Debatte

An der Universität Duisburg wird um Europa gestritten

Genoveva Köhler ging als Erste für das Team Uni Duisburg-Essen ans Rednerpult. Ihre Gegner aus Bochum hören ihr konzentriert zu.

Foto: Volker Hartmann / FUNKE Foto Services

Genoveva Köhler ging als Erste für das Team Uni Duisburg-Essen ans Rednerpult. Ihre Gegner aus Bochum hören ihr konzentriert zu. Foto: Volker Hartmann / FUNKE Foto Services

Duisburg.   Bei einem Debattierwettbewerb treten vier NRW-Universitäten in Duisburg gegeneinander an. Sie dikutieren über die Krise der Europäischen Union.

Zu kompliziert, zu wenig transparent, zu bürgerfern. Die grundlegenden Probleme der Europäischen Union spiegelten sich am Donnerstag Nachmittag im Hörsaalzentrum der Uni Duisburg-Essen wieder. Bei der Abschlussveranstaltung „NRW debattiert Europa“ traten Debattier-Teams von vier NRW-Universitäten gegeneinander an.

Im Halbfinale zwischen der Ruhruni Bochum und der Uni Duisburg-Essen geriet das sperrige Thema „In Zeiten der Krise brauchen wir mehr Kompetenzen für das Europäische Parlament“ zum Stolperstein für eine hitzige Debatte.

Nur selten unterbrachen sich die Kontrahenten gegenseitig. Nachfragen aus dem Publikum blieben die Ausnahme und gerieten meist allzu zaghaft. Ohnehin waren die Reihen im Hörsaalzentrum nur spärlich besetzt. Interessiert die Zukunft Europas selbst die Akademiker von morgen nicht mehr?

Europa steckt in einer Krise

Professor Michael Kaeding lehrt Europäische Integration und Europapolitik in Duisburg und ist Mitorganisator der Initiative „NRW debattiert Europa“. Er kämpft gegen diesen Eindruck. „Wir wollen Studenten mit diesen Veranstaltungen zusammenbringen, um Meinungen über Europa auszutauschen“, erklärt Michael Kaeding den Ansatz.

Man müsse klar feststellen, dass es Europa nicht gut gehe. „Es gibt das Problem der Legitimation – das Europäische Parlament muss gestärkt werden. Und eine Existenzkrise“, sagt Kaeding mit Blick auf den Brexit.

Lösungsideen gebe es verschiedene. Diese auszuarbeiten und in einer Diskussion zu verteidigen, war die Aufgabe der Debattier-Teams. „Die Studierenden sollen lernen, Standpunkte überzeugend zu vermitteln und auch andere von ihrer Sicht zu überzeugen. Für seine eigene Meinung einzutreten, ist doch der Hauptgedanke der Demokratie“, sagt Kaeding.

Uni Duisburg-Essen zieht ins Finale ein

Eine, die dem Aufruf ihres Dozenten folgte, ist Julia Fleck. Die 26-jährige Studentin trat für die Uni Duisburg-Essen an das Rednerpult. Mit ihren beiden Kommilitonen hatte sie die Contra-Seite zugewiesen bekommen. Julia Fleck argumentierte gegen mehr Kompetenzen für das Europäische Parlament.

„Ich bin pro Europa. Deswegen war es am Anfang schwierig, sich auf die Contra-Seite einzulassen“, sagt Julia Fleck. „Wenn man sich näher mit dem Thema beschäftigt, merkt man aber, dass beide Seiten ihre Berechtigung haben. Das Thema ist einfach ambivalent.“ Der Debatte war es anzumerken.

Julia Flecks Team zog am Ende ins Finale ein. Schlagfertiger, souveräner, besseres Gesamtkonzept urteilte die Jury. Der nächste Gegner: die Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, die sich gegen die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf durchgesetzt hatte. Das Thema: „Die richtige Antwort auf den Brexit ist eine Vertiefung der Europäischen Integration.“ Duisburg-Essen nahm diesmal die Pro-Seite ein.

>>Vier Juroren entscheiden über Sieg und Niederlage

Vier Juroren beurteilten die Teams im Gesamten, aber auch die einzelnen Redner.

Bei der Teambewertung ging es darum, ob man auf die Argumente der Gegenseite einging, um die gemeinsame Strategie und um den Umgang mit Zwischenrufen.

Die Rednerbewertung ergab sich aus der äußeren Form (etwa Mimik, Freiheit der Rede und Klarheit der Sprache), dem Inhalt, der Schlagfertigkeit sowie Stil und Struktur.

Julia Fleck konnte sich am Ende den Preis als beste Rednerin sichern.

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