Stadtteilreport (1)

Alt-Hamborn – Rund um den „Vatikan“

Redakteur Willy Mohrs (re.)  und Leserbeiratsmitglied Klaus Becker unterwegs in  Alt-Hamborn. Bild: Udo Milbret/WAZ-FotoPool

Redakteur Willy Mohrs (re.) und Leserbeiratsmitglied Klaus Becker unterwegs in Alt-Hamborn. Bild: Udo Milbret/WAZ-FotoPool

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Duisburg.Wir treffen uns mitten im Leben, auf dem Hamborner Altmarkt. Obst, Gemüse, Textilien, Schnäppchen aller Art. Klaus Becker, Mitglied des WAZ-Leserbeirats, schwärmt: „Dreimal die Woche brummt hier der Bär.“

Klar, manchmal werde auch genörgelt über die vielen Händler mit Migrationshintergrund. Aber wenn’s um frische Lebensmittel geht, so weiß Becker, „hat jeder seinen Türken auf dem Markt“.

Und auch rund um den Platz pulsiert das Geschäftsleben, kleine und mittlere Läden decken den täglichen Bedarf weit über Alt-Hamborn hinaus. Umso störender ein Leerstand an prominenter Ecke: die frühere Kaufhalle, in der sich seit Jahren nichts tut.

Ein paar Schritte weiter das Rathaus-Center, eine Passage, die in der Vergangenheit auch Sorgen bereitet hatte. „Die ist wieder gut frequentiert“, sagt Becker. Alle Läden seien vermietet, ebenso die Gastronomie im Inneren.

Klaus Becker hat sich gut vorbereitet für unsere 60 Minuten in „seinem“ Stadtteil, der Hamborner Löwe ziert sogar seine Kappe. Stolz zeigt er mir die Zeugnisse des großstädtischen Dorfes, das Hamborn um 1900 war: „Ist das Rathaus nicht wunderschön?“ Ist es, keine Frage. Nebenan das einst stattliche Hotel „Handelshof“, gegenüber die Hauptpost, die frühere Landeszentralbank, das Amtsgericht (im Pflaster des Vorplatzes taucht wieder der Löwe auf), der Kaufhof (jetzt Elektro-Geschäft) – alles, was eine Großstadt braucht.

Wir gehen ein paar hundert Meter weiter und noch ein Jahrhundert zurück: Bis zu Napoleons Zeiten dominierte die Abtei Hamborn: „Der Abt hatte das Sagen“, berichtet Becker, der im Schatten der Zeche Neumühl geboren ist und heute im „Vatikan von Hamborn“ wohnt, doch davon später mehr.

Erst erkunden wir die Jägerstraße mit ihren Geschäftshäusern, die mit viel Stuck und Erkern von bürgerlichem Selbstbewusstsein und Wohlstand künden. Doch die kleinen und mittleren Fachgeschäfte, klagt Becker wie viele Hamborner, sind rar geworden, dafür gebe beispielsweise es auf kurze Distanz mehr als eine Handvoll Back-Filialen: „Bei uns ist offenbar der Backwahn ausgebrochen.“

Spezial „Die Menschen sagen immer, die Zeiten werden schlimmer. Doch die Zeiten bleiben immer, nur die Menschen werden schlimmer.“ So steht’s an der Fassade der Gaststätte „Zur alten Post“, die leider eine Ex-Gaststätte ist. Was an der Aktualität des Spruches nichts ändert.

Stadtpark und Botanischer Garten sind die grünen Oasen des einstigen Industriedorfes und nur wenige Schritte vom Altmarkt entfernt. Sorgen macht sich Becker, weil städtische Sparpläne die gläsernen Gewächshäuser bedrohen, die den Garten ausmachen.