Bildung

Den Kleinsten den Zugang zur Sprache erleichtern

Erziehungskompetenz vermitteln – darum geht es auch im deutsch-türkischen Griffbereit-Kurs der Kita Papiermühlenstraße in Bruckhausen.

Foto: DANIEL ELKE

Erziehungskompetenz vermitteln – darum geht es auch im deutsch-türkischen Griffbereit-Kurs der Kita Papiermühlenstraße in Bruckhausen. Foto: DANIEL ELKE

Duisburg.   Für Kinder, in deren Familien eine Fremdsprache gesprochen wird, bietet das Programm „Griffbereit“ wichtigen Zugang zur deutschen Sprache.

Mehrsprachig aufzuwachsen ist für Kinder ein Geschenk. Wer aber in seinen ersten Lebensjahren nur die Muttersprache seiner Eltern, nicht aber die Landessprache hört, der startet schon im Kindergarten seine Bildungskarriere mit einem gravierenden Nachteil. Dort setzt „Griffbereit“ an – das Sprachförderprogramm vermittelt Kindern zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr und ihren Eltern spielerisch den Zugang zur Sprache.

„Auf der grünen Wiese steht ein Karussell“, singen acht Mütter mit den Kursleiterinnen Emel Görülü und Hüsniye Kement. Im Pfarrheim der Kirche St. Franziskus neben der Kita Papiermühlenstraße in Bruckhausen sitzen die Kinder unter dem bunten Tuch und singen mit. „Wenn die Kinder ein Jahr lang hier waren, dann haben sie schon mal eine Sprachdusche bekommen“, sagt Natalie Zander, Bereichsleiterin für 18 Kitas im Stadtnorden mit dem Schwerpunkt sprachliche Bildung.

Viele sind schon hier geboren

Deutsch-Türkisch ist dieser „Griffbereit“-Kurs, einmal pro Woche kommen die Kinder für zwei Stunden an 30 Terminen pro Jahr. „Das ist wichtig, denn viele Mütter geben ihre Kinder nicht vor dem 3. Lebensjahr ab“, sagt Maria Dzierzawa, die Kita-Leiterin. An deutscher Sprachkompetenz fehle es vielen jungen Frauen im Viertel gar nicht, sagt sie. „Viele sind schon hier geboren, haben hier die Schule besucht. Aber in den Familien wird oft nur die Herkunftssprache gesprochen.“

Deshalb dürfe man das Programm nicht mit Sprachkursen verwechseln, betont Leila Ahkim. „Die Mütter lernen hier Erziehungskompetenz“. Als Koordinatorin des Kommunalen Integrationszentrums (KI) ist sie gemeinsam mit Elisabeth Wegener für die Auswahl der Honorarkräfte zuständig. „Die Kursleiterinnen sollten zweisprachig sein“, sagen sie. Zweimal pro Jahr wird über die Kitas der Bedarf abgefragt, danach verteilt sich das Sprachangebot. Deshalb gibt es Kurse für bulgarische Muttersprachler in Marxloh, für arabische Migranten in Rheinhausen. Dass Teilnehmerinnen später selbst zu Kursleiterinnen werden, komme durchaus vor, berichten die Koordinatorinnen.

Eltern in beiden Sprachen stärken

Das Programm folgt einem Konzept der Landeskoordinierungsstelle in Dortmund, das für landesweit 900 „Griffbereit“-Kurse in vielen Sprachen zuständig ist. „Es geht darum, die Eltern in beiden Sprachen zu stärken“, erklärt Natalie Zander. Das funktioniert über das gemeinsame Singen, Spielen und Basteln in den Gruppen, über die Hinweise auf Bildungsangebote im Stadtteil oder außerhalb seiner Grenzen.

„Über die Niedrigschwelligkeit der Kita können wir das Bildungsverhalten stärken“, so Natalie Zander. Von einer gut funktionierenden Mund-zu-Mund-Propaganda, die die Kurse füllt, berichten Kita-Leiterinnen wie Maria Dzierzawa: „Für die Mütter tun sich viele Türen auf, das ist faszinierend zu beobachten.“

Programme „Griffbereit“ und „Rucksack“

„Griffbereit“ ist das Programm für Kinder von 1-3 Jahren und ihre Eltern. Nur für Mütter mit Migrationsgeschichte, deren Kinder die Kita besuchen, gibt es „Rucksack“.

Beide Programm werden finanziert mit städtischen Sprachfördermitteln, in diesem Jahr 390 000 Euro.

Die 39 „Griffbereit“-Kurse laufen in 33 städtischen und sechs Kitas freier Träger, „Rucksack“ wird in 34 städtischen und sieben Kitas freier Träger angeboten.

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