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Amazon-Lieferanten blockieren Parkplätze im Duisburger Hafen

Dutzende Transporter fahren jeden Morgen im Logistikzentrum von Amazon am Blumenkampshof in Duisburg vor.

Dutzende Transporter fahren jeden Morgen im Logistikzentrum von Amazon am Blumenkampshof in Duisburg vor.

Foto: Daniel Helbig

Duisburg.   Seit Oktober ist Amazon im Duisburger Hafen in Kaßlerfeld ansässig. Der Lieferverkehr sorgt allerdings für Probleme. Das ärgert die Nachbarn.

Nachbarn aus Neuenkamp und Kaßlerfeld ärgern sich über Amazon-Fahrer: Sie stellen ihre Wagen auf dem Rheinorange-Parkplatz ab – dieser ist aber eigentlich für Spaziergänger vorgesehen, die die Bramme an Rhein und Ruhr besuchen wollen. „Seit wann werden öffentliche Parkplätze in Firmenparkplätze umgewandelt?“, fragt der Neuenkamper Heinrich Rübsamen erbost.

Er ist oft mit seinem Hund am Ruhrdeich unterwegs oder kommt auf dem Weg zu seinem Kleingarten an dem Parkplatz vorbei. Tatsächlich stehen dort am Dienstagmorgen 16 kleine Sprinter. Die meisten sind Mietwagen, am Armaturenbrett klemmen Schilder mit der Aufschrift: „Im Auftrag von Amazon.“ Dutzende weiße Transporter fahren morgens zum Lager und schwärmen dann wieder aus, um die Ware zuzustellen.

„Wir arbeiten hier. Wo ist das Problem?“

Die Fahrer sind bei Subunternehmen angestellt. Der Onlinehändler hat Anfang Oktober ein neues Logistikzentrum im Duisburger Hafen eröffnet. Am Blumenkampshof hat Amazon eine 9300 Quadratmeter große Halle und weitere 1200 Quadratmeter für Büros und Sozialflächen angemietet. Vor allem die gute Anbindung an die Autobahn war der Grund für die Entscheidung, erklärte Amazon bei der Eröffnung. Die so genannte letzte Meile, wie der Weg zum Endverbraucher genannt wird, übernimmt Amazon damit selbst – und verzichtet auf die Hilfe großer Paketfirmen wie DHL, die ebenfalls ein Logistikzentrum in der Nachbarschaft betreiben.

„Wir arbeiten hier. Das ist doch ein öffentlicher Parkplatz, wo ist das Problem“, erklärt einer der Fahrer verständnislos. Andere wollen lieber gar nichts sagen. Ein Trucker, der regelmäßig den Autohof ansteuert, beschreibt: „Die parken alles zu und wenn man mal tanken will, dann ist das kaum möglich, weil vor einem die Sprinter alle Zapfsäulen blockieren.“ Andere, die gerade an der Tankstelle ihren Kaffee trinken, sagen: „Es ist schon besser geworden. Bis letzte Woche war es richtig chaotisch.“

Die Zusteller planen ihre Treffen auf dem Autohof

Nikolaos Zakalos betreibt die Tankstelle und den Autohof. „Am Anfang sind Zustellerfirmen zu mir gekommen und haben gefragt, ob sie sich hier treffen können, um die Touren zu planen.“ Da das in der Regel vormittags passiert und dann genügend Stellflächen frei sind, hatte Zakalos auch nichts dagegen. Allerdings habe es dann noch einmal Klärungsbedarf mit den Firmen gegeben. „Ich kann verstehen, dass sich Neuenkamper ärgern, weil sie an keine Zapfsäule mehr kommen.“ Mittlerweile habe sich die Situation verbessert.

Bürgermeister Manfred Osenger ärgert sich, dass Duisport die Politiker nicht im Vorfeld über die Ansiedlung von Amazon informiert hat. „Sonst hätten wir intervenieren können.“ Amazon selbst sieht die Fahrer in der Pflicht, sich um Parkplätze zu kümmern. Der Hafen verweist darauf, dass man nur die Fläche an die Firma vermietet habe. Die Straßen und Stellplätze seien öffentlich – und somit das Ordnungsamt der Stadt zuständig.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt eine Stadtsprecherin: „Durch die dort abgestellten Amazon-Lieferwagen liegen zunächst keine verbotswidrigen und verwarnungswürdigen Parkweisen im Sinne der Straßenverkehrsordnung vor.“ Allerdings sei es nicht Sinn der Sache, dass dort Lieferanten den Ausflüglern die Parkplätze wegnehmen. Schon jetzt begrenzen Barken die Durchfahrtshöhe auf 2,20 Meter. Nun sollen sie auf zwei Meter abgesenkt werden, damit auch Transporter nicht mehr durchpassen. Am begrünten Rand sollen künftig Felsbrocken als Absperrung dienen.

>>> INFO: „Wir wollen ein guter Nachbar sein“

  • „Uns ist ein konstruktiver Dialog mit unseren Nachbarn sehr wichtig. Sollten irgendwelche Vorkommnisse auffallen, bitten wir, direkten Draht zu uns zu suchen“, erklärt Amazon-Sprecherin Nadiya Lubnina. „Wir wollen ein guter Nachbar sein.“ Amazon untersuche jeden Fall und ergreife erforderliche Maßnahmen, um Wiederholungen zu vermeiden. „Dabei spielt der enge Kontakt zu unseren Lieferpartnern eine zentrale Rolle, mit denen wir Verbesserungen aktiv vorantreiben.“ Dazu gehören auch „klare Ansagen“, nur ausgewiesene Parkflächen zu nutzen sowie sicher und rücksichtsvoll auf den Straßen unterwegs zu sein. Darüber hinaus stehe man in Kontakt mit Politikern und Vertretern der Stadt.

  • So genannte „Yard Marshalls“ kümmern sich um die Einhaltung der Regeln und der Verkehrsordnung auf und vor dem Gelände.

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