Schullandheim-Serie

Als die Schülerinnen morgens mit „Oma Nagel“ Milch holten

Ursula Schmitz hat ein Fotobuch über ihre Aufenthalte in den 50er Jahren in Wiesemscheid.

Ursula Schmitz hat ein Fotobuch über ihre Aufenthalte in den 50er Jahren in Wiesemscheid.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Von Gespenstergeschichten, fröhlichen Tänzen und fürchterlichem Heimweh: Drei Damen erzählen von ihren Erlebnissen im Schullandheim Wiesemscheid.

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Ursula Schmitz legt einige Schwarz-Weiß-Bilder auf ihren Wohnzimmertisch. Die schönen Erinnerungen an ihre Aufenthalte kurz nach dem Krieg im Schullandheim in Wiesemscheid werden sofort wieder wach. Die 78-Jährige, die damals die katholische Volksschule in Huckingen besuchte, tippt auf ein Foto und muss schmunzeln. „Da komme ich gerade mit zwei Schulkameradinnen morgens um 6 Uhr vom Milchholen aus dem Nachbarort Müllenbach“, erzählt sie. „Da rechts, das ist Fräulein Nagel, eine Lehrerin. Die haben wir immer nur Oma Nagel genannt, weil sie mit Hut und Stock für uns damals schon sehr alt aussah.“

1950 besuchte Ursula Schmitz zum ersten Mal mit einer reinen Mädchenklasse das Heim in der Eifelgemeinde am Nürburgring. Dieser sei das Ziel einer der vielen Wanderungen gewesen. „Wir sind aber auch bis zur Nürburg-Ruine gelaufen“, so die Huckingerin.

Mit Bettlaken über dem Kopf

Abends seien sie dann immer total erschöpft, aber natürlich trotzdem noch zu Streichen aufgelegt gewesen. „Einmal sind wir als Gespenster mit Bettlaken über dem Kopf und Taschenlampen darunter in den Schlafsaal geschlichen, um die jüngeren Kinder zu erschrecken.“ Was auch eindrucksvoll gelang. „Ich weiß nicht, wer mehr geschrien hat: die Kleinen vor Angst oder wir vor Vergnügen“, erzählt Ursula Schmitz. „Tja, am nächsten Tag gab’s ein Donnerwetter und drei Tage Hausarrest.“ Die 78-Jährige hat’s verschmerzen können. „Es war einfach eine schöne Zeit. Ohne Handy und Computer, dafür mit viel Spaß in der Natur.“

Ursula Duhr, eine damalige Mitschülerin, schwärmt ebenfalls vom Schullandheim. „Wir waren noch vor unserer Schulentlassung dort.“ Und die 78-Jährige hatte zur Freude ihrer Klassenkameradinnen ihr Akkordeon („Es war eigentlich eine Harmonika“) mit in die Eifel genommen. Und so tanzten die Mädchen – vor allem dann, wenn Ursula Duhr den Kaiserwalzer „Ich wünsche Dir immer nur Glück“ anstimmte.

Auf der Rückfahrt gab das Akkordeon den Geist auf

„Auf der Rückfahrt nach Duisburg“, erinnert sich die Huckingerin, „gab das Instrument den Geist auf. Es war schon sehr alt und hatte zahlreiche Risse im Luftbalg. Da half auch kein Pflaster mehr, aber in Wiesemscheid war ich damit noch der King...“

Elsbeth Hoffmann (80), die ebenfalls zur Volksschule in Huckingen ging, verbindet dagegen mit dem Schullandheim vor allem Heimweh. „Das lag an den großen Schlafsälen. Die fand ich furchtbar“, sagt die 80-Jährige. „Aber mit der Hilfe meiner Freundinnen habe ich dann doch durchgehalten...“

Leseraufruf: Erfahrungen in Marienhagen und Co.

- Nach Antweiler, Hollerath und Udenbreth ist nun das Schullandheim Wiesemscheid an der Reihe: Wir wollen über Lesererlebnisse in weiteren Duisburger Heimen berichten – etwa über Marienhagen oder Höchstenbach.

- Einfach eine Mail – gerne mit alten Fotos – an redaktion.duisburg@waz.de oder ab 10 Uhr anrufen: 0203/99 26 31 51.

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