Straßenbäume

Allee abgeholzt: Beirat wirft Stadt Duisburg Täuschung vor

Umstrittene Baumfällung am Nordhafen in Duisburg-Meiderich. „Es zeigt nicht zum ersten Mal, dass der Beirat getäuscht wird, um eine Befreiung zu erwirken und dass dann  damit Tatsachen geschaffen werden“, beklagt Johannes Meßer ,  Vorsitzender des Beirates für die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Duisburg.

Umstrittene Baumfällung am Nordhafen in Duisburg-Meiderich. „Es zeigt nicht zum ersten Mal, dass der Beirat getäuscht wird, um eine Befreiung zu erwirken und dass dann damit Tatsachen geschaffen werden“, beklagt Johannes Meßer , Vorsitzender des Beirates für die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Duisburg.

Foto: Joerg Schimmel

Duisburg.   Kampf um alte Alleen: In einem offenen Brief an den OB erhebt der Vorsitzende des Beirats Untere Naturschutzbehörde den Vorwurf der Täuschung.

Täuschung und Lüge durch die Umweltverwaltung der Stadt? Der Vorsitzende des Beirates für die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Duisburg, Dr. Johannes Meßer, hat in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadtverwaltung im Umgang mit dem Beirat wiederholte Fälle von Täuschung und „unzutreffenden Informationen“ vorgeworfen.

Konsequenz: Vorrats-Beschlüsse für geplantes Abholzen von gesetzlich geschützten Alleebäumen, die bisher im Vertrauen auf gemachte Absprachen und auf korrekte Sachverhalte beruhten, soll es künftig zwischen dem Beirat und der Umweltverwaltung der Stadt nicht mehr geben. Das Vertrauen sei nachhaltig gestört.

Gesetzlich geforderte „Befreiung vom Alleenschutz“

Konkret geht es auch in diesem Einzelfall um strittige Fällungen von Alleebäumen am Nordhafen und an der Tunnelstraße in Meiderich. sowie um den schwelenden Grundsatzkonflikt in dieser Stadt, nämlich darum, wie die Umweltverwaltung grundsätzlich mit geschützten Alleebäumen umgehen kann.

Bekanntlich muss die Umweltverwaltung, wenn sie geschützte Alleebäume im Zuge von Straßenausbau entfernen lassen will, vom zuständigen Beirat die gesetzlich geforderte „Befreiung vom Alleenschutz“ einholen. Verweigert der Beirat diese Befreiung, kann die Stadtverwaltung diese ersatzweise von der übergeordneten Bezirksregierung in Düsseldorf einholen. Aber auch diese hat Anfragen aus Duisburg zuweilen bereits ebenfalls abgewiesen.

Stadt hat sich an Absprache nicht gehalten

Im konkreten Fall (im Zusammenhang mit einem geplanten Ausbau der Vohwinkelstraße in Meiderich) hatte der Beirat dem Wunsch der Planungsverwaltung nach Fällung von Alleebäumen zunächst abgelehnt, später dann nur unter der ausdrücklichen Bedingung zugestimmt, dass erst gefällt werden dürfe, wenn ein rechtskräftiger Beschluss zum Ausbau der Straße vorliege.

An diese Absprache, so lautet jetzt der zornige Vorwurf des Beiratsvorsitzenden, habe sich die Stadt nicht gehalten. Sie habe sofort die Alleebäume fällen lassen, obwohl die Straße noch gar nicht umgebaut werden durfte.

Dieses Verhalten, so mahnt der Absender in seinem Protest-Schreiben Oberbürgermeister Sören Link ab, „befremdet mich sehr. Es zeigt nicht zum ersten Mal, dass der Beirat getäuscht wird, um eine Befreiung zu erwirken und dass dann Tatsachen geschaffen werden. Wenn wir davon ausgehen müssen, dass [ . . der Beirat durch . . /Anm d. Red] die Auskünfte der Verwaltung in der Beiratssitzung unzutreffend informiert wird oder die Vertreter der Verwaltung gar keinen Einfluss auf das weitere Vorgehen haben, müssen wir zukünftig die Beratung bzw. Beschlussfassung bis zum [ .. .endgültigen/Anm d. Red] Abschluss der Verfahren verschieben.“

Stadt kontert: Haben so Fällung in Brutzeit vermieden

Das Misstrauen des Beirates gegenüber der Stadtverwaltung sei durch diesen aktuellen Vorfall und durch verschiedene Fälle in der Vergangenheit dermaßen gestört, dass er „keinen anderen Weg“ sehe, schreibt Meßer an den OB.

Die Stadt indes begründet auf Anfrage der Redaktion das kritisierte Vorgehen mit einem Bemühen der Verwaltung um Vogelschutz: „Aufgrund der Bedeutung des Gesamtvorhabens“, so erklärt eine Sprecherin, „wurde die Befreiung bereits Anfang Februar erteilt. Hierdurch wurde eine Fällung während der Vogelschutzzeit vermieden, was aus Gründen des Artenschutzes (Vogelbrut) zu Verzögerungen hätte führen können.“

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