Bürgerservice

Ausweis-Ärger für 93-Jährige im Bürgerservice Hamborn

Die Terminvergabe funktioniert normalerweise online oder vor Ort. Für Senioren und Behinderte können gesonderte Regelungen getroffen werden. Eine Anwesenheit ist meist trotzdem notwendig.  Foto:

Die Terminvergabe funktioniert normalerweise online oder vor Ort. Für Senioren und Behinderte können gesonderte Regelungen getroffen werden. Eine Anwesenheit ist meist trotzdem notwendig. Foto:

Foto: Zoltan Leskovar

Duisburg.  Tochter will Personalausweis für die Seniorin beantragen. Doch Bürgerservice pocht auf die persönliche Anwesenheit der gebrechlichen Duisburgerin

Susanne S. möchte für ihre pflegebedürftige 93-jährige Mutter einen Personalausweis im Bürgerservice Hamborn beantragen. Für einen Familienurlaub in einem Ferienhaus in Holland soll ihre Mutter einen aktuellen Ausweis haben.

„Wir haben erst gemerkt, dass der Ausweis abgelaufen ist, als wir in den Urlaub fahren wollten“, erklärt sie. Das Beantragen verlief für sie schwieriger als gedacht: „Ich bin völlig fassungslos“, sagt Susanne S. rückblickend.

Sie habe sich erst telefonisch erkundigt, was sie alles für den Antrag braucht und welche Möglichkeiten es für ihre Mutter gibt. „Es wurde mir gesagt, dass jemand Zuhause vorbei kommen könnte, um die Unterschrift abzuholen“, so die 58-Jährige. Mit einer Vollmacht, einem Attest vom Arzt und einem Passfoto kam sie im Bürgerservice in Hamborn nicht weiter. „Die Mitarbeiterin fragte, wie ich das dann mit den Bildern hinbekommen hätte und wie meine Mutter in den Urlaub fahren könnte“, sagt Susanne und antwortete der Sachbearbeiterin: „Vor dem Rathaus sind keine Parkplätze und es entstehen oft längere Wartezeiten. Das passiert beim Fotografen nicht.“

Unterschrift abholen lassen

Ihre Mutter könne an einem guten Tag zwar mit Mühe und Not noch raus gehen, aber nach Möglichkeit möchte das ihre Tochter vermeiden. Um ihrer Mutter aus dem Auto zu helfen, benötigt Susanne auch die Unterstützung ihres Mannes. Aus diesem Grund hat sie gehofft, dass ein Beamter die Unterschrift vor Ort aufnimmt. „Mir wurde verweigert, den Antrag zu stellen“, beklagt Susanne.

Laut der Stadt Duisburg liege ein Missverständnis vor. „Der Dienst kommt nur raus, wenn Personen das Haus nicht mehr verlassen können“, erklärt Stadtsprecher Malte Werning.

Susanne bekommt nun die Option, einen Termin ohne lange Wartezeiten und Wege zu vereinbaren. „Menschen mit Behinderungen oder ältere Menschen haben beim Bezirksamt Hamborn aber auch die Möglichkeit, über Call Duisburg eine besondere Verabredung mit dem Bezirksmanagement zu treffen, um einen barrierefreien Zugang zu erhalten oder Wartezeiten zu vermeiden“, so Werning.

Befreiung von Ausweispflicht

Generell können Personen, die sich wegen einer dauerhaften Behinderung nicht allein in der Öffentlichkeit bewegen können, sich auf Antrag von der Ausweispflicht befreien lassen. Das offizielle Befreiungsschreiben ersetzt den Personalausweis und gilt auch gegenüber Behörden und Banken.

Für die Stadt sei der Besuch Zuhause mit einem hohen Aufwand verbunden: „Die Beantragung eines Ausweises ohne persönliche Vorsprache ist aufgrund des hohen Organisations- und Zeitaufwandes und angesichts der knappen Personalkapazitäten nur in ganz besonderen Einzelfällen möglich“, teilt die Stadt mit. Hierfür muss nachgewiesen werden, dass tatsächlich ein ordentlicher Personalausweis benötigt wird und dass die Befreiung von der Ausweispflicht nicht ausreicht.

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