „Die Sache mit dem Abschied. Versuch einer Versöhnung“ vor. Abschied nehmen gehört schließlich zum Altern dazu.

Poetry-Slammerin scheitert schön

Mit der jungen Poetry-Slammerin Sarah Bosetti (Jahrgang 1984) endet das Programm am 12. März. Sie erzählt in „Ich will doch nur mein Bestes“ Geschichten vom schönen Scheitern. Der Literaturverein möchte mit ihrem Auftritt junge Menschen gewinnen – möglichst auch als Mitglieder (Jahresbeitrag 35, für Schüler und Studenten 20 Euro). Der 105 Jahre alte Verein verdiene es weiterzuleben, wirbt Thomas Diederichs um junge Buchfreunde.

>>> FREIER EINTRITT FÜR VEREINSMITGLIEDER

Alle Lesungen beginnen um 20 Uhr in der Zentralbibliothek im Stadtfenster an der Steinschen Gasse 26. Die Eintrittspreise variieren mehr als in den Vorjahren zwischen 6 und 10 Euro (im Vorverkauf 1 bis 2 Euro weniger).

Für Mitglieder gilt Eintritt frei, mehr Info unter www.stadtbibliothek-duisburg.de.

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