Schulentwicklung

Brennpunktschulen müssen besser ausgestattet werden

Die kulturelle Vielfalt spielt auch im Alltag der Sekundarschule eine große Rolle. Foto:

Die kulturelle Vielfalt spielt auch im Alltag der Sekundarschule eine große Rolle. Foto:

Foto: Pagel

Rheinhausen.  Die Noch-Sekundarschule engagiert sich mit weiteren Brennpunktschulen im neu geschlossenen Bündnis für die Schule3

Die Sekundarschule in Rheinhausen ist nun Gesamtschule. Schulleiterin Martina Seifert und ihre Kollegen könnten sich also gemütlich zurücklehnen und in Ruhe durchschnaufen und feiern. Doch Stillstand an diesem Punkt ist für Seifert keine Option. Nicht, solange die Dinge real noch so sind, wie sie sind. „Wir freuen uns wahnsinnig über die Zusage zur Gesamtschule. Allerdings muss jetzt auch ganz viel passieren, damit sich die Bedingungen an unserer Schule verbessern. Deshalb engagieren wir uns bei Schule3.“

Schule3 ist ein Zusammenschluss von Brennpunktschulen aus dem Ruhrgebiet, die alle dieselben Probleme haben: Die zu beschulenden Kinder kommen vorwiegend aus bildungsfernen Schichten und es fehlt an qualifiziertem Lehrpersonal. Seifert bringt die Sache lakonisch auf den Punkt: „Wir haben in NRW generell Lehrermangel. Und wer es sich aussuchen kann, der geht doch nicht an eine Schule, an der das Unterrichten und der Schulalltag deutlich komplizierter sind als in einem unproblematischen Stadtteil.“

Wenn in Rheinhausen zum Beispiel Elternsprechtag ist, dann müssen die Lehrkräfte sich nicht nur um einen Termin mit den Eltern bemühen, sie müssen auch einen passenden Dolmetscher besorgen. Das ist im Rahmen des beamtlich vorgesehenen Dienstes nach Vorschrift nicht vorgesehen. Daher besteht Seiferts Lehrerkollegium zu 50 Prozent aus Quereinsteigern. „Wir sind aus dieser Perspektive die billigste Schule Duisburgs“, witzelt die Rektorin, wird aber gleich wieder ernst. „Quereinsteiger sind Akademiker, die keine Lehrerausbildung haben. Deswegen werden sie auch wesentlich schlechter bezahlt als ihre Lehrerkollegen, die Lehramt studiert haben.“

Schlechte Bezahlung

An der Sekundarschule arbeiten Lehramtsstudenten für 600 Euro im Monat, die Quereinsteiger bekommen 2.000 Euro netto. Ein Gehalt, für das kein ausgebildeter Lehrer arbeiten würde. „Und das geht nicht. Nicht an Schulen wie unserer, wo weitaus mehr pädagogischer Aufwand betrieben werden muss, um die Kinder vernünftig zu beschulen.“ Das sehen die Kollegen von den Gesamtschulen Bockmühle in Essen, Else-Lasker-Schüler in Wuppertal und auch Globus am Dellplatz in Duisburg ganz ähnlich. Gemeinsam mit anderen wollen sie nun regelmäßig mit unterschiedlichen Aktionen die Öffentlichkeit und die Politik darauf aufmerksam machen, dass hier eine Verbesserung dringend nötig ist.

Indexbasierte Lehrerzuweisung ist eine der Forderungen der Schule3, die unter dem Dach der GGG agiert (Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule). Das bedeutet, dass unterschiedliche Schultypen kategorisiert werden, die dann auch größere oder kleinere Klassen bilden und entsprechend mehr Lehrerstellen bewilligt bekommen sollten.

„Die dann natürlich auch besetzt werden müssen. Nicht bloß ausgeschrieben und keiner kommt!“ Seifert ist wütend, denn hier muss natürlich das Gehalt deutlich angepasst werden, damit sich überhaupt jemand für den Job interessiert. „Ich habe das Glück, dass ich an unserer Schule ganz tolle Mitstreiter habe, die freiwillig viel mehr arbeiten und denen das Wohl der Kinder extrem am Herzen liegt. Aber es ist klar, dass man diese Leidenschaft nicht bei jedem erwarten kann, der den Beruf des Lehrers nicht als ersten Ausbildungsweg gewählt hat, sondern z. B. Doktor der Physik ist“, so Seifert.

Deshalb wird es am 25. November um 15 Uhr im Forum in der Duisburger City einen „Smart Mob“ geben, für den die Kinder sich viele spontane Aktionen ausgedacht haben und sich über viele Zuschauer freuen.

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