Duisburg. . Gerhard Losemann zeigt in seiner Galerie DU-Art, wie schier unendlich die Möglichkeiten dieses Mediums sind. Ein spannender Streifzug.

Für Jochen Duckwitz ist die Zeichnung „das unmittelbarste und ehrlichste“, was ein Künstler produzieren kann. Er speichert das, was er später zu Papier bringen wird, in der Natur – oft im Kalkumer Wald oder auch in nicht zu ordentlichen Gärten – im Kopf, bevor er sich mit dem Bleistift ans Werk macht und die komplexen Strukturen von Pflanzen zeichnet. So entstehen zwar sehr reduzierte, aber komplexe Bilder von Pflanzen, gelegentlich auch zusammen mit Steinen oder Treppen, an denen sie ranken. „Kein Abbild, sondern Weltsicht“, sagt der 1942 geborene Künstler, der zunächst Biologie studiert hat, und als Mitglied der Duisburger Sezession (seit 1988) vielfältig in der Stadt engagiert ist.

Duckwitz gehört zu den zwölf Künstlern, die Gerhard Losemann unter dem Titel „Die Vielfalt der Zeichnung“ in der DU-Art-Galerie am Dellplatz ausstellt. Die Mischung aus Nachlässen, die Losemann betreut, und neuen Werken lädt ein zu einem spannenden Streifzug durch die schier unendlichen Möglichkeiten des Mediums Zeichnung. Zwischen „pingelig“ und „fast hingerotzt“, so Losemann, bewegt sich der Duktus. Den zeitlichen Anfang markieren die Arbeiten des gebürtigen Duisburgers Kurt Rehm aus dem Jahr 1953. In einer Serie kleinformatiger Arbeiten bringt er die sorgfältig komponierten, abstrakten Formen mal flächig, mal dynamisch in wirkungsvollen Hell-Dunkel-Kontrasten aufs Papier.

Zufall in die Zeichnungen mit einbezogen

Ausstellungsvorbesichtigung am Dienstag, 16.01.18 in der DU Art Galerie am Dellplatz in Duisburg. Foto: Tanja Pickartz/ FFS FUNKE Foto Services
Ausstellungsvorbesichtigung am Dienstag, 16.01.18 in der DU Art Galerie am Dellplatz in Duisburg. Foto: Tanja Pickartz/ FFS FUNKE Foto Services © Tanja Pickartz

Den Zufall bezieht Josef Müller in seine Zeichnungen ein, indem er die (zum Teil verdünnte) Tusche zunächst fließen lässt, bevor er den Verlauf steuert. „Es muss sofort sitzen“, sagt der 1936 geborene Duisburger. Auch Hildegard Bauschlicher arbeitet mit Tusche, die sie selbst reibt, und einer Bambusfeder. Ihre Zeichnungen entstehen spontan: „Was steht, das steht.“ Teewasser und Fett setzen weitere Akzente auf diesen sensiblen Arbeiten. Mit zwei frühen, großformatigen Zeichnungen gibt Gerhard Losemann einen Einblick in seine Anfänge: schwungvolle Liniengeflechte, die wie Wolken- oder Vogelformationen schweben.

Beeindruckend die Reihe von Beuys-Porträts von Martin Goppelsröder, der mit wenigen, schnellen Strichen das markante Gesicht unter dem dunklen Hut aufs Papier gebannt hat. Renate Krupps Zeichnungen wirken wie Tusche-Aquarelle, so wenig erkennbar ist der Strich. Eine Geduldsübung muss auch das Bild von Wilhelm Wiacker gewesen sein, das aus unzähligen winzigen Rechtecken besteht, die eine Art Topographie ergeben.