OPFERSCHUTZ

Caritas Duisburg bietet Hilfe für Opfer im Zeugenstand

Die Szenerie im Gerichtssaal ist für Opferzeugen zuweilen sehr einschüchternd. In bestimmten Fällen dürfen sich die Prozessbegleiter neben sie setzen, um ihnen mehr Halt zu geben.

Die Szenerie im Gerichtssaal ist für Opferzeugen zuweilen sehr einschüchternd. In bestimmten Fällen dürfen sich die Prozessbegleiter neben sie setzen, um ihnen mehr Halt zu geben.

Foto: Udo Milbret

Duisburg.  Anna Brzezina, psychosoziale Prozessbegleiterin, unterstützt die Verletzten schwerer Sexual- und Gewaltstraftaten während des Strafverfahrens.

Es ist ein schwerer Gang für Menschen, die Opfer einer Straf- oder Gewalttat geworden sind, wenn sie im Prozess als Zeugen aussagen

müssen. Die Befragung vor Gericht und die Konfrontation mit dem Geschehenen kann dazu führen, dass Verletzte sich dadurch erneut zum Opfer gemacht fühlen. Vor allem bei schweren Sexual- und Gewaltstraftaten und Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist diese Situation besonders heikel. Helfen kann in solchen Fällen eine psychosoziale Prozessbegleitung, die die Belastungen für die Opferzeugen verringern und ihnen Halt geben soll. Seit dem 1. Januar 2017 ist diese Unterstützungsleistung im Strafverfahrensrecht verankert.

„Doch dieses Angebot ist noch nicht bekannt genug“, sagt Anna Brzezina. Die diplomierte Sozialarbeiterin, die bei der Caritas im Bereich der Jugendgerichtshilfe und der Haftvermeidung arbeitet, ist nach einer Zusatzausbildung an der Fachhochschule Düsseldorf als Prozessbegleiterin zugelassen und bietet diese Hilfestellung für die Caritas seit Oktober vergangenen Jahres an.

Verletzte sollen nicht erneut zum Opfer werden

„Selbst für unbescholtene Menschen, die nur als Zuhörer einen

Gerichtssaal betreten, kann die Szenerie einschüchternd sein. Wie muss es da den Opfern gehen, wenn sie alleine an einem kleinen Tisch in der Mitte des Saales sitzen, mit dem oder den Tätern in einem Raum und öffentlich noch mal das Verbrechen Revue passieren lassen müssen“, beschreibt Anna Brzezina die Situation, die Opfer zumindest verunsichert, ihnen oft aber auch Angst macht. „Wie verhalte ich mich dem Täter gegenüber? Was ist, wenn ich nicht sprechen kann? Gibt es Sachen, die ich nicht sagen darf? Was kommt da auf mich zu? Das sind Fragen und Befürchtungen, die man gut im Vorfeld klären kann, um die Klienten zu stabilisieren“, erklärt die Caritasfrau. „Wir begleiten den Prozess vor, während und nach der Verhandlung. Vorab informieren wir die Klienten über den Ablauf eines Strafverfahrens, welche Akteure dort zu erwarten sind, welche Aufgaben sie haben, und welche Pflichten und Rechte ein Zeuge hat. Dass er wahrheitsgemäß aussagen muss, aber in bestimmten Fällen auch ein Zeugnisverweigerungsrecht hat.“

Begleiter fungieren auch als Schutzbarriere

Gerade bei Kindern und Jugendlichen sei es auch hilfreich, vorab das Gerichtsgebäude zu besichtigen, mal durch die einschüchternde Schleuse zu gehen. „Zudem sehen wir nach Entlastungsmöglichkeiten für die Eltern. Wenn die ruhiger sind, geht’s auch den Kindern besser“, betont Anna Brzezina.

Während das Prozesses begleitet sie ihre Klienten zu den Zeugenaussagen. „In einigen Fällen dürfen wir auch neben den Opfern im Gerichtssaal sitzen, als eine Art kleiner Schutzbarriere zwischen ihnen und dem Täter.“ Die Betreuung vor der Aussage diene dazu, das Warten auf den Gerichtsfluren etwas erträglicher zu machen.

Über den Tathergang wird nicht gesprochen

„Und nach der Verhandlung sprechen wir über die Eindrücke, die Erfahrungen und das Urteil. Wenn das Bedürfnis da ist, sich tiefer mit den psychischen Verletzungen auseinanderzusetzen, vermitteln wir die Opfer an die Trauma-Ambulanz oder geben ihnen eine Liste von Psychotherapeuten an die sie sich wenden können“, schildert Anna Brzezina die weitere Vorgehensweise.

„Wichtig ist aber bei der psychosozialen Prozessbegleitung, dass wir die Neutralität wahren“, betont sie. „Es gibt keine Rechtsberatung von unserer Seite, und es wird mit den Opfern nicht über die Einzelheiten des Tathergangs gesprochen. Davon dürfen wir nichts erfahren, denn Prozessbegleiter haben kein Zeugnisverweigerungsrecht.“

Anspruch auf psychosoziale Prozessbegleitung

Eine psychosoziale Prozessbegleitung kann jedes Opfer beantragen. Für minderjährige Opfer schwerer Sexual-und Gewaltstraftaten ist sie kostenlos. Dieses gilt auch bei besonders Schutzbedürftigen, die ihre Interessen nicht ausreichend wahrnehmen können. Ob eine besondere Schützbedürftigkeit vorliegt und über den Antrag selbst entscheidet das Gericht.

Anna Brzezina hilft auch bei der Antragstellung. Zu erreichen ist sie im Caritascentrum Mitte, Grünstraße 12, im Dellvierte. Telefon: 0203/286 56 59 oder ABR@caritas-duisburg.de

Psychosoziale Prozessbegleitung bieten auch die Diakonie sowie der Allgemeine soziale Dienst der Justiz (ASD) an.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben