Wie beschwerlich das Leben und Aufwachsen in einem Kinderheim ist, können wohl nur jene Menschen nachempfinden, die das alles am eigenen Leib miterlebt haben. Einer von ihnen ist Armin Emrich. Der 69-jährige Erziehungswissenschaftler und Psychologe schildert Erlebnisse und Erfahrungen seiner Kindheit in der Filmdokumentation „Inkompatibel – Das Leben danach“. Regisseur und Produzent Robert Kreutzer (20) hat gemeinsam mit seinem Protagonisten Emrich das Werk (übrigens sein erster Langfilm) am Mittwochabend im Duisburger UCI-Kino im Rahmen einer Premierenparty vorgestellt.
Früh vom Filmfieber gepackt
Kreutzer lebt zwar in Moers, die enge Verbindung zu Duisburg resultiert aber aus seiner Schulzeit, die er an der hiesigen St. George’s School verbrachte. Dort baute er 2015 sein Abitur. Aber schon als Zwölfjähriger zog er mit Freunden und einer digitalen Kamera los und startete seine ersten Filmversuche. „Ich habe ganz früh eine Faszination fürs Filmen entwickelt. Es ist etwas Besonderes, wenn aus einer Idee, die ich zuvor im Kopf hatte, nach einem kreativen Schaffensprozess etwas Sichtbares dabei herauskommt“, erklärte Kreutzer.
Im September 2016 begann er das Studium der Film- und Theaterwissenschaften an der Freien Universität in Berlin. Bei einigen Praktika, die er im Rahmen des Studiums absolvierte, drehte Kreutzer erste Kurzfilme sowie Imagefilme für Firmen. Bei einem Musikabend in Berlin lernte er über seinen Onkel dann Armin Emrich kennen. Dem spukte schon lange die Idee einer Filmdokumentation über Heimkinder im Kopf herum – weil er selbst auch eines war.
Dreharbeiten begannen im Februar 2018
Aus diesem ersten Gespräch wurde schnell ein konkretes Projekt. Und nach langen Vorbereitungen begannen im Februar 2018 die Dreharbeiten. „Wir haben aber nicht an jenen Originalschauplätzen gedreht, wo Armin einst in Heimen untergebracht war, sondern in der Heilstätte Grabowsee, die bei Oranienburg liegt“, erzählte Kreutzer auch den knapp 100 Premieren-Gästen, die am Mittwoch im Kinosaal 6 des UCI zugegen waren.
Diese Heilstätte liegt in einer Waldlandschaft mit 20 größtenteils verfallenen Gebäuden. Durch diese streift Erzähler Emrich im Film und schildert in reflektierenden Rückblicken seine Erinnerungen.
Kreutzer möchte sein Erstlingswerk einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen, um so die Öffentlichkeit für dieses sperrige, schwierige Thema zu sensibilisieren. Kontakt hat er bereits zu den Machern des Filmforums am Dellplatz aufgenommen. Er hofft, dass „Inkompatibel“ dort bald im Programm läuft. „Einen Verleiher für den Film haben wir bislang noch nicht gefunden“, sagt Kreutzer. Doch er hofft, dass sein Werk Aufmerksamkeit findet.
Hilfe auf dem späteren Lebensweg
In der Dokumentation kommt auch ein Zwillingspaar zu Wort, das seine ersten Lebensjahre ebenfalls in einem Heim verbrachte. Später gehörten die beiden zu jenen Jugendlichen, die in eine der ersten Wohngemeinschaften für Kinder und Jugendliche ziehen durften. Eine Idee, die übrigens Erzähler Armin Emrich mitentwickelt hatte. „Es kommt deutlich zum Vorschein, dass dieser Schritt den beiden auf ihrem späteren Lebensweg extrem geholfen hat“, berichtete der Regisseur. Die Botschaft des Film lautet daher: Es gibt immer eine Alternative zum Heim.
Weitere Informationen zu Robert Kreutzer
Zu seinen großen Vorbildern als Regisseur zählt Robert Kreutzer den Briten Christopher Nolan. Der ist durch seine „The Dark Knight“-Trilogie bekannt geworden, er schuf aber auch Meisterwerke wie „Prestige“, „Interstellar“ oder „Dunkirk“.
Alle Infos zu Kreutzers Filmdoku gibt es im Netz unter: www.das-leben-danach.com.