Ostermarsch 2019

Bundestagsabgeordneter: „Die deutsche Politik ist unehrlich“

Auf der Königstraße in Duisburg findet eine Auftaktveranstaltung zu den Ostermärschen 2019 statt. Foto am 20.4.2019 Foto: Jörg Schimmel / Funke Foto Services

Auf der Königstraße in Duisburg findet eine Auftaktveranstaltung zu den Ostermärschen 2019 statt. Foto am 20.4.2019 Foto: Jörg Schimmel / Funke Foto Services

Foto: Joerg Schimmel

Duisburg.  Bestes Wetter und erste Mienen. Der Ostermarsch und seine Redner haben in Duisburg eine klare Botschaft an die Bundesregierung.

Den Passanten in der City bot sich am Samstag vor Ostern ein buntes Bild. Dafür sorgte die Auftaktveranstaltung des diesjährigen Ostermarsches Rhein-Ruhr, der bei bestem Frühlingswetter knapp 300 Friedensaktivisten in die Innenstadt gelockt hatte. In unmittelbarer Nähe des Schiffsmaskenbrunnens auf der Kuhstraße bestimmten Fahnen, Banner und Transparente das Bild.

Wie in jedem Jahr nutzten auch diesmal wieder verschiedene Parteien und Initiativen die Gelegenheit, ihre Positionen in Sachen Friedenssicherung deutlich zu machen. Und die können durchaus unterschiedlich sein, genauso wie die Bandbreite der anwesenden Gruppierungen. Die reichte immerhin von der katholischen Friedensbewegung „Pax Christi“ bis hin zur DKP.

„Friedensnobelpreis der EU und Waffenexporte passen nicht zusammen“

Die diesjährige Ostermarschkampagne stand bundesweit unter dem Motto „Abrüsten statt Aufrüsten“, aber auch der Einsatz für ein friedliches Europa stand in diesem Jahr aus aktuellem Anlass besonderes im Fokus.

Seit 30 Jahren gehört Ernst-Eberhard Przyrembel als Mitglied des Duisburger Friedensforums zu den Ostermarsch-Organisatoren. Bis heute setzt er sich engagiert für die Ziele der Bewegung ein. „Die Rüstungsexporte haben mit aktiver Friedenspolitik nichts zu tun“, bezieht der 83-Jährige klar Stellung.

Er erinnert daran, dass die EU 2012 den Friedensnobelpreis erhalten hat, diese Ehrung aber mit den aktuellen Waffenexporten nicht in Einklang zu bringen ist. Auch wenn er die Rüstungsexporte gar nicht lustig findet, ist diese Situation für ihn einfach nur „ein Witz“. Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie sind für Ernst-Eberhard Przyrembel kein Argument: „Wir haben in Deutschland 30 Millionen Arbeitsplätze, da werden wir doch die 30.000, die in der Rüstungsindustrie arbeiten, auch noch unterkriegen.“

Bundestagsabgeordneter Marco Bülow: „Die deutsche Politik ist unehrlich“

Zu den Rednern, die im Rahmen der Kundgebung zu den Ostermarschierern sprachen, gehörte auch der Dortmunder Bundestagsabgeordnete und Lobbyismus-Experte Marco Bülow, der bis zum Jahr 2018 der SPD-Bundestagsfraktion angehörte und nach seinem Parteiaustritt nun als fraktionsloser Abgeordneter in Berlin politisch aktiv ist. Auch er kritisierte die Waffenexporte scharf: „Wir liefern Waffen an Unrechtsregime und an Länder, die Krieg führen. Die deutsche Politik ist unehrlich, wir helfen aktiv mit, die Aufrüstungsspirale weiter nach oben zu drehen.“

Als Beispiel nannte er die Erhöhung des Verteidigungsetats auf 43 Milliarden Euro und nannte in dem Zusammenhang die Haushaltsmittel, die für Umwelt und Klimaschutz bereitgestellt werden: „Da sollen 2,3 Milliarden reichen.“

Die Auftaktveranstaltung wurde begleitet von flotten musikalischen Darbietungen des von Annegret Keller-Steegmann geleiteten „Allerwelt-Ensembles“, in dem sich geflüchtete Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern zusammengefunden haben. Musikalisch ging es auch beim Auftritt der rein afrikanischen Gruppe „Radical Praise“ zu, die mit ihren temperamentvollen Gospel-Songs die Ostermarschierer auf ihren Demonstrationszug in Richtung Hauptbahnhof verabschiedeten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben