Nostalgie

Als die Bundesbahn ihren Zügen das Rauchen abgewöhnte

Die Bahn gewöhnte ihren Zügen in den 70ern das Rauchen endgültig ab.

Foto: Gunther Asshauer

Die Bahn gewöhnte ihren Zügen in den 70ern das Rauchen endgültig ab. Foto: Gunther Asshauer

Duisburg.   Die letzten Dampfloks im Raum Duisburg waren im Bahnbetriebswerk Wedau stationiert, das 1977 nach fast 100 „Dienstjahren“ stillgelegt wurde.

Ein Kokszeug von Castrop-Rauxel nach Wedau – jahrzehntelang ein höchst profaner Transport, im Februar 1977 aber eine Fahrt von historischer Bedeutung, die sich sogar als Erwähnung im Internet-Lexikon Wikipedia niederschlug. Denn es war die letzte Fahrt einer in Wedau stationierten Dampflokomotive, und sie läutete das Ende des Bahnbetriebswerkes Wedau ein, wo fast ein Jahrhundert lang Dampfloks abgestellt, gewartet, repariert und mit Betriebsstoffen versorgt worden waren.

Kohle und Wasser waren es vor allem, was die schwarzen stählernen Schienengiganten brauchten. Und zwar in großen Mengen. Sie sind in erstaunlicher Zahl erhalten geblieben, nicht nur in Wedau, sondern auch in Hochfeld oder Hohenbudberg. Von den restlichen Anlagen des Wedauer Bahnbetriebswerkes ist nicht viel geblieben. Außer vielen eindrucksvollen Bildern, die Gunther Asshauer in den Jahren des Dampfbetriebs glücklicherweise gemacht und seither aufbewahrt hat.

Die erste Bahn pendelte von Nürnberg nach Fürth

1835 dampfte die erste Lok auf deutschen Gleisen, pendelte zwischen Nürnberg und Fürth. In wenigen Jahrzehnten danach überzog ein dichtes Streckennetz die deutschen Lande, und für Jahrzehnte war die Dampfmaschine Stand der Technik. Stark war sie, hungrig auf Kohle, durstig nach Wasser und angewiesen auf ständige und intensive Wartung.

Weshalb gerade im Industrie- und daher auch Eisenbahn-Ballungsraum Ruhrgebiet Dutzende von Bahnbetriebswerken entstanden. Allein drei gab es in Duisburg. Und unter ihnen das in Wedau, einem ausgeprägten Eisenbahn-Stadtteil mit Rangierbahnhof und Ausbesserungswerk. Von 1878 bis 1977 war es in Betrieb, beherbergte 1935 exakt 60 Lokomotiven und beschäftigte über 500 Mitarbeiter. In seinen besten Zeiten verfügte das Betriebswerk über zwei mächtige Ringlokschuppen samt Drehscheiben.

Doch spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg war das Ende der Dampf-Ära absehbar. Immer mehr Strecken wurden mit Oberleitungen für den elektrischen Betrieb ausgerüstet. Wo dieser Aufwand zu hoch war, empfahl sich zunehmend der Betrieb mit Diesel-Fahrzeugen. 1965 endete der Dampfbetrieb von Personenzügen auf den Ruhrgebiets-Strecken der Deutschen Bundesbahn, zwölf Jahre später kam das „Aus“ für die dampfenden Rangier- und Güterzugloks, wie sie zuletzt noch in Wedau stationiert waren.

>> IN BOCHUM WURDE BAHNBETRIEBSWERK ZUM MUSEUM

Elektrische Lokomotiven kommen mit weniger Wartungsaufwand aus als Dampfloks. Daher brauchte die Bahn weniger Betriebswerke. 1977 wurde daher das in Wedau stillgelegt.


Wie ein Bahnbetriebswerk früher aussah, ist heute noch in Bochum-Dahlhausen zu sehen, wo ein solcher Betrieb zum Eisenbahn-Museum umgenutzt wurde. Und: Dort ist auch noch ein Exemplar der Dampflok-Baureihe 50 zu bestaunen, wie sie zuletzt in Wedau stationiert waren.

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