Nachdem die Komponisten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim im Oktober an den Philosophenweg 17a in den Innenhafen zurück gekehrt sind und der „EarPort“ mit einem dreitägigen Musik-Poesie-Performance-Fest neu eröffnet worden ist, hat die experimentelle Musik wieder eine Adresse in Duisburg. „Wir freuen uns sehr, den Ort wieder zum Leben zu erwecken“, so Stäbler. Mit dem „EarPort“, einem Ort der „Begegnungen der Künste“, werde eine Lücke geschlossen, so Kulturdezernent Thomas Krützberg, der sich für die Rückkehr von Stäbler und Shim eingesetzt hatte.

Ungewöhnliche Besetzung

Die beiden Komponisten setzen in ihrem Jahresprogramm 2016 auf die jungen Musiker von „Crush“, das als Ensemble in Residence eine Konzertreihe bestreitet. Gegründet wurde das Ensemble 2013 vom Klarinettisten Kyusang Jeong, der seit 13 Jahren in Duisburg lebt, „aus einer Leidenschaft für zeitgenössische Musik und einem Willen zur Erforschung und Erweiterung ihrer klanglichen und performativen Ausdrucksmöglichkeiten“. Alle Mitglieder sind Absolventen der Folkwang-Hochschule, einige haben auch bei Stäbler studiert, Duisburg wurde zum „Heimathafen“ des Ensembles gewählt. Ziel von „Crush“, was mit „Verknallt“ übersetzt werden kann, ist es zum einen, bereits existierende Werke der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts in variablen Besetzungen aufzuführen, zum anderen Komponisten für neue Stücke zu gewinnen – für die ungewöhnliche „Crush“-Besetzung, der neben dem in Korea geborenen Klarinettisten angehören: Pia Marei Hauser (Flöte), die Japanerin Karin Nakayama (Violine), der Rumäne Andrei Simion (Cello), der Bulgare Slavi Grigorov (Akkordeon), der Bulgare Marin Petrov (Klavier) sowie der 1987 in Deutschland geborene Komponist und „Elektroniker“ Lukas Tobiassen.

Die „Chrush Hour“, bei der sich die Mitglieder des Ensemble vorstellen, schlägt jeweils sonntags um 18 Uhr im „EarPort“ (Eintritt frei, Spenden erbeten). Beim ersten Konzert am 21. Februar ist das ganze Ensemble in Aktion. Auf dem Programm stehen neben dem Stück „gegenüber“ des „Hauskomponisten“ Lukas Tobiassen auch „Dreizehn Farben der untergehenden Sonne“ von Tristan Murail, „das als Prototyp der Spektralen Musik gilt und sich auf verschiedene Weisen den (Klang-)Farben des Sonnenuntergangs anzunähern versucht“, dazu das Trio „Persona“ der Komponistin Hyen Lee, die beim Konzert anwesend sein wird, und ein neues Stück von Peter Gahn, das für das Ensemble „Crush“ im Rahmen des „Klang-Zeit-Festivals 2016“ von der Gesellschaft für Neue Musik Münster in Auftrag gegeben wurde. Außerdem stehen in der „Crush Hour“ auch ein Duo-Abend mit der argentinischen Tänzerin María Cena, ein elektroakustischer Abend mit einer Lichtinstallation von Johanna Meyer und ein Musiktheater-Workshop auf dem Programm.

Darüber hinaus wird eine Zusammenarbeit mit der Musik- und Kunstschule angestrebt. „Wir bieten einen Raum zum Austoben von Fantasie und Kreativität“, so Stäbler.