Totes Baby

Babyleiche aus Duisburg: Suche nach Mias Mutter geht weiter

Ein Polizist untersucht mit einem Spürhund Altkleidercontainer in Duisburg.

Ein Polizist untersucht mit einem Spürhund Altkleidercontainer in Duisburg.

Foto: Daniel Elke

Duisburg.   Die Polizei konzentriert ihre Suche nach der Mutter der toten Mia auf die Umgebung der Rheinpreußenstraße. Dort hat ein Hund eine Spur gefunden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Polizei verfolgt erste Spuren zu „Mia“, dem toten Baby, das in Polen in einer Sortieranlage für Altkleider gefunden wurde und das aus Duisburg stammen soll. „Wir haben erste Hinweise bekommen, denen wir jetzt nachgehen“, sagte Polizeisprecherin Jacqueline Grahl. Und man sei froh über jeden weiteren Hinweis.

Die Suche wird auch am Wochenende fortgesetzt. Man ermittle mit Hochdruck, hieß es am Samstagmorgen von der Polizei. Gefunden sei die Mutter bislang aber nicht.

Das neugeborene Mädchen, dem die Polizei den Namen Mia gab, war in einer Sortieranlage für Altkleider im polnischen Kielce entdeckt worden. Der Transport war aus Duisburg gekommen. Die Polizei geht nach ersten Ermittlungen davon aus, dass der Säugling vor dem Transport nach Kielce in einen der rund 470 Altkleidercontainer der städtischen Wirtschaftsbetriebe Duisburg gelegt wurde.

Deshalb rückten Dutzende Kräfte der Polizei am Donnerstag mit Leichenspürhunden aus, um die Altkleidercontainer in der Stadt zu untersuchen.

Leichenspürhund hat Spur in Duisburg aufgenommen

Am Freitag teilten die Duisburger Staatsanwaltschaft und die Polizei dann in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit, dass die Beamten tags zuvor einen Altkleidercontainer im Duisburger Westen sichergestellt hätten. "Dieser wird jetzt genauestens nach Spuren, unter anderem DNA oder Fingerabdrücke der Mutter, untersucht", heißt es in der Erklärung.

Ein Leichenspürhund habe bei der Suchaktion an diesem Container eine Witterung aufgenommen und angeschlagen. Aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung und der Tatsache, dass der Leichenspürhund auf der Rheinpreußenstraße angeschlagen hat, haben die Polizisten die Suche auf die Umgebung konzentriert. Deswegen wurden dort im Laufe des Freitags verstärkt Plakate aufgehängt.

Erste Hinweise bei der Polizei eingegangen

Auch erste Hinweise aus der Bevölkerung sind bereits bei der Kripo eingegangen. "Die Ermittler gehen diesen jetzt akribisch nach. Die Polizei bittet die Bevölkerung weiter um Mithilfe, damit die Mutter der kleinen "Mia" gefunden wird: Jeder auch für Sie noch so abwegig erscheinende Hinweis ist für uns wichtig, um diese Tragödie aufzuklären", bittet die Polizei eindringlich um Hilfe.

„Wir wissen, dass die Frauen, die in einer solch verzweifelten Lage sind, meist aus dem Umfeld kommen. Deshalb würde es uns sehr helfen, wenn wir wissen, wo der Container ist“, hatte Polizeisprecher Ramon van der Maat am Donnerstag im Gespräch mit unserer Redaktion betont.

Neue Erkenntnisse könnte auch der Obduktionsbericht aus Polen bringen. "Die Obduktion ist abgeschlossen, aber die Ergebnisse liegen uns noch nicht vor", erklärte Polizeisprecherin Jacqueline Grahl am Freitagmorgen. Das entsprechende Amtshilfeersuchen sei an die polnischen Behörden gestellt worden. Solange der Obduktionsbericht aber nicht offiziell vorliegt, wird die Duisburger Polizei keine Berichte zu Mia kommentieren, machte Polizeisprecherin Jacqueline Grahl im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich. Außerdem, so Grahl weiter, ist es der Duisburger Polizei ganz wichtig, unmissverständlich klar zu stellen, dass die Behörden wissen, dass sich die Mutter des Babys mutmaßlich in einer Ausnahmesituation befindet. Hinweise würden auch diskret behandelt.

Die kleine Mia soll lebend geboren worden sein

Währenddessen erklärte der Sprecher der Bezirksstaatsanwaltschaft in Kielce gegenüber polnischen Medien, dass die Obduktion ergeben habe, dass das Mädchen lebend geboren wurde, so , Daniel Prokopowicz. Die Todesursache und der Todeszeitpunkt seinen indes weiterhin unklar.

Monika Scharmach vom Verein „Kind im Krankenhaus“ hat die Nachricht von dem toten Baby „Mia“ ebenfalls schockiert. Umso wichtiger findet sie es, dass Angebot der Babyklappe im Duisburger Norden bekannter zu machen. Hier können Frauen in Notlagen ihr Baby hineinlegen. Hinter der Klappe verbirgt sich ein Wärmebettchen. Wird die grüne, gesicherte Tür geöffnet, geht in der Kinderintensivstation ein Alarm los und eine Kamera schaltet sich ein, die auf das Bett gerichtet ist.

Auf dem schnellsten Weg kommt eine Schwester und versorgt das Neugeborene. „Wir hatten erst kürzlich ein Treffen mit Rektoren der Duisburger Gymnasien. Wir wollen flächendeckend auf den Mädchen-Toiletten Aufkleber hinterlassen, um auf die Babyklappe aufmerksam zu machen“, erklärt Monika Scharmach.

Seit 2001 gibt das Angebot im St. Johannes Hospital. 19 Babys sind dort von verzweifelten Müttern abgelegt worden. 16 wurden zur Adoption frei gegeben, drei Frauen haben später – nach umfangreichen Gesprächen etwa mit dem Jugendamt – ihr Kind wieder bekommen. Die Babyklappe liegt bewusst etwas abgelegen an der Dieselstraße, abseits vom Haupteingang des Helios-Klinikums. „Sie kann eine lebensrettende Zwischenstation für die Kinder sein und hat nichts endgültiges“, erklärt  Dr. Peter Seiffert, Chefarzt der Hamborner Kinderklinik. Monika Scharmach will nun auch die Rektoren anderer weiterführender Schulen informieren, damit sich ein trauriger Fall "Mia" nicht wiederholt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben