Gericht

Betrug über Kleinanzeigen: Duisburgerin (27) freigesprochen

Da der Hauptzeuge nicht aussagte, fehlten dem Duisburger Gericht Beweise für eine Verurteilung.

Da der Hauptzeuge nicht aussagte, fehlten dem Duisburger Gericht Beweise für eine Verurteilung.

Foto: Foto: Volker Hartmann

Duisburg.  Eine Duisburgerin hat sich gegen eine Gefängnisstrafe wegen Betruges gewehrt – erfolgreich. Denn ihr Noch-Ehemann schwieg in der Berufung.

Auf ziemlich dreiste Weise soll ein junges Paar zwischen März 2016 und Oktober 2017 zahlreiche Käufer hereingelegt haben. Eine 27-jährige Meidericherin hatte dafür in erster Instanz drei Jahre Gefängnis kassiert. Doch die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz endete mit einem Freispruch. Denn der Hauptbelastungszeuge, ihr Noch-Ehemann, machte überraschend von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Über Kleinanzeigen auf einer Internet-Plattform wurden viele schöne Dinge angeboten, die die Anbieter gar nicht besaßen: Hochwertige Kameras, Dauerkarten für Borussia Dortmund und Ferienwohnungen am Gardasee und in Kroatien. Käufer, die Vorkasse leisteten, wurden um mehr als 40.000 Euro betrogen.

Kleinbagger wurde gleich achtmal verkauft

Das einzige, was es wirklich gab, war ein Kleinbagger, der allerdings einem Freund gehörte. Gleich acht Mal wurde das Handwerksgerät verkauft, ohne jemals geliefert zu werden. Und dem Bekannten, dem angeboten worden war, das Ding für ihn zu verkaufen, brachte der Umstand, dass er in diesem Zusammenhang alle seine Daten preisgab, noch eine böse Überraschung ein: In seinem Namen wurden mehrere Verträge für teure Handys abgeschlossen.

Das Amtsgericht war von der Schuld der Angeklagten fest überzeugt. Dafür hatte nicht zuletzt ihr inzwischen getrennt lebender Ehemann gesorgt, der wohl treibende Kraft der kriminellen Aktivitäten war und dafür inzwischen eine Haftstrafe absitzt, seine Frau aber als Mittäterin schwer belastete. Die beteuerte vor der Berufungskammer erneut, von nichts etwas gewusst zu haben. Der Mann, den sie erst Mitte 2016 geheiratet hatte, sei der Alleinschuldige.

Ehemann schweigt vor Gericht

Und der Gatte überraschte die Juristen: Aus dem Gefängnis vorgeführt, machte er im Zeugenstand von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Die Beweiskette brach damit hoffnungslos zusammen. Alles was blieb, waren zahlreiche Indizien. Denn die 25 Geschädigten hatten nur E-Mails erhalten oder es mit Kurieren zu tun gehabt. Niemand hatte die Angeklagte oder ihren Ehemann je zu Gesicht bekommen. Zähneknirschend folgte das Gericht dem Gesetz und sprach die 27-Jährige frei.

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