Abenteuer

Berg ruft 46-jährigen Duisburger erneut nach Namibia

Diese alte Landkarte, die der Historiker Dr. Helge Kleifeld gefunden hat, zeigt das Brandbergmassiv in Namibia.

Foto: Udo Gottschalk

Diese alte Landkarte, die der Historiker Dr. Helge Kleifeld gefunden hat, zeigt das Brandbergmassiv in Namibia. Foto: Udo Gottschalk

Duisburg.   100 Jahre nach der Erstbesteigung des Königsteins im Brandbergmassiv will der Alt-Homberger Dr. Helge Kleifeld erneut auf die Spitze.

Das Bergwandern gehört eigentlich nicht zu den bevorzugten Hobbys von Dr. Helge Kleifeld. Dennoch will der 46-jährige Alt-Homberger, der in der Siedlung In den Haesen lebt, am heutigen Dienstag den 2573 Meter hohen Gipfel des Königsteins erreichen. Dieser gehört zum Brandbergmassiv und ist die höchste Erhebung Namibias, dem Land im südwestlichen Teil Afrikas. Heute auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 2. Januar 1918, erlebte dieser Berg seine Erstbesteigung durch Professor Ernst August Gries. Und anlässlich dieses Jubiläums plant Kleifeld den gleichen Aufstieg.

Die Suche nach Wasser

Es ist nicht das erste Mal, dass der studierte Historiker, Geograf und Politologe diese drei Tage dauernde Bergtour wagt. Bereits im Jahr 2009 erreichte er die Bergspitze. Und die Erinnerungen an diese Strapaze halfen Kleifeld bei den Vorbereitungen auf den neuerlichen Gipfelsturm. „Die wichtigste aller Fragen lautet dort immer: Finden wir unterwegs Wasser?“, erzählt der frühere Handballer des VfB Homberg. Denn in Namibia ist derzeit Sommer. Tagestemperaturen von bis zu 50 Grad sind daher keine Seltenheit.

„Wegen der Anstrengung trinkt man locker vier bis fünf Liter Wasser pro Tag“, weiß Kleifeld aus Erfahrung. Normalerweise finden sich auf dem anderthalb Tage dauernden Aufstieg unterwegs genügend Granitbänke, in denen sich zuvor Regenwasser gesammelt hat. Dieses wird mit Hilfe von besonderen Tabletten desinfiziert und ist dadurch trinkbar. „Die einheimischen Tourguides, die uns begleiten, wissen genau, wo sich diese Wasserstellen befinden. Manchmal ist dort aber nichts zu finden. Daher muss man genügend Wasservorrat für den Notfall im Rucksack mitschleppen“, so Kleifeld.

Startpunkt: eine Minensiedlung

Das Unternehmen Königstein-Aufstieg beginnt für den Duisburger, der zwecks Akklimatisierung bereits am vergangenen Donnerstag aufgebrochen ist, am Airport von Windhoek. Von der namibischen Hauptstadt aus geht es per Bus weiter nach Swakopmund und von dort weiter nach Uis. Diese kleine Minensiedlung in unmittelbarer Nähe zum Brandbergmassiv ist der Ausgangspunkt des Fußmarsches, der vor Kleifeld und seinen Begleitern liegt. Dazu gehören neben dem namibischen Bergguide auch die Archäologin Martina Trognitz und deren Lebensgefährte, der Pilot Lukas Gehring.

Oben wird eine Flagge gehisst

Ihre drei Namen sind auch auf jener himmelblauen Flagge verewigt, die Kleifeld im Vorfeld extra hat anfertigen lassen. Ganz oben steht „100 Jahre Erstbesteigung“. Und darunter der Name von jenem Professor Gries, der dort oben an besagtem 2. Januar 1918 ankam. Was verbindet ihn denn überhaupt mit diesem längst verstorbenen Herrn Gries? „Ich bin seit 1996 Mitglied in der Studentenverbindung Rheno-Germania Bonn. Diese ist Mitglied im Schwarzbergbund, in dem christlich orientierte Studentenverbindungen organisiert sind“, erzählt Kleifeld. „Und auch Professor Gries war Mitglied bei Rheno-Germania Bonn.“ Dies ist die Brücke, die beide verbindet.

Natürlich gibt es viele Dinge, auf die sich Kleifeld bei seiner Rückkehr nach Namibia freut: „Im Brandbergmassiv wachsen einige Baumsorten, die weltweit nur dort zu finden sind. Zudem leuchtet der Granitstein, aus dem dieser Berg besteht, in der untergehenden Sonne geradezu feuerfarben.“ Das Allertollste seien aber die Felsmalereien der Ureinwohner, die zu Tausenden in dem Bergmassiv zu finden sind. Bekanntestes Exemplar ist die „White Lady“, übersetzt die „Weiße Dame“. Für sie kommen in jedem Jahr wahre Touristenmassen aus aller Welt zum Bergmassiv. Aber nur die wenigsten wagen auch den Aufstieg auf den Königstein.

Glaubt er denn, dass ihm der beschwerliche Aufstieg wieder glücken wird? „Ich bin diesmal zwar deutlich besser ausgerüstet“, sagt Kleifeld und schmunzelt. „Aber dafür auch neun Jahre älter als beim ersten Mal.“

>>>Beruflicher Wechsel steht bevor

Dr. Helge Kleifeld arbeitet derzeit bereits als Archivar, wird aber bald die Stelle wechseln: Er ist der designierte Leiter des Stadtarchivs Mönchengladbach. Professor Ernst August Gries war ab 1911 Lehrer in Windhuk in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, wie Namibia damals hieß. Später wurde er Nationalarchivar des Landes. 1920 kehrte Gries nach Deutschland, ein Jahr später nach Windhuk zurück. Er starb 1944.

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