Duisburg. Theo Steegmann war einer der Helden des Krupp-Arbeitskampfes in Rheinhausen und des „Neuanfangs für Duisburg“. Jetzt ist er tot. Ein Nachruf.

„Er war der beste Bruder, den ich mir wünschen konnte“: Mit diesen Worten verkündet Anna Steegmann den Tod von Theo Steegmann am 25. Juli. Er starb wenige Tage nach einem Herzinfarkt in Duisburg im Krankenhaus.

Der 1955 in Sevelen geborene Duisburger gehört zu den prägenden Menschen der Stadt: Als oberster Arbeitskämpfer während der Stahlkrise Ende der 80er-Jahre. Und als treibende Kraft nach der Loveparade-Katastrophe, um den damaligen Oberbürgermeister Adolf Sauerland abzuwählen. Vor großen Tieren hatte Theo Steegmann keine Angst.

Theo Steegmann organisierte den Stahlarbeiter-Streik in Rheinhausen

Zur Erinnerung an den Arbeitskampf um das Hüttenwerk der Krupp-Stahl-AG hängt eine Gedenktafel an der Brücke der Solidarität. Deren Blockade war 1987 der Höhepunkt des von Betriebsleiter Helmut Laakmann, Theo Steegmann und der Belegschaft organisierten Protestes. Steegmann war damals zweiter Betriebsratsvorsitzender der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG und eines der Gesichter dieses Kampfes, bei dem 6000 Stahlarbeiter 160 Tage lang in den Streik traten. Durch das Ruhrgebiet ging damals eine Welle der Solidarität.

Fackelzug beim Arbeitskampf in Rheinhausen: Neben Theo Steegmann läuft in der ersten Reihe auch Duisburgs damaliger Oberbürgermeister Josef Krings mit.
Fackelzug beim Arbeitskampf in Rheinhausen: Neben Theo Steegmann läuft in der ersten Reihe auch Duisburgs damaliger Oberbürgermeister Josef Krings mit. © NRZ | Friedelm Zingler

Um die allem Widerstand zum Trotz dennoch geschlossene Hütte in Erinnerung zu behalten, baute Steegmann ein Archiv auf, das in der Bezirksbibliothek Rheinhausen zu besichtigen ist. Er hielt Vorträge und gab immer wieder Interviews.

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Vom Klassenkämpfer zum Chef

Beruflich blieb der Gewerkschafter zunächst dem Krupp-Werk treu, begleitete den Abriss und die Sanierung. Nach einem Wirtschaftspädagogik-Studium leitete Steegmann die Qualifizierungsgesellschaft Rheinhausen und vermittelte Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt.

Dieser Schritt brachte ihm nicht nur Wohlwollen ein, für manche war er ein Seitenwechsler – einer, der als Klassenkämpfer plötzlich selbst zum Chef wurde.

Steegmann ließ sich davon nicht beirren, leitete später die Weiterbildung bei ThyssenKrupp Nirosta. In dieser Funktion beteiligte er sich aber an Kundgebungen, als Nirosta von Outokumpu übernommen wurde. In dem finnischen Unternehmen wurde er später Koordinator des Europabetriebsrats.

Nach der Loveparade-Katastrophe 2010 sorgte Theo Steegmann mit der Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“ für einen Bürgerentscheid, bei dem Oberbürgermeister Adolf Sauerland abgewählt wurde.
Nach der Loveparade-Katastrophe 2010 sorgte Theo Steegmann mit der Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“ für einen Bürgerentscheid, bei dem Oberbürgermeister Adolf Sauerland abgewählt wurde. © WAZ FotoPool | Stephan Eickershoff

Nach der Loveparade-Katastrophe trieb Steegmann die Abwahl von OB Sauerland voran

Politisch wurde der Duisburger nach der Loveparade 2010 erneut aktiv: Als Sprecher der Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“ organisierte er mit Unterstützern die Abwahl des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland, dessen „Wegducken“ ihn in Rage gebracht hatte: Dank fast 80.000 gesammelter Unterschriften gab es einen Bürgerentscheid, bei dem sich fast 130.000 wahlberechtigte Duisburgerinnen und Duisburger gegen ihr Stadtoberhaupt entschieden.

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Nach internen Querelen innerhalb der Bürgerinitiative meldete sich Steegmann ein Jahr nach dem Amtswechsel erneut zu Wort, denn mit dem Nachfolger Sören Link war der langjährige Sozialdemokrat nicht zufrieden: „Die Chance auf einen politischen Neuanfang wurde vertan“, schimpfte er. Rundheraus kritisierte er den Umgang der CDU mit ihrem „Helden Sauerland“, die Mentalität der SPD, ihre Leute auf lukrative Posten zu setzen und insgesamt das Versagen der Stadt, dass die in seinen Augen Verantwortlichen für die Loveparade-Katastrophe weiter jeden Morgen ins Rathaus gingen.

Dass mancher ihn selbst als Oberbürgermeister sah, dürfte ihm geschmeichelt haben. Aber schon 2012 fand Theo Steegmann, dass er in seinem Leben genug erlebt habe. Jetzt hat er ausgekämpft.

Im Dezember 2012 wurde zur Erinnerung an den Arbeitskampf um das Krupp-Hüttenwerk vor 25 Jahren eine Gedenktafel an der Brücke der Solidarität aufgehängt. Alt-Oberbürgermeister Josef Krings trug sich in das Goldene Buch der Stadt Duisburg ein, rechts von ihm steht OB Sören Link, dahinter Theo Steegmann.
Im Dezember 2012 wurde zur Erinnerung an den Arbeitskampf um das Krupp-Hüttenwerk vor 25 Jahren eine Gedenktafel an der Brücke der Solidarität aufgehängt. Alt-Oberbürgermeister Josef Krings trug sich in das Goldene Buch der Stadt Duisburg ein, rechts von ihm steht OB Sören Link, dahinter Theo Steegmann. © WAZ FotoPool | Tanja Pickartz

>>OB Link: „Theo war nie bequem oder einfach – aber immer da“

  • Oberbürgermeister Sören Link hat auf seiner Facebook-Seit auf den Tod von Theo Steegmann reagiert.
  • Link schrieb: „Ein großer Rheinhauser, ein großer Duisburger ist verstorben. Mit Theo Steegmann ist ein streitbarer und geradliniger Mensch von uns gegangen, den ich immer respektiert und geschätzt habe. Er hat sich um unsere Stadt verdient gemacht, nicht nur als prägende Figur des legendären Arbeitskampfs um Krupp Rheinhausen oder im Rahmen der Abwahlinitiative Neuanfang für Duisburg, die Verantwortung übernommen hat, als der damalige Oberbürgermeister der Stadt Duisburg es nicht konnte.“
  • Und weiter: „Theo war nie bequem oder einfach – aber er war immer da, wenn er gebraucht wurde. Und er brachte und mischte sich immer ein, wenn er es für nötig ansah.“