Festival in Duisburg

Beim Platzhirsch-Festival 2019 begeistern die leisen Töne

„Wir hatten was mit Björn“ bestachen beim Platzhirsch-Festival in Duisburg mit sanften Tönen und ungewöhnlicher instrumentaler Rollenverteilung.

„Wir hatten was mit Björn“ bestachen beim Platzhirsch-Festival in Duisburg mit sanften Tönen und ungewöhnlicher instrumentaler Rollenverteilung.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Das Duisburger Platzhirsch-Festival ist vorbei. Die Highlights des Festivals auf und um den Dellplatz liefern überraschend unscheinbare Bands.

Das war er, der Platzhirsch 2019 auf dem Dellplatz. Duisburgs vielseitigstes Festival hinterlässt auch 2019 einen bleibenden Eindruck bei seinen Besuchern, allein die schiere Menge und Bandbreite des „Festivals für Artenvielfalt“ war überwältigend. Im wohligen Kuddelmuddel aus Musik, Kunst und Performance taten sich aber auch in diesem Jahr einige echte Geheimtipps hervor.

Duisburger Platzhirsch-Festival bot Musik quer durch die Genres

Da gab es zum Beispiel schon am Freitag mit Paul Cauthen und Band eine, musikalisch, schwer fassbare Combo, die irgendwo zwischen harten Funkgrooves und dem späten Johnny Cash pendelte. Später gab es mit Joel Sarakulas Trio im „Das Café“ eine Gruppe, die sich zwar hörbar und deutlich dem Disco-Funk verschrieben hat, dank hervorragendem Gesang und interessanten Wechsel aber viele Überraschungen in petto hatte.

In der Kirche St. Joseph zupfte sich die Amerikanerin Susan Alcorn an der pedal-Steel-Guitar die Seele aus dem Leib. Ursprünglich in der Countryszene daheim, orientierte sich die Musikerin radikal um und spielt seither frei improvisierte Musik. Im Rahmen des Programms „Soundtrips NRW“ füllte sie den Kirchenraum mit schwebenden Klängen und schrägen Läufen auf ihrem ungewöhnlichen Instrument.

Heimlich zum Highlight mogelte sich am Freitag aber das Quartett „Wir hatten was mit Björn“. mit ungewöhnlicher instrumentaler Rollenverteilung, angenehm offenen Harmonien und sanften Melodiebögen standen die Musiker für genau die Artenvielfalt, die sich der Platzhirsch auf die Fahnen schreibt.

Auch am Samstag sind die leisen Töne die schönsten

„Lingby“ verzaubert sein Publikum mit viel Blechgeblase und Effektgewitter aus dem Synthie in der Kirche, und war dabei laut leise. Geradezu ohrenbetäubend laut fetzte der Hall durch das alte Gemäuer, aber was sich hinter den vielen Dezibel versteckte, war oft sanft und einfühlsam.

Lokalmatador Philipp Eisenblätter verdeutlichte mit Band im Schlepptau, dass es ein Fehler wäre, ihn auf sein Duisburg-Lied zu reduzieren. Und „Bawrence of Aralia“ stellte wenig später klar, dass es auch mal gut tun kann, musikalisch zu reduzieren – in diesem Falle auf lupenreinen Gitarrenrock.

Die schönsten Momente gab es aber wieder dank leiser Töne, am Samstag waren es die von Anni Yu und Jan Benkest im „Mimi e Rosa“. Mit viel Elektronik, Eleganz und einer Menge Loops bauten die beiden Musiker wahre Klangräume auf, und füllten sie mit instrumentaler Finesse und sphärischem Gesang.

Am Festivalsonntag lässt es der Platzhirsch ruhig angehen

Der letzte Tag des Platzhirschs ließ mehr Platz für die Kunstangebote rund um die viele Musik. Trotzdem erlebten die Besucher auch Sonntag echte Geheimtipps, „Furiopolis“ zum Beispiel verjazzte alte Volkslieder und bestach mit echten Klasse-Soli.

Aber obwohl der Platzhirsch ein Musikfestival ist, waren mit dem „Poetomat“, der Fotoausstellung „School Life Project“, die besonders Kulturdezernent Thomas Krützberg ausdrücklich lobte, oder „Oink!“, dem kleinsten Autokino der Welt, eine Menge Angebote für die Konzertpausen auf und um den Dellplatz vertreten.

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