Festival Akzente

Corinna Harfouch wirbelt über die Bühne des Stadttheaters

Corinna Harfouch als Weißclown, hier in einer Szene mit Hagen Oechel und Janko Kahle.

Foto: Katrin Ribbe

Corinna Harfouch als Weißclown, hier in einer Szene mit Hagen Oechel und Janko Kahle. Foto: Katrin Ribbe

Duisburg.   Die Inszenierung von Heiner Müllers „Der Auftrag“ beim Theatertreffen in Duisburg zeigt: Ein Star macht noch keinen gelungenen Abend.

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Als Kern der Akzente bietet das Theatertreffen regelmäßig hochkarätige Schauspielproduktionen. Doch Heiner Müllers „Der Auftrag“, eine Koproduktion des Schauspiels Hannover mit den Ruhrfestspielen, ist mit Corinna Harfouch zwar prominent besetzt, doch die Inszenierung von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner bleibt über weite Strecken rätselhaft.

Eigentlich geht es in dem 1979 entstandenen Stück um drei Agitatoren, die von der Französischen Revolution nach Jamaika entsandt werden, um dort einen Sklavenaufstand anzuzetteln, der sich gegen die britische Kolonialmacht richtet. Der Auftrag wird aber zurückgezogen und die Männer stehen vor der Frage: Was nun?

Pudelballett und Matrosentanz

Kühnel und Kuttner machen aus „Der Auftrag“ eine wilde Revolutionsrevue, bei der die Geschichte über weite Strecken zur Nebensache wird und der Schauwert der Inszenierung im Mittelpunkt steht: Da gibt es einen Schwarzmeer-Matrosen, der ein artistisches Tänzchen mit der roten Fahne hinlegt, ein Pudel-Cheerleader-Ballett und eine Szene zwischen Teekanne und Tasse, die an das Musical „Die Schöne und das Biest“ erinnert.

Sprechen müssen die meisten Darsteller nicht, denn es handelt sich zum größten Teil um Vollplayback-Theater. Eingespielt wird die Stimme von Heiner Müller, der den Text vollkommen emotionslos liest. Die Darsteller agieren dazu mit übertriebener Mimik und Gestik, dass man sich fühlt wie im Kaspertheater. Die dazu passende musikalische Begleitung liefert die Band „Die Tentakel von Delphi“ aus dem Orchestergraben.

Fahrstuhl verirrt sich nach Peru

Einen roten Faden sucht man vergeblich. Wichtiger als das Stück werden Fragen wie: „Warum gerade jetzt dieser Regie-Einfall?“ oder „Was hat das mit dem Stück zu tun?“ und „Worum geht es hier eigentlich?“ Nach gut einer Stunde gibt es endlich den ersten größeren live gesprochenen Text: Im Berliner Dialekt spricht die als Weißclown verkleidete Corinna Harfouch „Der Mann im Fahrstuhl“, einen echten Müller-Klassiker. Erzählt wird die Geschichte eines Angestellten, dessen Fahrstuhl sich auf dem Weg in die Chefetage nach Peru verirrt. Die surreale Geschichte spiegelt das Geschehen um die drei Revolutionäre in Haiti wieder.

Wohnzimmer auf der Hinterbühne

Am Ende kopiert das Regieteam den Stil des Ost-Berliner Volksbühnenchefs Frank Castorf: Auf der Hinterbühne wird eine Szene in einem Wohnzimmer gespielt, das vom Publikum nicht einsehbar ist. Das Geschehen wird jedoch abgefilmt und auf den Portalschleier projiziert. Der Weißclown begegnet den großen kommunistischen Führern des 19. und 20. Jahrhunderts und rechnet mit ihnen ab.

Als kleine Hommage an „Der Untergang“, in dem Harfouch als Magda Goebbels ihre Kinder umbringt, darf sie nun Marx, Stalin und Mao mit Zyankali-Kapseln den Garaus machen. – Das Publikum spendet freundlichen bis stürmischen Beifall.

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