Unfallprävention

„Crash Kurs NRW“ schockt Schüler mit realen Geschichten

Marion Fischer (ehemals bei den Maltesern) und Rolf Meier-Ebert (Dekra) berichten bei „Crash Kurs NRW“ an der Leibniz-Gesamtschule in Duisburg über Verkehrsunfälle, die sie erlebt haben. Polizeihauptkommissarin Kerstin Kühnan zählt zu den Organisatoren des Präventionsprogramm, das sich an Jugendliche der zehnten und elften Klasse.

Marion Fischer (ehemals bei den Maltesern) und Rolf Meier-Ebert (Dekra) berichten bei „Crash Kurs NRW“ an der Leibniz-Gesamtschule in Duisburg über Verkehrsunfälle, die sie erlebt haben. Polizeihauptkommissarin Kerstin Kühnan zählt zu den Organisatoren des Präventionsprogramm, das sich an Jugendliche der zehnten und elften Klasse.

Foto: Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Beim „Crash Kurs NRW“ haben Sanitäter und Polizisten Schülern in Duisburg-Hamborn von schockierenden Erfahrungen an Unfallorten berichtet.

Ein Blick auf das Smartphone kann im Straßenverkehr lebensbedrohliche Folgen haben. Im Rahmen des Programms „Crash Kurs NRW“ schildern Polizisten, Sanitäter und Unfallopfer Schülern in Hamborn, welche dramatischen Auswirkungen Leichtsinn im Straßenverkehr haben kann. Die detaillierten Berichte hinterlassen bei den 200 Jugendlichen der Leibniz-Gesamtschule Eindruck.

„Crash Kurs NRW“ soll die Schüler sensibilisieren

Noch kichern und grinsen die Schüler in der Aula der Leibniz-Gesamtschule: Gerade läuft ein Trailer, der die Zehntklässler auf die kommenden Geschichten einstimmen soll. Er ist schon etwas älter: Lauter Techno wummert über die Lautsprecher. Der kurze Film zeigt Bilder aus dem Duisburger Straßenverkehr – und immer wieder Unfälle.

Danach wird es still: Eine Polizeibeamtin beginnt zu erzählen, was sie vor mehreren Jahren während eines Einsatzes erlebt hat: Ein BMW-Cabrio war damals auf der B288 in einen Stadtbus gekracht: „Das Auto war geschreddert“, sagt die Polizistin. Der Fahrer und sein Beifahrer wurden schwer verletzt. Während der Beifahrer sein Leben lang von Narben im Gesicht gezeichnet sein wird, lag der Fahrer noch Wochen nach dem Unfall im Koma, erzählt die Beamtin. Die beiden jungen Männer waren nicht angeschnallt. Sie hatten sich sogar eine Vorrichtung für die Halterung des Gurts gebaut, um das Piepen des Autos zu verhindern.

Unter 25-Jährige überproportional häufig an Unfällen beteiligt

„Kein Gurt, keine Entschuldigung“ – so endet der nächste Kurzfilm, bevor Marion Fischer anfängt zu erzählen. Die 59-Jährige hat vierzig Jahre lang als Sanitäterin bei den Maltesern gearbeitet. Ihr erster Verkehrsunfall lässt sie bis heute nicht los: Damals waren Teenager auf dem Heimweg von einer Diskothek mit ihrem Auto von der Straße abgekommen und eine Böschung hinabgestürzt. „Viel Erfolg beim Sortieren“, wünschte ihr ein Kollege, als sie sich an der Unfallstelle auf den Weg zum verunglückten Fahrzeug machte. „Das Auto sah aus wie eine Spielzeugkiste: hier ein Arm, da ein Bein, dort ein Kopf“, schildert Fischer.

Sieben junge Menschen seien in das Auto gepfercht gewesen. Eines der Mädchen starb noch am Unfallort. Eine andere wurde querschnittsgelähmt. Der Beifahrer hatte aus Spaß „Achtung Wildschwein“ gerufen, woraufhin der Fahrer das Lenkrad verriss. Die Schuld dieser Dummheit konnte der Beifahrer nie verarbeiten: „Er war ein Jahr in der Reha und hat sich dann das Leben genommen“, berichtet Fischer.

Mit emotionalen Geschichten wie diesen appelliert das Team von „Crash Kurs NRW“ an das Verantwortungsbewusstsein der Schüler. In Nordrhein-Westfalen ereigneten sich 2018 laut Angaben der Polizei 650.000 Verkehrsunfälle. 490 Menschen wurden dabei getötet, mehr als 13.000 schwer verletzt. Junge Fahrer sind daran überproportional oft beteiligt: Obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung nur acht Prozent beträgt, gehen 16 Prozent der Unfälle auf das Konto der unter 25-Jährigen.

Unfallrisiko ist oft das Smartphone

Für die Schülerin Meryem Karadag war die Geschichte von Rolf Meier-Ebert Anlass zum Nachdenken: Der Sachverständige von Dekra berichtete von einem Unfall, bei dem ein junges Mädchen starb. Ein Autofahrer war in Mülheim über eine rote Ampel gefahren und das Mädchen sei zu früh losgelaufen. Sie wurde dabei über das Auto geschleudert. „Gleich bin ich da“, habe sie vorher noch ins Handy getippt, berichtet Meier-Ebert. Meryem will nun ihr Handy nicht mehr so häufig, in die Hand nehmen, wenn sie auf der Straße unterwegs ist. Bei ihr haben die heftigen Schilderungen also die gewünschte Wirkung erzielt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben