Arbeitsmarkt

Arbeitslosenzahl in Duisburg ist 2018 deutlich gesunken

Der Arbeitsmarkt in Duisburg entwickelt sich statistisch gesehen seit Jahren positiv. Gesucht werden vor allem auch im Handwerk

Der Arbeitsmarkt in Duisburg entwickelt sich statistisch gesehen seit Jahren positiv. Gesucht werden vor allem auch im Handwerk

Foto: dpa

Duisburg.   Die Agentur für Arbeit zieht eine positive Jahresbilanz für Duisburg. Dennoch bleiben Herausforderungen, wie der zunehmende Fachkräftemangel.

Der gute Trend auf dem Arbeitsmarkt schlägt auch auf Duisburg durch: Im Dezember schloss das Jahr mit einer Arbeitslosenquote von 10,6 Prozent ab, genau 27.323 Männer und Frauen waren arbeitslos gemeldet. Noch ein Jahr zuvor lag die Quote bei 11,7 Prozent. Für Astrid Neese, Chefin der Agentur für Arbeit geht damit „ein gutes Jahr gut zu Ende.“

Auch die durchschnittliche Jahresquote für 2018 liegt mit 11,4 Prozent deutlich unter der von 2017 (12,5 Prozent). Damit hat sich der Arbeitsmarkt im dritten Jahr in Folge positiv entwickelt. „Wir haben die geringsten Monatszahlen seit 1992 und die geringste Jahresquote seit 1997“, ordnet Neese die Zahlen ein.

Profitiert haben von der guten Entwicklung in 2018 alle Alters,- und Personengruppen, sowohl Jugendliche (minus 9,2 Prozent; Gesamtzahl: 2522), als auch Langzeitarbeitslose (minus 6,8 Prozent; Gesamtzahl: 12.872) und auch ausländische Arbeitssuchende. Ist ihre Zahl in 2017 noch um 5,6 Prozent gestiegen, so waren 2018 genau 5,8 Prozent weniger Ausländer in der Statistik gelistet (Gesamtzahl: 11.675).

Und: 2018 haben 1170 Geflüchtete eine feste Arbeit gefunden. Nachdem sie Sprach,- und Qualifizierungskurse abgeschlossen haben, „können viele geflüchtete Menschen nun stärker am Arbeitsmarktgeschehen teilnehmen“, erklärt Astrid Neese.

Teilzeitbeschäftigung wächst

Insgesamt waren im vergangenen Jahr 173.668 Duisburger sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 25 Prozent von ihnen arbeiteten in Teilzeit. Die Teilzeitbeschäftigung wuchs gegenüber dem Vorjahr 5,6 Prozent. Die Vollzeitbeschäftigung erhöhte sich dagegen nur um 1,1 Prozent. Dies zeige zwar, dass die Teilzeitbeschäftigung stärker wächst, als die Vollbeschäftigung. Die Statistik schmälere dies aber nicht. Teilzeitjobs seien oft von den Arbeitnehmern gewollt.

Lebensbegleitende Beratung

Auffallend sei in Duisburg ein hoher Anteil an Beschäftigten in Zeitarbeitsfirmen. 9912 und damit 885 mehr Duisburger fanden 2018 in ihnen eine Anstellung. Das berge ein Risiko, weil bei konjunkturellen Einbrüchen oft zunächst die Beschäftigung in der Arbeitnehmerüberlassung zurückgefahren würden. Insgesamt bleibe der Duisburger Arbeitsmarkt „herausfordernd.“

Aber mit der Einführung des Sozialen Arbeitsmarktes und dem Qualifizierungschancengesetz gebe es neue Möglichkeiten. „Wir werden unser Beratungsangebot ausweiten und für junge Menschen an der Schwelle zum Berufsleben die Ansprache noch intensivieren“, so Neese. Ein Konzept sei die lebensbegleitende Berufsberatung – von der Schule bis zur Ausbildung und auch darüber hinaus.

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels müsse nach wie vor eine sinkende Ausbildungsbeteiligung der Betriebe gestoppt werden. Zwar wurden in 2018 rund 6 Prozent mehr Ausbildungsstellen gemeldet. Aber nur 20,3 Prozent der Duisburger Firmen bilden aus.

Eine Fortsetzung der guten Entwicklung der letzten Jahre sei „kein Selbstläufer.“ Ein Ziel für 2019 sei, die 10 vor dem Quoten-Komma zu halten. Eine 9 ist nicht zu erwarten.

Der DGB begrüßt den Sozialen Arbeitsmarkt

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht auf dem hiesiegen Arbeitsmarkt trotz des Aufwärtstrends noch einige Herausforderungen. „Über 50.000 Menschen in unserer Stadt gelten als erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Sie sind auf Leistungen angewiesen, gelten aber nicht als arbeitslos. Viele gehen arbeiten, ihr Einkommen genügt jedoch nicht, um sich oder gar ihre Familie davon zu versorgen. Wir brauchen dringend eine höhere Tarifbindung“, erklärt DGB-Chefin Angelika Wagner in einer Stellungnahme zu dem Arbeitsmarktbericht.

Erstaunlich sei auch, dass in Duisburg die Ausbildungsplätze im Handwerk und öffentlichen Dienst zurückgegangen sind. Im Land und Bund seien in diesen Bereichen die Plätze angestiegen. „Und da Fachkräfte gebraucht werden, ist das die einzige Option. Ausbildung ist für Betriebe eine Investition, die sich auszahlt, und für junge Menschen das wichtigste Mittel, um spätere Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Sozialleistungen zu verhindern.“

Blick auf die Logistik

Das neue Teilhabechancengesetz und das Qualifizierungschancengesetz begrüße der DGB. „Der Soziale Arbeitsmarkt bietet für viele Langzeitarbeitslose eine Chance, auf die sie lange gewartet haben,“ sagt Angelika Wagner. Und auch die Digitalisierung biete viele Möglichkeiten. Sie stelle aber Beschäftigte und Arbeitssuchende vor Herausforderungen.

Der DGB will sich „aktiv in die Weiterentwicklung von Quailfizierungsangeboten einbringen.“ Und: Er will Schwerpunkte setzen. „Wenn die meisten offenen Stellen in Duisburg im Bereich Verkehr, Logistik und Sicherheit gemeldet sind, nämlich 1.092 Stellen, es aber gleichzeitig auch die meisten Arbeitslosen in diesem Bereichen gibt, und zwar 10.500 Arbeitslose, dann muss hier gezielter vermittelt, gegebenenfalls nachqualifiziert werden“, so Angelika Wagner. Denn gerade in Duisburg, „wo Logistik eine so wichtige Rolle spielt, müssen wir hier den Arbeitssuchenden bessere Chancen bieten können.“

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