Prozess

39-jähriger Angeklagter legt sich zu 15-Jähriger ins Bett

Die denkmalgeschützte Fassade des Land- und Amtsgerichts Duisburg. Dieser älteste Teil des Gebäudekomplexes wurde 1876 fertig gestellt.

Foto: Stephan Eickershoff

Die denkmalgeschützte Fassade des Land- und Amtsgerichts Duisburg. Dieser älteste Teil des Gebäudekomplexes wurde 1876 fertig gestellt. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Sexueller Missbrauch einer Jugendlichen konnte dem Angeklagten aus Niedersachsen vor dem Duisburger Amtsgericht aber nicht bewiesen werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wegen sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen stand ein Mann aus Niedersachsen (39) vor dem Amtsgericht Duisburg . Die Anklage warf ihm vor, sich nach einer Feier am 5. Februar 2016 zu der Tochter eines befreundeten Paares in Rheinhausen ins Bett gelegt und das damals 15-jährige Mädchen unsittlich berührt zu haben. Doch das konnte die Verhandlung nicht beweisen.

Zweifel überwogen: Freispruch

Der Angeklagte berichtete, er habe seinen Freund besucht. Mehrere Gäste übernachteten in der Wohnung. Er sei davon ausgegangen, dass er mit seiner Frau im Zimmer der Tochter schlafen sollte. „Ich hatte getrunken, gehörte zu den letzten, die ins Bett gingen“, berichtete der EDV-Spezialist. „Ich habe mich bis auf die Unterhose ausgezogen und mich ins Bett gelegt. Ich bin sofort eingeschlafen.“ Wenig später habe die Mutter der 15-Jährigen in der Tür gestanden. „Es gab ein Riesen-Theater.“ Da erst habe er gemerkt, wer neben ihm lag.

Zeugenbefragungen ergaben, dass der Plan, wer in welchem Zimmer schlafen sollte, offenbar kurzfristig geändert worden war. Niemand konnte mit Bestimmtheit sagen, ob der Angeklagte das mitbekam. Die Eltern des Mädchens hatten den Vorfall zunächst von der heiteren Seite genommen. Bis das Mädchen sechs Wochen später die angebliche Tat offenbarte. Die Eltern hatten bis zur Anzeige drei weitere Wochen gezögert. „Wir haben viel diskutiert“, so der Vater.

Hauptbelastungszeugin könnte beeinflusst worden sein

Die Hauptbelastungszeugin hatte sich im Vorfeld geweigert, sich von einer psychiatrischen Sachverständigen untersuchen zu lassen. So war die Expertin auf das angewiesen, was das Mädchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Zeugenstand aussagte. Das Urteil der Expertin fiel ziemlich deutlich aus: Sie könne nicht ausschließen, dass die Aussage der jungen Zeugin durch Autosuggestion oder äußeren sozialen Druck beeinflusst worden sei. Vor diesem Hintergrund waren sich Staatsanwalt, Verteidiger und Richter einig: Das Urteil lautete auf Freispruch. Die Staatskasse zahlt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik