Duisburg-Panorama (6)

Dem Himmel so nah, oben auf Hochofen 5

Die Aussichts-Plattform auf dem Hochofen im Landschaftspark-Nord in Duisburg-Meiderich. Freitag den 09.12.2011.

Die Aussichts-Plattform auf dem Hochofen im Landschaftspark-Nord in Duisburg-Meiderich. Freitag den 09.12.2011.

Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.  In der WAZ-Serie "Duisburg-Panorama" stellen wir die schönsten Fernsicht-Punkte der Stadt vor. Heute: die Aussichtsplattform Hochofen 5 im Meidericher Landschaftspark Nord.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Aufstieg ist ein mühsamer. Satte 252 Stufen – gefertigt aus Stahl und Stein – gilt es für jeden Fernsicht-Willigen zu erklimmen, um die höchst gelegene Aussichtsplattform von Hochofen 5 zu erreichen. Ist die Kraxeltour vollbracht, liegt den furchtlosen Besuchern dort oben in einer Höhe von 70 Metern nicht nur das Riesenareal des Landschaftsparks Nord in Meiderich zu Füßen, sondern auch weite Teile Duisburgs, des westlichen Ruhrgebiets und des Niederrheins. Mehr Beobachtungs-Vielfalt von einem einzelnen Punkt aus geht kaum.

Es ist ein stürmischer Vormittag bei klarem, blauem Himmel. Die Dezember-Sonne wärmt ungefähr so wie ein Griff in die Tiefkühltruhe. Und trotz dieser widrigen Umstände tummeln sich auf den teils schwindelerregenden, frei schwebenden Treppen von Hochofen 5 zahlreiche Gäste. So wie jeden Tag. Einer von ihnen ist Patrick Hofmann.

"Das ist wirklich beeindruckend hier"

Der 25-Jährige lebt in der Nähe von Frankfurt. Einen Besuch bei seinem in Duisburg lebenden Vater nutzte der Kurzurlauber auch zu einem Abstecher ins stillgelegte Hüttenwerk. „Das ist wirklich beeindruckend hier“, sagt Hofmann, der ein wenig außer Atem ist. Kein Wunder, trägt er doch sein komplettes Gepäck im Rucksack auf dem Rücken und muss den mühsamen Aufstieg zur Spitze – der so genannten Glockenhebelbühne des ehemaligen Hochofens – mit Extra-Ballast meistern. Aber das nimmt er in Kauf. Die Fernsicht entschädigt auch für die steilste Strapaze.

Wer sich während des Gangs nach oben ein wenig ablenken will, der kann auf insgesamt sechs Zwischen-Haltepunkten – so genannten Bühnen – rasten und ein wenig verschnaufen. Ziffern, die in Metallschilder gefräst sind, verraten sofort, wie viele Meter über dem Erdboden jeder sich gerade aufhält.

Hochofen wurde 1973 in Betrieb genommen

Die allerersten Schritte führen aber zunächst durch die Gießhalle des ehemaligen Hüttenwerks. Sie ist das mit kathedralem Charme aufwartende Entree, das eine Ehrfurcht einflößende, räumliche Erfahrung bietet. Die riesigen Dimensionen des Hochofens werden sicht- und spürbar.

Das erste Teilstück des Aufstiegs führt ständig unmittelbar am Hochofen vorbei. Dieser wurde 1973 in Betrieb genommen und trotz bevorstehender Schließung des Werkes im Jahr 1985 nochmals komplett saniert. Die letzte Schicht hinterließ ihn besenrein und anblasfähig. Einst gab es fünf dieser Hochöfen im Hüttenwerk. Zwei wurden aber abgerissen. Und von dem verbliebenen Trio wurde nur Hochofen 5 mit einer Besucher-Aussichtsplattform ausgestattet. Diese gibt es seit der Eröffnung des Landschaftsparks im Jahr 1994.

Abstecher zum Windenhaus

Der Aufstieg geht weiter. In Höhe von Bühne 4 – das entspricht 51,65 Meter über Normalnull – ist ein Abstecher zum Windenhaus möglich. Diesen wagen auch Yukio Endo, Kouji Mutou und Futoshi Shimizu. Sie sind ein Fernsehteam des japanischen TV-Senders NHK. Sie berichten am Samstag über das Top-Spiel der Frauenfußball-Bundesliga zwischen dem FCR und dem 1. FFC Frankfurt. In Reihen der Duisburgerinnen steht mit Kozue Ando eine japanische Weltmeisterin. Wegen ihr sind die Reporter aus Fernorst da. Auf Hochofen 5 drehen sie Bilder für ein Portrait der Stadt, in der Ando lebt und kickt. Bessere Perspektiven als hier lassen sich kaum finden.

Endlich ganz oben angekommen, muss sich der Betrachter an diesem stürmischen Vormittag gegen Windböen stemmen. Die erste Sicht gen Osten reicht bis zum Tetraeder in Bottrop sowie der Hochhäuser-Skyline in der Essener Innenstadt. Im Westen hat das Werk von Thyssen-Krupp Steel in Bruckhausen ein einnehmendes Wesen. Dahinter erhebt sich Moers am Horizont. Im Norden schimmert das grüne Dach des Hamborner Rathauses in der Sonne. Und im Süden reihen sich Landmarken der Duisburger City wie an einer Perlenkette auf. Jetzt steht fest: Hier oben ist der schönste Park-Platz.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben