Zoo

Blinde besuchen den Zoo: Ein Elefant ist rau wie Kokosmatte

Dr. Petra Bungart (vorne) hat einen Snack für Daisy. Die Elefantendame lässt sich vom Futter locken. Petra Bungart ist durch eine Krankheit erblindet. In den Zoo geht sie gerne.

Dr. Petra Bungart (vorne) hat einen Snack für Daisy. Die Elefantendame lässt sich vom Futter locken. Petra Bungart ist durch eine Krankheit erblindet. In den Zoo geht sie gerne.

Foto: Udo Gottschalk

Der Blinden- und Sehbehindertenverein macht einen Ausflug in den Zoo. Bei einer Tastführung kommen die Besucher sogar Schlangen ganz nah.

Sultan, das Trampeltier, hat Mundgeruch. Gierig stülpt es seine wulstigen Lippen über das Futter, dann ist das Brot mit einem Happen weg. Thordis Scharrenbroch hält dem Tier zwei neue Scheiben Toastbrot hin. „Ganz weich ist das Fell“, sagt sie.

Die Vorsitzende des Duisburger Blinden- und Sehbehinderten-Vereins besucht mit rund 30 Vereinsmitgliedern und Begleitern den Zoo. Und weil die meisten von ihnen nur wenig oder gar nichts sehen, kommen die Spaziergänger den Tierpark-Bewohnern ganz nah.

Man muss mehr reden und beschreiben beim Rundgang

Kurator Volker Grün übernimmt den Rundgang selbst. „Als ich vor einigen Jahren gefragt wurde, ob ich so etwas mache, habe ich erst einmal geübt und einer Kollegin einen Schal umgebunden. Aber die meisten wollen, dass man mit ihnen ganz natürlich umgeht.“ Nur reden muss man mehr. Das, was die meisten Besucher sofort sehen, beschreibt Volker Grün. Zum Beispiel, wie groß der Giraffenbulle ist („knapp sechs Meter“), dass Elefantendame Daisy zwei Plomben an den Stoßzähnen hat. Und als von links die Robben krächzen, erklärt er, welche Tiere gerade zu hören sind. „Man muss eigentlich die ganze Zeit etwas beschreiben, auch wenn man durch den Park läuft. Das klappt jetzt prima.“ Andererseits nehmen die Teilnehmer Gerüche und Geräusche viel intensiver wahr.

Dr. Petra Bungart findet den Besuch im Zoo super. Die Gruppe stoppt am Elefantengehege. „Daisy“ ist ein bisschen zickig – aber Pfleger Hermann Sommer kennt einen Trick. Er schleppt einen Eimer mit dicken Möhren an, und schon strecken die Tiere ihre Rüssel durch die Absperrung. Für sie ist es ein Snack. 150 Kilo Futter vertilgen sie am Tag. „Die Haut ist kratzig, ein bisschen wie Kokosmatte“, sagt Sabine Bredenkamp verwundert.

Eine Kornnatter, die sich wie ein Gartenschlauch anfühlt

Die Kornnatter, die sie später anfasst, fühlt sich hingegen „wie eine Gurke an, die Wasser verliert.“ Thomas Faust findet: „Das ist eher wie ein Gartenschlauch.“ Er hat keine Angst vor Schlangen und vor Tieren schon gar nicht. „Schließlich habe ich auch einen Hund. Mit dem geh’ ich immer zu den Wildschweinen im Wald. Ich kann gut mit Tieren.“ Die Natter macht es sich bei ihm im Nacken bequem, der ist nämlich schön warm. „Brauchst keine Angst haben, die tut nichts“, versucht er die anderen zu überzeugen, sie auch mal zu streicheln. „Kann man aus dem Schlangenleder auch Schuhe machen?“, fragt Sabine Breden­kamp. Das nicht, die abgelegte Haut ist dünn wie ein Seidenstrumpf und knistert wie Papier.

Im nächsten Jahr, da sind sich alle einig, kommt die Gruppe garantiert wieder.

3500 Menschen mit Sehbehinderung leben in Duisburg

Rund 800 blinde Menschen und etwa 3500 mit Sehbehinderungen leben in Duisburg. Dabei hat die Zahl der Personen, die im Alter erblinden, in den vergangenen Jahren zugenommen. „Wir bieten umfassende Beratung an und helfen Betroffenen auch beim Stellen von Anträgen.“ Viele würden sich schämen und wüssten nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen.

Thordis Scharrenbroch kann noch schemenhafte Umrisse erkennen. Bei einer Operation hatte es Komplikationen gegeben – die Ärzte hatten ihr keine gute Prognose gestellt. „Natürlich habe ich erst gehadert, aber ich bin so erzogen worden, dass man wieder aufsteht.“ Nun berät sie ehrenamtlich andere Betroffene.

Montags bis donnerstags ist der Blinden- und Sehbehindertenverein von 12 Uhr bis 14 unter 0203/ 33 74 56 zu erreichen.

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