Liederabend

Benefizkonzert mit Anja Lerch soll Duisburger Kindern helfen

Anja Lerch am Keyboard: Das Konzert "Sternenzauber" wird vom Soroptimisten-Club Duisburg-Mülheim veranstaltet.

Anja Lerch am Keyboard: Das Konzert "Sternenzauber" wird vom Soroptimisten-Club Duisburg-Mülheim veranstaltet.

Foto: Herbert Höltgen

Duisburg.  Die Künstlerin Anja Lerch gibt ein Konzert in Duisburg. Der Erlös kommt diesen vier Vereinen zugute, die sich für Duisburger Kinder einsetzen.

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Beim Benefiz-Konzert "Sternenzauber", das der Soroptimisten-Club Duisburg-Mülheim veranstaltet, dreht sich alles um die Kleinsten: Denn der Erlös des Mitsing-Abends mit der Künstlerin Anja Lerch kommt diesen vier Duisburger Vereinen zugute, die sich für das Wohl von Kindern in der Stadt einsetzen:

Eine Brücke von der Klinik ins Kinderzimmer bauen

„Eine Brücke von der Klinik ins Kinderzimmer“ will der „Bunte Kreis Duisburg-Niederrhein und westliches Ruhrgebiet“ bauen, so das Konzept. 2002 gründeten Mitglieder des Duisburger Arbeitskreises Frühförderung den Bunten Kreis Duisburg. „Wir betreuen Familien, die frühgeborene, schwerkranke oder behinderte Kinder haben. Wenn diese Kinder aus dem Krankenhaus entlassen werden, sind sie noch nicht gesund und genesen“, sagt Dr. Sassa von Roehl, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Kreises. „Für Familien ist es oft schwierig, wenn sie dann Zuhause sind und die Verantwortung alleine tragen müssen. Im Krankenhaus haben sie immer jemanden, den sie fragen können.“ Oftmals stelle sich die Situation so dar, dass die Kinder auch zuhause weiterhin eine Magensonde hätten oder an Überwachungsgeräte angeschlossen seien. Manche junge Mutter hätte psychische Probleme, weil sie die Frühgeburt ihre Kindes noch nicht verarbeitet habe.

Die Mitarbeiterinnen des Bunten Kreises lernen die Familien schon im Krankenhaus kennen, begleiten sie nach Hause, erstellen einen Hilfeplan. „Sie fragen die Familien, wo es hapert, ob Geschwisterkinder versorgt werden müssen, ob es Schwierigkeiten in der Ehe gibt, ob Angst vor Operationen besteht“, umreißt Dr. Sassa von Roehl das Aufgabenspektrum. „Case Managerin“ ist die Bezeichnung der Mitarbeiterinnen, allesamt Krankenschwestern, die zusätzlich in der Psychologie ausgebildet sind und sich in Rechtsfragen auskennen. Dr. von Roehl: „Es ist eine Hilfe zur Selbsthilfe, die geboten wird. Je sicherer sich Eltern fühlen und je ruhiger sie sind, umso besser ist das für den Genesungsprozess des Kindes.“

Der Bunte Kreis: Zwölf Mitarbeiterinnen für 200 Familien

Rund 200 Familien pro Jahr betreut der Bunte Kreis, der etwa zwölf Mitarbeiterinnen hat. Ein Kinderarzt muss die Hilfe des Vereins verschreiben. Inzwischen sind diese Leistungen als sozial-medizinische Nachsorge im Sozialgesetzbuch verankert. Die Hälfte der Fälle bezahlen gesetzliche Krankenkassen nicht, private Krankenkassen bezahlen diese Leistungen gar nicht. Dr. Sassa von Roehl: „50 bis 60 Prozent der Leistungen bekommen wir nicht refinanziert. Ein Arzt verschreibt 20 Stunden, eine Verlängerung ist möglich. Doch die Case Managerinnen gucken nicht auf die Uhr, hören sich die Nöte an, machen auch Telefonberatung. Die Krankenschwestern sind mit sehr viel Herzblut dabei.“ Und dann zählt die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit auf, was alles nicht bezahlt wird: die Fahrtkosten, die Verwaltung, die Ausbildung der Krankenschwestern, die auch für die Hospiz- oder Trauerbegleitung geschult sind.

Über Spenden finanziert der Bunte Kreis Angebote wie etwa eine spezielle Krabbelgruppe für Frühchen, Treffen von Eltern und Ärzten oder die Unterstützung von Eltern, die keine Krankenkasse haben. Darüber hinaus begleiten die Mitarbeiterinnen auch Schulkinder, vor allem jene, die einen Unfall hatten. Dr. Sassa von Roehl: „Die Familien, die wir betreuen, kommen aus allen sozialen Schichten. Viele sind durch Angst paralysiert, manche sind aus dem Leben gerissen, der Boden unter den Füßen ist weg.“ Die Arbeit des Bunten Kreises, sie ist ein Kampf für die Eltern. Doch mittlerweile kommt immer mehr Arbeit auf den Verein zu, vor allem, weil es verstärkt Mehrlingsgeburten gibt. „Es läppert sich“, so Dr. von Roehl.

Der Deutsche Kinderschutzbund in Duisburg 

Sozial-integrative Spielgruppe, Sprachpaten, Wunschomas und Wunschopas, Respekt für Dich und Mich, Zu uns – Mit uns, PlusPunktDU sind die Namen der Projekte des Deutschen Kinderschutzbundes Ortsverein Duisburg. 120 Ehrenamtler stehen dem Verein dabei zur Seite. „Wir machen keine Soforthilfe, sie fällt in den Aufgabenbereich des Jugendamtes. Wir haben auch keine Kita und keine Tagesbetreuung“, sagt die Vorsitzende, Gerhild Tobergte. „Es sind alles Zusatzleistungen, mit denen wir helfen. Etwa unser neuestes Projekt PlusPunktDU.“

Mit diesem neuen Projekt wendet sich der Kinderschutzbund an Frauen und junge Mütter. Das Ziel: Kinder sollen in der Familie ein Vorbild haben. Dass gerade auch junge Mütter eine Arbeit haben, spielt dabei eine wichtige Rolle. So sollen Kinder erfahren, den sozialen Transfer nicht sofort als selbstverständlich anzusehen. Gerhild Tobergte, die übrigens seit 25 Jahren Clubschwester im Soroptimisten-Club Duisburg-Mülheim ist: „Wir möchten gerne kleinere und mittlere Betriebe erreichen, damit sie jungen Frauen eine Ausbildung bieten.“ Die Kinderschutzbundvorsitzende macht deutlich, dass Betriebe vom Verein unterstützt werden können, er ihnen helfen kann, wenn es Probleme im Sozialverhalten gebe. Tobergte: „Wir können Tiefs mit auffangen und neue Perspektiven aufzeigen.“

Nicht ohne Stolz sagt sie, dass bereits einige Frauen in feste Ausbildungsverhältnisse vermittelt werden konnten. Hier will sich der Kinderschutzbund auch künftig einbringen, hofft einerseits, dass sich Betriebe an ihn wenden. Andererseits versucht der Kinderschutzbund Frauen für das Berufsleben zu interessieren, kontaktiert deshalb Einrichtungen, die sie besuchen, etwa die beiden Kleiderläden in der Nachbarschaft.

Auch diese beiden Kleiderläden helfen dem Kinderschutzbund bei der Finanzierung seiner Arbeit und sind gleichzeitig für viele Menschen eine Anlaufstelle, in der sie für wenig Geld gut erhaltene Kleidung und andere nützliche Dinge für die Familie und ihre Wohnung finden. Denn die Aufgaben des Kinderschutzbundes kosten viel Geld, wenn ein Beitrag zu einem weniger von Gewalt bestimmten Leben von Kindern geleistet werden soll. Der Verein arbeitet mit Jungen und Mädchen, die ein soziales Umfeld brauchen, in dem sie erfahren und lernen, wie man gewaltarm miteinander leben kann. Da kann zum Beispiel eine Wunschoma vermitteln, aber auch die Sprachpaten spielen hier eine große Rolle.

Der Verwendungszweck des Erlöses aus dem Sternenzauber-Konzert steht noch nicht endgültig fest. Gerhild Tobergte: „Wir stricken im Moment ein bisschen daran, vielleicht die Sprachpaten auszubauen.“ Die Kinderschutzbund-Vorsitzende denkt hier vor allem an schwierige Situationen an Grundschulen. Sie weiß zum Beispiel von einer Schule, in der es in einem dreizügigen ersten Schuljahr nur fünf Kinder gibt, die die deutsche Sprache beherrschen.

Der Verein "Kind im Krankenhaus" 

Leistungen rund um die Schwangerschaft, Geburt und Frühgeburt hat sich der Verein „Kind im Krankenhaus – Förderverein der Kinder- und Jugendklinik Helios St. Johannes Klinik Duisburg-Hamborn“ auf die Fahne geschrieben. Gegründet wurde er 1995, in einer Zeit, als das Hospital noch zum Bistum Essen gehörte. „Eine Kinderärztin wollte in der Klinik einiges bewirken, den Kindern eine bessere Behandlung zukommen lassen“, erzählt die Vorsitzende des Fördervereins, Monika Scharmach. „Das Erste, was der Verein angeschafft hat, waren tragbare Inkubatoren. Bis dahin waren Kinder nämlich immer ans Bett gefesselt, wenn sie Infusionen bekamen."

Das Hospital war damals ein rein Katholisches Krankenhaus, das Bistum Essen hatte nicht viel Geld. Dies war wohl mit ein Grund, warum der Förderverein um eine „Babyklappe“ kämpfen musste. Das Bistum war von dieser Idee nicht begeistert, bedeutete das Vorhaben schließlich auch eine Baumaßnahme. 2001 wurde die Babyklappe dann aber eingerichtet – damals die erste in Nordrhein-Westfalen und eine von wenigen im gesamten Bundesgebiet. 19 Babys wurden seither dort abgelegt. „Alle Babys waren gesund. Drei Kinder wurden an ihre Mütter zurück vermittelt, die in der Situation wohl zunächst kopflos waren. Für die anderen Babys hat das Jugendamt Eltern gefunden, Paare, die ewig auf eine Adoption gewartet haben“, so Monika Scharmach.

Mit der Übernahme des Krankenhauses durch die Helios Kliniken GmbH änderte sich dann der Aufgabenbereich des Fördervereins. Sein Ziel ist heute, vernachlässigten Kindern zu helfen. „Das bezahlt keine Krankenkasse“, weiß die Fördervereinsvorsitzende und berichtet traurig, dass so vieles im Argen liege. Sie denkt an vernachlässigte Kinder: „Manche kommen mit nackten Füßen in der Klinik an.“ Und an solche, die Missbrauch und häusliche Gewalt erleben mussten. So hat der Verein zum Beispiel ein Videokolposkop angeschafft, mit dem Mädchen gynäkologisch untersucht werden können, ohne dass sie berührt werden müssen. Der Förderverein hat speziell für vernachlässigte und missbrauchte Jungen und Mädchen eine Kinderschutzgruppe gegründet, die sich um die psychologische Betreuung kümmert. Monika Scharmach: „Der Erlös aus dem Konzert ‘Sternenzauber’ wird in diese wichtige Kinderschutzgruppe fließen. Hier ist ein unendlicher Bedarf. Das Elend der Welt ist hier nämlich direkt um die Ecke.“

Info: Benefiz-Konzert mit Anja Lerch findet am 30. November statt 

Das Benefizkonzert „Sternenzauber“, das der Soroptimisten-Club Duisburg-Mülheim veranstaltet, findet am Freitag, 30. November, um 19.30 Uhr (Einlass 19 Uhr) im Kleinen Prinzen in der Stadtmitte an der Schwanenstraße statt.

Die Eintrittskarten kosten 14 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühren und sind in allen NRZ-Leserläden, u.a. am Harry-Epstein-Platz 2 in der Stadtmitte erhältlich. Der Erlös kommt den vier unter dem Dach von DU-KIDS stehenden Vereinen zugute: Verein für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Duisburg, Förderverein der Kinder- und Jugendklinik Helios St. Johannes Duisburg-Hamborn „Kind im Krankenhaus“, Bunter Kreis Duisburg sowie Deutscher Kinderschutzbund.

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