Finanzskandal

Rogg-Affäre: Gemeinnützigkeit der Werkstatt wird geprüft

Mit dem Finanzskandal um die ehemalige Werkstatt-Chefin Roselyne Rogg muss sich die Stadt Duisburg beschäftigen.

Mit dem Finanzskandal um die ehemalige Werkstatt-Chefin Roselyne Rogg muss sich die Stadt Duisburg beschäftigen.

Foto: Jörg Schimmel

Duisburg.   Der Skandal um Ex-Geschäftsführerin Rogg könnte die Werkstatt für Behinderte in Duisburg die Gemeinnützigkeit kosten – zumindest temporär.

Nach dem Skandal um die ehemalige Werkstatt-Chefin Roselyne Rogg prüfen die Finanzbehörden derzeit eine temporäre Aberkennung der Gemeinnützigkeit der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Das bestätigte die Stadt Duisburg am Donnerstag. Für den Fall, dass die Gemeinnützigkeit rückwirkend aberkannt würde, müsste die Werkstatt Steuern zurückzahlen. Zur Höhe der Summe konnte die Stadt keine Angaben machen. Die Finanzbehörde hatte die Prüfung der Gemeinnützigkeit veranlasst.

In einem offiziellen Statement der Stadt Duisburg heißt es: „Die WfbM hat – unabhängig vom Fehlverhalten der ehemaligen Geschäftsführerin – über viele Jahre gute Arbeit geleistet und steht auch wirtschaftlich auf sicheren Beinen.“ Auch eine temporäre Aberkennung der Gemeinnützigkeit bedeute demnach nicht das Aus, heißt es weiter. Dies sei durch entsprechende Rückstellungen im Wirtschaftsplan abgedeckt. Die Werkstatt floriere, die Ausbildung- und Arbeitsplätze der dort Beschäftigten seien gesichert.

Zeitraum der Tätigkeit von Rogg als Geschäftsführerin wird geprüft

Heinrich Holler vom Verein für Menschen mit Mehrfach- und Körperbehinderung, der zu 25 Prozent an der WfbM beteiligt ist, zeigt sich „fassungslos“ über das Ausmaß der Ausgaben, die unter Roselyne Roggs Leitung unter anderem für teure Designer-Möbel für das Chef-Büro, Fortbildungsveranstaltungen mit reichlich Champagner-Konsum zu 120 Euro die Flasche und Hotelübernachtungen zu 300 Euro pro Nacht. „Das ist alles jenseits von dem, was man von einem gemeinnützigen Unternehmen überhaupt von einem Unternehmen erwartet. Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn noch nie eine Flasche Champagner für diesen Preis getrunken“, sagte Heinrich Holler gegenüber dem WDR.

Aktuell werden an der WfbM 1300 Menschen beschäftigt. Die Prüfung der Gemeinnützigkeit bezieht sich laut Auskunft der Stadt auf den Zeitraum, in dem Roselyne Rogg Geschäftsführerin der WfbM war – von 2013 bis 2018.

Im vergangenen Sommer war die ehemalige Geschäftsführerin Roselyne Rogg wegen überhöhter Gehaltszahlungen entlassen worden. Das Gehalt hatte zuletzt bei 375.000 Euro im Jahr gelegen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue. Die gezahlten Gehälter will die Stadt zivilrechtlich geltend machen, heißt es noch in der Mitteilung am Donnerstag. Zuletzt war außerdem bekannt geworden, dass Roselyne Rogg ein halbes Jahr vor der Entlassung veranlasst hatte, belastende Daten löschen zu lassen. (acf/ R.K.)

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