Corona-Pandemie

Corona raubt Kulturveranstaltern in Duisburg die Nerven

Kein Ende in Sicht mit der Pandemie-Plage: Ozzy Ostermann zu unbeschwerteren Zeiten beim Konzert „Privat und ohne Perücke“ im Steinhof.

Kein Ende in Sicht mit der Pandemie-Plage: Ozzy Ostermann zu unbeschwerteren Zeiten beim Konzert „Privat und ohne Perücke“ im Steinhof.

Foto: Udo Milbret / FFS

Duisburg.  Absagen, verlegen, umplanen: Die stets wechselnden und strengeren Corona-Verfügungen sind organisatorisch aufwendig und finanziell kaum tragbar.

Gerade war das Kulturleben in Duisburg trotz aller Corona-Auflagen wieder erwacht, da sorgen die neuen, strengeren Regeln erneut für einen Rückschlag. Die Auflage, dass in geschlossenen Räumen nur noch 20 Prozent der Plätze belegt werden dürfen, und die Obergrenze von 250 Besuchern treiben Kulturveranstalter an den Rand der Verzweiflung.

Das Komma-Theater in Rheinhausen darf nur noch 39 Zuschauer platzieren, die ab sofort auch am Sitzplatz eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen müssen, ausgenommen sind Kinder unter sechs Jahren. „Über die wirtschaftlichen Folgen darf man gar nicht nachdenken“, sagt Renate Frisch. „Wir müssen auf unsere Rücklagen zurückgreifen.“

50 Prozent weniger Zuschauer – 50 Prozent Einnahmen

Dabei habe das Theater bislang mehr für die Sicherheit der Besucher getan als nötig, also neben weniger Plätzen, Maskenpflicht bis zum Platz und Registrierung wurden auch die Kasse nach draußen verlegt, die Plätze nummeriert und das Publikum wartet draußen, bis es nach Nummern eingelassen wird. „Wir brauchen jetzt vier Hausdienste pro Abend, das kostet natürlich.“

Das „Loveparade“-Stück sei zwar achtmal mit 50 Zuschauern ausverkauft gewesen, es wurden aber auch nur 50 Prozent der Einnahmen erzielt. Ein Erfolg der Sicherheitsvorkehrungen: „Bei uns hat sich kein Mitarbeiter und kein Zuschauer mit Corona infiziert“, sagt Renate Frisch. „Es ist alles ganz kompliziert geworden, aber Zumachen wäre das Schlimmste. Wir geben nicht auf und spielen weiter, solange wir dürfen.“

Steinhof-Vorsitzender: „Entscheidungen ohne Sinn und Verstand“

Für den Steinhof in Huckingen bedeutet die neue Verordnung, dass für die Veranstaltungen in der Festhalle nur noch 133 Tickets verkauft werden dürfen. Unter den neuen Vorgaben könne eine „eine auch nur annähernd kostentragende Durchführung von Kulturevents keinesfalls gewährleistet werden“, heißt es auf der Homepage: „Aufgrund der ständig wechselnden Erlasslagen haben wir daher nun entschieden, dass wir ab sofort nur noch auf Wochenbasis, immer montags, über die Ausrichtung der Veranstaltungen für die kommende Woche entscheiden werden.“

„Mit 300 Besuchern konnte man eben so leben“, sagt Steinhof-Vereinsvorsitzender Arno Eich, der bei den Corona-Verordnungen das fehlende Augenmaß kritisiert. „Alles wird über einen Kamm geschert und damit eine Branche vernichtet.“ Weit über 30 Veranstaltungen habe es seit September im Steinhof gegeben, neben den kulturellen auch Hochzeiten und Betriebsversammlungen – ohne eine einzige Nachfrage zur Rückverfolgung eines Coronafalls. „Es gibt keine Zahlen für die Kulturbranche, es wird ohne Sinn und Verstand entschieden“, so Eich. Das Publikum hingegen verhalte sich „sehr diszipliniert“.

Veranstaltungen werden immer wieder verlegt

Ins Kleinkunsttheater „Die Säule“ dürfen statt zuletzt 40 nur noch 20 Besucher eingelassen werden, damit dürfte kein ernsthafter Spielbetrieb mehr möglich sein. „Säulen“-Chefin Martina Linn-Naumann hatte sich bereits vor der neuen Verordnung aufs Verlegen spezialisiert und ist unter anderem am 24. Oktober in der Stadthalle Walsum zu Gast mit der Schlagerrevue „Let it be – Kitsch und Tragik der 70er Jahre“ mit Anatol Regnier, Julia von Miller und Frederic Hollay.

Weniger dramatisch stellt sich die Situation im Stadttheater dar, das bereits vor der neuen Verordnung das Publikum sehr luftig gesetzt hat: 220 Zuschauer bei Schauspielabenden und 250 bei Vorstellungen der Deutschen Oper am Rhein. Alle geplanten Vorstellungen können über die Bühne gehen, so die Stadt. die Besucher müssen jetzt auch während der Vorstellung die Schutzmaske tragen, für das Gastspiel „Panikherz“ am 17. und 18. Oktober gibt es sogar noch Karten.

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Bei den Philharmonikern sind die Oktober-Konzerte ausverkauft und finden statt. Ernst wird es hier wohl erst beim Philharmonischen Konzert am 4. und 5. November in der Mercatorhalle. Aber dann gibt es vielleicht schon wieder eine andere Verordnung – die jüngste gilt bis zum 26. Oktober.

>>EINSCHRÄNKUNGEN IM FILMFORUM

  • Auch im Filmforum am Dellplatz dürfen nur noch 20 Prozent der Saalkapazität belegt werden und die Kinobesucher müssen auch am Sitzplatz eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.
  • Demnach können ab sofort im großen Kinosaal 38 Plätze und im kleinen Saal 18 Plätze belegt werden. Aktuelle Informationen unter www.filmforum.de.
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