Festival Platzhirsch

Der Duisburger Platzhirsch macht auch im Winter Spaß

Sedlmeier sang auf der einzigen Außenbühne des Platzhirsch-Festivals, begleitet von Videos, von Kriminalität und dass er allen, die gut zu ihm sind, ein Bier kauft.

Sedlmeier sang auf der einzigen Außenbühne des Platzhirsch-Festivals, begleitet von Videos, von Kriminalität und dass er allen, die gut zu ihm sind, ein Bier kauft.

Foto: Frank Oppitz

Duisburg.   Festival feierte Musik und Kunst aus allen Ecken und Nischen diesmal rund um den Dellplatz und im Innenhafen. Mit dabei ein Heavy-Metal-Cello.

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„Artenvielfalt“. Das ist das Stichwort des Platzhirsch-Festivals rund um den Dellplatz, auch in diesem Jahr. Aber Moment mal. Platzhirsch im Winter? Auf dem kalten Dellplatz? Tatsächlich fand das Festival am vergangenen Freitag und Samstag tatsächlich nur um, nicht auf dem Dellplatz statt. An vielen Spielorten konnten sich die Gäste Künstler ansehen, die sonst vielleicht unter dem Radar fliegen, und so ganz neue, faszinierende Musik, Kunst oder Performances entdecken.

Diesmal auch ein ganzes Stück vom Dellplatz entfernt, neben alten Bekannten wie dem Grammatikoff gastierte der Platzhirsch nämlich auch im Explorado-Kindermuseum und im Museum Küppersmühle im Innenhafen. „Der Innenhafen ist super angenommen worden, der Shuttlebus war ständig voll“, freute sich Sebastian Schwenk vom Festivalteam. Auch mit der Besucherzahl zeigte sich Schwenk am Sonntag zufrieden, obwohl noch keine genauen Zahlen vorlagen. „Wir sind ungefähr an die Zahlen der Sommerausgaben rangekommen.“

Herzstück bleibt die Musik

Trotz der Vielfalt der Angebote: Das Herzstück beim Platzhirsch bleibt die Musik. Und davon hatte das Organisationsteam eine ganze Menge nach Duisburg geholt, einige Künstler spielten gleich mehrmals und an unterschiedlichen Orten. Ein frühes Highlight im Programm war das Stefan Keune Quartett in der Kirche St. Joseph. Neben dem Saxofonisten Keune standen noch ein weiterer Saxophonist, ein Schlagzeuger und ein Kontrabassist auf der Bühne, und die vier hielten sich nicht lange Vorgeplänkel auf.

„Powerplay“ war dem Publikum versprochen worden – es bekam hervorragenden Free Jazz und Musiker, die die klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente bis zum Äußersten ausreizten. Zwar blitzen hier und da scheinbar komponierte Melodien und Harmonien auf, tatsächlich war die Musik des Quartetts aber vor allem eines: „zum Reinlegen“. Riesige Klangbögen wechselten sich mit filigranen Pianopassagen ab, die Musiker arbeiteten sich mal wild, mal sehr besonnen durch die offenen Stücke. Wer den Mut hatte, die Musikkonventionen für einen Moment loszulassen, wurde mit einem tollen Konzert belohnt.

Wesentlich konkreter ging es beim „Handsome Couple“ im „Das Café“ zu. Mit Schlagzeug und verzerrtem Banjo spielten die beiden Musiker Trip-Hop oder einfach „Beats“, wie die beiden selbst erklärten. Kein Gesang, aber dafür extrem eng gewobene Duo-Musik, durchaus tanzbar. Bloß tanzen, das war im rappelvollen Café nicht möglich, dafür konnten die Gäste neben der Musik auch eine tollen Clubatmosphäre genießen.

Andächtig war es zur gleichen Zeit in der Galerie „Jetztamdellplatz“, denn dort hatten Schüler der Globus Gesamtschule unter dem Motto „Das bin ich“ Knetfiguren erstellt, Storyboards entworfen und mittels Stop-Motion-Technik eigene Kurzfilme gedreht.

Um Kindergeschichten ging es auch im Gemeindehaus, dort hatte Autor Ralf Koss mit schreibfreudigen Kindern an ihren Geschichten gearbeitet – die der Autorennachwuchs dann selbstverständlich auch dem Publikum vortragen durfte. Wer sich zwischen all dem Rummel ein wenig entspannen wollte, konnte in die Krypta der Kirche hinabsteigen und seine eigene Lieblingsmusik hören. Durch einen eigens entworfenen Holztrichter schallte die Musik verstärkt durch den Keller.

Eine Außenbühne vor St. Joseph

Die einzige Außenbühne war der rote Bus neben dem Infostand. Dort spielte am Samstag zum Beispiel Sedlmeir, und sang, begleitet von seiner Gitarre, Musik vom Band und einer Videoinstallation, von Kriminalität in Deutschland und dass er allen, die gut zu ihm sind, ein Bier kauft. Die vielleicht größte positive, Überraschung erlebte das Publikum aber wieder drinnen, und zwar am Festivalfreitag im Grammatikoff. Dort trat mit Mr. Marcaille ein Künstler auf, der sich erstmal der meisten seiner Klamotten entledigte, sich an sein verzerrtes (!) Cello setzte – und mit Urschreien waschechten Heavy Metal spielte. Das verzerrte Cello stand einer E-Gitarre dabei in nichts nach, und dank zwei Fußmaschinen sorgte der außergewöhnliche Belgier auch für seine eigene Schlagzeugbegleitung. So macht Artenvielfalt Spaß.

Platzhirsch 2019 wieder im Sommer

2019 findet das Platzhirsch-Festival wieder im Sommer statt - vom 30. August bis 1. September. „Wir planen für den Dellplatz ein neues Konzept, wir wollen frisch bleiben“, verriet Sebastian Schwenk.

Bis zum 31. Dezember gibt es das vergünstigte „Katze-im-Sack“-Festivalticket unter platzhirsch-duisburg.de zu kaufen

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