Ausstellung

Auf 8,80 Metern öffnet ein Landschaftsbild Raum und Zeit

Max Böhmes Bilder sind nicht einfach zu entschlüsseln. Sie sind in Teilen figurativ, überlassen aber dem Betrachter, sie zu deuten.

Max Böhmes Bilder sind nicht einfach zu entschlüsseln. Sie sind in Teilen figurativ, überlassen aber dem Betrachter, sie zu deuten.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Der Kunstverein Duisburg zeigt am Weidenweg die Ausstellung „Imagine Gaia“ mit Bildern von Max Böhme. Eine Leinwand hat sich mit Wald vollgesogen.

Wie eine lange Schleppe trägt Max Böhme die 8,80 Meter lange, weiße Leinwand durch den Wald. Beschwerliche erste Schritte auf einem langen Weg zu dem Bild, das ab heute, Freitag, im Kunstverein Duisburg am Weidenweg in der Ausstellung „Imagine Gaia“ zu sehen ist. Mühsam war es auch hier in Kaßlerfeld, das Riesenformat an die Wand zu bekommen.

Ein Super-8-Film, ruckelig abgespielt auf einem schon historischen Gerät, zeigt, wie es der Leinwand zwei Wochen lang im Wald ergangen ist. Am Ende ist sie vom Regen aufgeweicht, sind Blätter auf sie gefallen, haben Schnecken und andere Lebewesen ihre Spuren hinterlassen. Oder andersrum: Mythisch betrachtet, hat sie sich vollgesogen mit dem Kontakt zu Gaia, zur irdischen Urmutter. Schließlich bestreicht Max Böhme sie mit Kompost, später mit Sepia, Tusche und anderen Wasserfarben, zum Schluss dann mit Ölfarbe.

Ein Landschaftsbild, das sich der Betrachter erschließen muss

Entstanden ist so ein Landschaftsbild, das keine reale Landschaft zeigt, sondern auf der Realitätsebene verschiedene Horizonte und Naturformationen zeigt – das Auge erkennt Seerosen, Blätter, Felsen, Wolken, – aber über die Realität hinaus in eine Gedankenlandschaft führt. Das Bild ist höchst komplexe Malerei, in der man immer wieder Neues entdecken kann, es bietet aber auch Raum für Träume und Nachdenken etwa über die Zeit und die Vergänglichkeit. Zum Wachsen gehört das Vergehen, zum Schönen das Hässliche. Das müsse man immer zusammen denken, so der Maler.

Es sei seine Idee sei es gewesen, die Fragilität des Lebens auf der Erde auf die Leinwand zu bringen, sagt Böhme, der seinen Bildern keine Titel gibt. „Ich will etwas Universelles sagen, ohne von mir zu quatschen“, sagt der Künstler, der 1966 am Chiemsee geboren wurde und in Wien studiert hat. Bereits zum vierten Mal sind seine Bilder im Kunstverein zu sehen. Die Verbindung zu Herbert Gorba und Peter Withof entstand während seiner Zeit an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er von 2006 bis 2008 freier Mitarbeiter der Klasse für Malerei Herbert Brandl war. Anschließend ging es von 2008 bis 2010 zurück nach Wien, diesmal zu Bildhauer Erwin Wurm. Böhme lebt auf einem Gutshof im Waldviertel, das an Tschechien grenzt.

Fotografie, Konzeptkunst, Aktmalerei – der Künstler hat sich nicht nur in viele Genres vertieft, sondern auch in die Kunstgeschichte. Dass es Bildern gibt, die an Rubens erinnern können? Ja, ein hautfarbener, üppiger Körper, mit wenigen, dynamischen Strichen angedeutet, das Auge fügt ihn zum Nachbild der üppigen Nackten des Barockmeisters.

Die Ausstellung, die am 11. Oktober um 19 Uhr am Weidenweg 10 eröffnet wird, bleibt bis zum 10. November (freitags und samstags von 17 bis 20, sonntags von 14 bis 18 Uhr).

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