Mafia-Ermittlungen

Geheimnisverrat an Mafia: Ex-Jobcenter-Angestellte im Visier

Polizisten haben am Mittwoch ein Eiscafé im Citypalais in der Innenstadt durchsucht.

Polizisten haben am Mittwoch ein Eiscafé im Citypalais in der Innenstadt durchsucht.

Foto: Christoph Reichwein, dpa

Duisburg.  Nach dem Schlag gegen die Mafia am Mittwoch, ermittelt die Duisburger Staatsanwaltschaft nun auch gegen Beamte. Wegen Geheimnisverrats.

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Die Anti-Mafia-Ermittlungen der Behörden erstrecken sich in Nordrhein-Westfalen auch auf Beamte. Es werde gegen fünf Beschuldigte wegen Verrats von Dienstgeheimnissen ermittelt, sagte Jennifer König, Staatsanwältin und Sprecherin der Duisburger Staatsanwaltschaft am Donnerstag auf Nachfrage.

Dabei handele es bei um zwei Polizisten aus dem Rhein-Erft-Kreis, eine Regierungsbeschäftigte der Polizei, eine Mitarbeiterin der bei Köln gelegenen Stadt Wesseling und eine ehemalige Mitarbeiterin der Stadt Duisburg. Sie alle sollen illegal Informationen an mutmaßliche Mafiosi oder deren Helfer weitergegeben haben.

Unserer Redaktion liegen Erkenntnisse vor, dass es sich bei der ehemaligen Duisburger Stadt-Mitarbeiterin um eine Ex-Angestellte des Jobcenters handelt. Jobcenter-Geschäftsführer Werner Rous erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion: "Ich habe gerade erst in der Presse gelesen, dass wegen Geheimnisverrats gegen Beamte in NRW ermittelt wird. Davon, dass eine unserer Mitarbeiterinnen betroffen sein könnte, weiß ich bisher nichts."

Verdächtiger in Duisburg festgenommen

Um welche Informationen es sich handelt, die weitergegeben wurden, wollten die Ermittler nicht preisgeben. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand sei aber davon auszugehen, dass die Beschuldigten für die Weitergabe der Informationen keine finanzielle Gegenleistung erhalten hätten. Staatsanwältin Jennifer König kann das öffentliche Interesse an den Ermittlungen gegen die Beamten zwar nachvollziehen, macht aber auch deutlich, dass diese nur ein kleiner Teilaspekt eine sehr umfassenden, internationalen Ermittlung gegen die Mafia sind.

Federico Cafiero de Raho, der italienische Anti-Mafia-Staatsanwalt, hatte bereits am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der internationalen Justizbehörden in Den Haag gesagt: "Die 'Ndrangheta hat ungeheure Macht und ist ungeheuer stark. Kolumbianische und mexikanische Kartelle sehen in der 'Ndrangheta einen gleichwertigen Partner." Die Mafiosi würden nicht einfach mit eigenen Leuten auf den Markt gehen, stattdessen "setzen sie Steuerberater und Anwälte ein, Leute die angesehen sind". Der italienische Staatsanwalt sprach von Unterstützern "mit weißem Hemden, die in Behörden sitzen", die der Mafia den Rücken frei halten würden. Konkrete Nachfragen, welche Behörden in welchen Ländern und in welchem Ausmaß von der Mafia unterwandert worden sein, ließ Federico Cafiero de Raho am Mittwoch aber unbeantwortet. Eine Teilantwort darauf gibt nun möglicherweise die Ermittlung der Duisburger Staatsanwaltschaft.

Festnahme in Duisburger Innenstadt

Bei der internationalen Anti-Mafia-Razzia mit dem Decknamen "Pollino" war Nordrhein-Westfalen am Mittwoch einer der Schwerpunkte der Ermittler. Unter anderem wurde der Inhaber eines Eiscafé im Duisburger City-Palais vorläufig festgenommen.

Einer der Hauptverdächtigen wurde in Pulheim bei Köln festgenommen. Es handelte sich um einen 45-jährigen Gastwirt. Er wird der mächtigen Mafiagruppe 'Ndrangheta zugerechnet.

Mafia-Morde von Duisburg gehen auf das Konto der 'Ndrangheta

Die kalabrische 'Ndrangheta gilt inzwischen als die mächtigste italienische Mafia-Organisation. Sie dominiert den Drogenschmuggel nach Europa und ist auch in Deutschland aktiv. So gingen die Mafia-Morde von Duisburg auf ihr Konto. Im August 2007 waren dort vor einer Pizzeria sechs Menschen erschossen worden. Ein Streit zwischen dem Pelle-Vottari-Clan und dem Strangio-Nirta-Clan war der Auslöser für die Bluttat. (mit dpa)

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