Duisburger Akzente

Ausstellung blickt in eine Zukunft – durchaus mit Hoffnung

Fatima Caliskan, Martin Sieverding, Ruth Bamberg, Elke Frieding und Kurator Alexander Kuczewski (v.l.).

Fatima Caliskan, Martin Sieverding, Ruth Bamberg, Elke Frieding und Kurator Alexander Kuczewski (v.l.).

Foto: Tamara Ramos

Duisburg.   Die Cubus-Kunsthalle im Duisburger Kantpark wird für zwei Wochen zum Festivalzentrum der Akzente. Sieben Künstler bei Ausstellung „Utopien“.

Mit der Ausstellung „Utopien“ wird die Cubus-Kunsthalle im immer noch eingezäunten Kantpark für zwei Wochen zum Festivalzentrum der Akzente. Sieben Duisburger Künstler wurden aus den Bewerbungen ausgewählt, Alexander Kuczewski, erster Stipendiat des Duisburger Aufenthaltsstipendiums, hat die Werke so platziert, dass sie viel Raum um sich haben.

Sequenzen aus der US-Serie „House of Cards“

Nicht raumgreifend, aber emotional fesselnd ist die Video-Installationen „Lucky Gretchen“, die Medienkünstlerin Ruth Bamberg eigens für diese Ausstellung entwickelt hat. Auf einem von zwei Monitoren laufen Sequenzen aus der US-Serie „House of Cards“; sie zeigen Bilder der kaltblütigen, machthungrigen Claire Underwood, allerdings in Situationen, in denen diese kühle, distanzierte Frau offensichtlich um Fassung ringt und schließlich in Tränen ausbricht.

Eine von Robin Wright beeindruckend gespielte innere Zerrissenheit, unterlegt mit Gretchens Kerker-Monolog aus Goethes „Faust“. Gretchen im Kerker wiederum zeigt das Video auf einem zweiten Monitor, gespielt von Maria Neumann. Gretchen als innere Stimme aller Frauen. „Es ist utopisch zu glauben, wir wären gleich mit den Männern“, so Ruth Bamberg.

Konzept-Arbeit von Fatima Caliskan

Fatima Caliskan hat für ihre Konzept-Arbeit „Utopie-Album“ in ihrem privatem Umfeld die Frage „In welcher Utopie werden wir beide leben?“ gestellt. Antworten kamen von sieben oft jungen Bekannten in Worten, Collagen oder Zeichnungen, die Fatima Caliskan mit „Zwischenspielen“ verbunden hat. Das handgemachte Buch „beginnt mit einer Dystopie und blüht schließlich auf, wird hoffnungsvoll“, sagt die Künstlerin. Das Buch liegt zur Ansicht aus, dazu gibt es eine begleitende Audiodatei.

Nach den Sternen greifen

Vom eher Privaten zum Politischen. Auch Elke Frieding hat ihre Installation „one“ eigens zum Thema entwickelt. Eine geografische Karte für den Schulunterricht aus den optimistischen 60er Jahren, die über die Wirtschaftskraft der Länder informierte („Kohle“, „Walfang“), hat sie mit den Folgen dieses Wirtschaftens überschrieben („Klimawandel“, „Artensterben“) und mit „Die Ausbeutung der Erde“ betitelt. Auf zwei beschriebenen Gaze-Vorhängen mit einem symbolträchtigen Kreis hat sie die Zahl eins in 100 Sprachen geschrieben und den utopischen Satz „One is all and all is one“ – alles ist eins.

Nach den Sternen greift Madalina Rotter in ihrer Installation „Ferne Welten“, die im schwarzen Raum mit fluoreszierenden Sonnen in die unergründliche Tiefe des Weltraums lockt. Verena Meyer zeigt eine Serie kleinformatiger Fotografien aus dem städtischen Schilderwald: von „Bitte berühren“ bis „Bachelor of Hartz“. Yvonne Höfs legt mit gläsernen Kugeln und darin geborgenen utopischen Gedanken „Anzünd-Bonbons“. Und Martin Sieverding zeigt neben Farbschicht-Bildern unter dem Titel „Wolkenkuckucksheim“ Skulpturen: Würfel, die Malerei und Zeichnung in den Raum stellen: Der Künstler als Narr.

Begleitprogramm mit Performance

Die Ausstellung wird am kommenden Sonntag, 17. März, um 12 Uhr in der Cubus-Kunsthalle im Kantpark eröffnet und bleibt bis zum 31. März. Im Anschluss an den offiziellen Teil wird Tango-Musik aufgelegt und auch Tango getanzt. Das Begleitprogramm beginnt am 21. März um 19.30 Uhr mit dem Talkabend „Wie klingt Utopia?“

Performances in der Installation von Ruth Bamberg gibt es am 22., 29. und 30. März, jeweils von 15 bis 18 Uhr. Unter dem Titel „Lucky“ (nach dem Namen des Dieners aus Becketts „Warten auf Godot“) agieren Maria Neumann vom Theater an der Ruhr und der Klarinettist und Improvisationsmusiker Philippe Micol je drei Stunden.

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