Gerichtsprozess

Angriff auf Polizisten in Marxloh: Rocker vor Gericht

Da einer der Angeklagten der Rockergruppierung Hells Angels angehören soll, bewacht die Polizei den Prozess in Duisburg-Hamborn wie schon im Dezember 2018.

Da einer der Angeklagten der Rockergruppierung Hells Angels angehören soll, bewacht die Polizei den Prozess in Duisburg-Hamborn wie schon im Dezember 2018.

Foto: Mareike Kluck

Duisburg.  Sechs den Hells Angels nahe stehende Männer sollen 2015 Polizisten attackiert haben. Diese wollten in Marxloh eine Massenschlägerei verhindern.

Gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollzugsbeamte sowie Landfriedensbruch, so lauten die Vorwürfe gegen sechs Männer aus Duisburg im Alter von 28 bis 39 Jahren, die sich deshalb vor dem Amtsgericht Duisburg-Hamborn verantworten müssen. Am Montag wird der Prozess nach neunmonatiger Unterbrechung fortgesetzt. Da einer der Angeklagten den Hells Angels angehören soll, und auch die anderen Angeklagten der Rockergang zumindest nahestehen, wird der Prozesses am Montag wieder unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen fortgesetzt.

„Am Prozess sind fünf Strafverteidiger beteiligt, die in einer Vielzahl von Prozessen tätig sind. Zeitlich war es schwierig, Termine zu finden, an denen alle Verteidiger erscheinen können“, begründet Amtsgerichtsdirektor Ernst Walter Paulußen die lange Verfahrenspause. „Außerdem musste ein Gutachten erstellt werden, was auch seine Zeit dauert.“

Polizeikette sollte Massenschlägerei in Marxloh verhindern

Die Angeklagten, vier Türken und zwei Türkeistämmige mit deutschem Pass, sollen am 24. Juni 2015 in Marxloh versucht haben, gewaltsam eine Polizeikette zu durchbrechen. Diese hatten Beamte gebildet, um eine Massenschlägerei zu verhindern. Zwei Polizisten wurden damals durch Faustschläge verletzt. Zum Eigenschutz mussten die Polizisten Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzten.

Die ganze Gruppe sei sehr bedrohlich und aggressiv aufgetreten, beschrieben am ersten Verhandlungstermin im Dezember 2018 die als Zeugen geladenen Beamten. Sie sprachen von einer brenzligen Situation, die sich erst entschärfte, als Verstärkung auch durch Mitglieder einer Hundertschaft gekommen war. Die beim Einsatz verletzten Polizisten identifizierten im Gerichtssaal die Brüder Emin A. und Murat A. als die Angreifer, die auf sie eingeschlagen hätten.

Schlug Emin A. vor oder nach dem Einsatz von Pfefferspray zu?

Insbesondere der Angeklagte Emin A. wurde von den Zeugen als „wie von Sinnen“ beschrieben. Da die Zeugenaussagen jedoch in dem Punkt auseinandergingen, ob Emin A. vor oder nach dem Einsatz von Pfefferspray auf die Beamten eingeschlagen habe, beantragte sein Verteidiger Prof. Dr. Klaus Riekenbrauk ein Sachverständigengutachten.

Durch das Gutachten möchte Riekenbrauk geklärt wissen, ob das eingesetzte Reizgas bei seinem Mandanten zu einer Orientierungslosigkeit geführt haben kann, die sich dann in einem unkontrollierten Um-Sich-Schlagen geäußert habe. Dann, so der Verteidiger, seien die Schläge nicht zielgerichtet gegen die Polizisten gewesen.

Drohende Massenschlägerei: Fernsehinterview war Auslöser

Die Einsatzkräfte waren seinerzeit ursprünglich zu einem Streit gerufen worden, der sich zwischen zwei Männern – einer von ihnen der Angeklagte Hamid A. – aufgrund eines Fernsehinterviews entwickelt hatte.

Die Situation drohte jedoch schnell in eine Massenschlägerei zu eskalieren. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich rund 50 potenziell Beteiligte zusammengefunden.

*Die echten Namen sind der Redaktion bekannt.

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