Binnenschifffahrt

Bernhard Weber geht von Bord des Binnenschifffahrtsmuseums

Fürs Abschiedsfoto hat Bernhard Weber auf der historischen Tjalk – mit dem einmastigen Segler wurden Lasten transportiert – Platz genommen.

Fürs Abschiedsfoto hat Bernhard Weber auf der historischen Tjalk – mit dem einmastigen Segler wurden Lasten transportiert – Platz genommen.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Der Direktor des Museums der Deutschen Binnenschifffahrt verlässt Ende April die Brücke. Er hat den Blick über Rhein und Ruhr hinaus erweitert.

18 Jahre lang hat Dr. Bernhard Weber das Haniel-Museum geleitet, bevor er 2011 den Ankerplatz in Ruhrort wechselte und Direktor des Museums der Deutschen Binnenschifffahrt wurde. Schon 1990 war der gebürtige Freiburger, der Indologie, Philosophie und Musikwissenschaft studiert hatte, am Binnenschifffahrtsmuseum angeheuert worden, die Ausstellung „275 Jahre Duisburger Häfen“ zu betreuen. „Eine mutige Entscheidung“ nennt Weber das heute. Schließlich sei er weder Historiker gewesen noch habe er etwas mit Schifffahrt zu tun gehabt. Ende April geht der 65-Jährige von Bord. Im Gespräch blickt Weber zurück – und ein wenig voraus.

Was hat sich in den letzten Jahren im Museum verändert?

Dr. Bernhard Weber: Wir haben viel Technik ins Museum reingesetzt, zum Beispiel auf der Empore der Herrenschwimmhalle ein großes Diorama von der Meidericher Schiffswerft. Dort kann man wie mit einem Suchscheinwerfer auf Objekte zielen, dann tauchen die dazu gehörigen Informationen auf – etwa Daten zu einem bestimmten Schubschiff. Das haben wir in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule in Düsseldorf gemacht, die auch eine schöne Schleusensimulation entwickelt hat, an der man die Meidericher Schleuse nachspielen kann. Man muss alles richtig bedienen, damit es funktioniert.

Sie blicken hier aber nicht nur nach Meiderich und Ruhrort.

Es gibt eine ziemlich große neue Abteilung in der Herrenschwimmhalle, die sich den deutschen Flüssen widmet. Sie ist kombiniert mit der wunderbaren Video-Installation „fliozan“ von Harald Schleicher auf drei Monitoren, das wir als Ausstellung hier hatten und inzwischen deutlich erweitert wurde. Professor Schleicher von der Uni Mainz hat weitere Flüsse von der Quelle bis zur Mündung abgefilmt; man kann dort inzwischen gut vier Stunden sitzen und alle deutschen Stromgebiete von der Donauquelle bis zur Elbmündung anschauen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Fluss und einem Strom?

Ein Strom muss ins Meer münden und mindestes 200 Kilometer lang sein, davon haben wir in Deutschland sechs. Über die Nebenflüsse kann man sich bei uns an Schubladen informieren. Das haben wir vor zwei Jahren eingerichtet und kommt hervorragend an. Die neue Abteilung war für mich deswegen so wichtig, weil wir Deutsches Binnenschifffahrtsmuseum heißen, uns aber vorgehalten wird, uns zu sehr auf Rhein und Ruhr beschränken. Der Rhein, der Niederrhein ist natürlich im Fokus, hier ist ja immer noch das Zentrum der europäischen Binnenschifffahrt. Duisburg ist unter den größten Häfen der Welt. Wir müssen aber alle deutschen Stromgebiete zeigen.

Ausstellung über Binnenschiff-Werften

Wird in einem historischen Museum eher nur wenig verändert?

Es ändert sich immer wieder an kleinen Ecken. Auf der Empore tut sich momentan am meisten. Wir sind dabei, die Ausstellung über die deutschen Binnenschiff-Werften neu und größer aufzubauen. Über Herrn Berninghaus, Nachkomme aus der Familie des großen Werftunternehmers, der übrigens auch die Oscar Huber gebaut hat, kommt vieles aus dem Nachlass ins Haus: Baupläne, Schiffsmodelle, schöne Plakate, tausende Fotos oder Halbmodelle – das sind Reliefs von Schiffsrümpfen, in die fein die Elemente eingezeichnet sind, aus denen später das Schiff gebaut wird. Einige sind bereits aufgehängt worden.

Welche Schätze gibt es hinter den Kulissen?

Wir haben ein großes Archiv mit etwa 150.000 Fotografien und Bauplänen. Die interessieren vor allem die Modellbauer, die zum Beispiel mal einen Dieselschlepper bauen wollen. Und wir haben die sagenhafte Sammlung Schuppert – ein Dorado für Schiffshistoriker.

Das Museum liegt bei den Besucherzahlen in Duisburg vorn. Kommen eigentliche alle Kindergärten und Schulkassen Duisburgs hierher?

Vom Eindruck her: ja. Wir haben mehrere Klassen und Kindergartengruppen pro Woche hier. Wir erleichtern diesen Gruppen den Besuch, weil wir freien Eintritt gewähren, für die Führung muss allerdings ein kleiner Obolus entrichtet werden. Viele kommen mit dem Kulturbus, den die Sparkasse gestiftet hat.

Mehr auswärtige Besucher im Sommer

Sind die Besucher eher Duisburger oder Auswärtige?

In den hellen Monaten sind’s mehr auswärtige Besucher, in den dunklen Monaten mehr Duisburger, allerdings nur jeweils 52 zu 48 Prozent und umgekehrt. Aber immerhin! Wir bemühen uns, im touristischen Sektor weiter bekannt zu werden. Vor vor allem hätten wir gerne, dass die Reisenden auf Kreuzfahrtschiffen, die hier anlegen, nicht gleich in den Landschaftspark oder nach Essen weiter transportiert werden, sondern zu Fuß herkommen und sich das Museum anschauen. Das wäre ein Wunsch von mir.

Welche Rolle spielen fürs Museum die Sonderausstellungen?

Wir haben immer mindestens zwei große pro Jahr, damit kann man immer wieder an die Öffentlichkeit gehen. Und je nachdem, was es für eine Ausstellung ist, kommen zusätzliche Besucher. Der absolute Burner war die Flaschenpost-Ausstellung von Joachim Römer: Wir haben immer gut 32.000 Besucher pro Jahr, 2015/2016 hatten wir 37.000. So was hätten wir gerne jedes Jahr.

Was war das wichtigste Projekt in ihrer Amtszeit?

Das größte war auf jeden Fall die Smartphone-Führung, die ich sehr wichtig und zukunftsträchtig finde. Sie gibt jede Menge zusätzliche Informationen – Fotos, Filme, die Texte in Deutsch, Englisch, Französisch Niederländisch, in leichter Sprache und Kindersprache. Übrigens gibt es auch ausleihbare auf Leih-Tablets. Wir hatten uns ein bisschen mehr versprochen an Zuspruch und wundern uns, dass es relativ wenig in Anspruch genommen wird. Das kostet zwei Euro – nicht die Welt für das, was man geboten bekommt.

Hoffen auf neuen „Schiffchen“-Pächter

Gibt es die Hoffnung, dass das Restaurant Schiffchen wiederbelebt wird?

Das ist leider tief eingeschlafen, das ärgert uns enorm und kostet uns Besucher. Wir haben täglich Gruppen, die sich anmelden möchten, die einen Tag planen mit Museumsführung, Hafenrundfahrt und Mittagessen im Schiffchen. Und wenn sie erfahren, dass nur Führung und Rundfahrt angeboten werden können, sagen: Schade, dann müssen wir uns was anderes überlegen. Aber es scheint sich im Moment was zu tun, jemand scheint ernsthaft nachzudenken. Das ehemaliges Kesselhaus ist doch eine interessante Location. Und im Sommer kann man draußen unter den Bäumen sitzen, schöner Spaziergang.

Sie sind längst in Ruhrort verwurzelt, engagieren Sie sich weiter?

Ja, ich bin noch im Vorstand des Vereins Hafenfest und beim Kreativquartier, da habe ich mich letzter Zeit allerdings zurück gehalten. Ich bin im Vorstand der Mercator-Stiftung und im Kuratorium der Stiftung Brennender Dornbusch. Ich will aber noch mehr Musik machen – Klavier und Keyboard – als jetzt, ich spiele ja auch in einer Band. Ansonsten werde ich sicherlich dem Haus hier bestimmt noch verbunden bleiben.

Nachfolgeregelung bis 2020 angestrebt

Einen Nachfolger für Dr. Bernhard Weber gibt es noch nicht. Erschwert wird die Wiederbesetzung, weil die Stelle seit 2011 mit Webers Amtsantritt von Haniel finanziert worden ist. Die Stadt hatte diskutiert, die Stelle einzusparen und die Leitung des Museums dem Kultur- und Stadthistorischen Museum zu übertragen.

Davon ist jetzt nicht die Rede. Zunächst wollen die Kulturbetriebe mit der Fördergesellschaft des Museums eine Übergangslösung finden. „Die Wissenschaft muss im Haus bleiben“, sagt auch Weber. Zur Zeit trennten sich viele ältere Schiffer von ihre Sammlungen. Die müsse das Museum „verdauen“ können.

Eine endgültige Regelung für die Leitung soll bis 2020 gefunden sein.

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