Flüchtlinge

Aktion Mensch fördert ein Duisburger Trauma-Projekt

Emotionen ausdrücken: Projektleiterin Viola Werner (m.) und Koordinatorin Zeljka Telisman (r.) mit Saleha Hasan (l.).

Emotionen ausdrücken: Projektleiterin Viola Werner (m.) und Koordinatorin Zeljka Telisman (r.) mit Saleha Hasan (l.).

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Für Flüchtlinge, die auf eine Trauma-Therapie warten, startete das Institut für soziale Innovationen in Neudorf das Projekt „Aufrichten“.

Sie haben den Krieg erlebt, wenig mehr als ihr Leben gerettet, eine oft wochenlange Flucht hinter sich und eine ungewisse Zukunft in einem fremden Land vor sich: Weil die Dämonen von Krieg und Flucht nicht durch einen genehmigten Asylantrag zu vertreiben sind, gibt es „Aufrichten“. Das Projekt des Instituts für soziale Innovationen (ISI) in Neudorf gibt Kindern, Frauen und Männern Halt in ihrem neuen Leben und überbrückt die lange Wartezeit auf eine Therapie. Es wird gefördert von der „Aktion Mensch“ und wird unterstützt von Therapeuten, Künstlern, Schauspielern und Fotografen.

Vor allem bei den Kinder sind die Belastungen offensichtlich. „Wenn sie manisch ein Bild nach dem anderen zeichnen, auf denen nur Schiffe, Tote und Waffen zu sehen sind“, sagt Viola Werner. Die Kinder- und Jugendtherapeutin ist Projektleiterin im Institut mit Sitz an der Blumenstraße in der Zukunftswerkstatt Therapie kreativ.

„Wir machen hier keine Therapie, sondern eine traumasensible Behandlung“, erklärt die Düsseldorferin. Das heißt: In künstlerischen Projekten aus Kunst, Musik, Fotografie, Film und Schauspiel sollen die Menschen Erlebnisse und Gefühle, Hoffnungen und Sehnsüchte ausdrücken und teilen. Wenn eine schwere psychische Krise offenbar wird, etwa Suizid droht, „versuchen wir, Hilfe zu vermitteln. Aber es ist sehr schwierig“, sagt Viola Werner.

Am 1. Februar ist „Aufrichten“ gestartet, davor gab’s eine Menge Vorarbeit zu leisten, berichtet Zeljka Telisman, Kunst-Therapeutin und Koordinatorin: „Wir mussten zunächst die Adressaten identifizieren. An der Memelstraße ist eine große Sammelunterkunft gleich um die Ecke, das hat es vereinfacht.“ Mittlerweile funktioniert die Mund-zu-Mund-Propaganda: „Die Menschen rufen bei uns an, um nach freien Plätzen zu fragen.“

Kooperation mit zwölf Schulen

Mit zwölf Schulen in Duisburg kooperiert das ISI mittlerweile, arbeitet in den internationalen Vorbereitungsklassen. „Es hat sich bewährt, in die Schulen zu gehen. Oft haben die Menschen keine Fahrkarte“, berichtet Zeljka Telisman.

Weitere Gruppen treffen sich an der Blumenstraße. Zu den Treffen kommen junge Frauen wie Saleha Hasan, die mit ihren Eltern und einer Schwester im Dezember 2015 aus ihrem Heimatstädtchen nahe der syrisch-irakischen Grenze geflohen ist. „Kurdische Truppen und der Islamische Staat (IS) haben um den Ort gekämpft“, berichtet sie. Der Krieg hat die kurdische Familie zerstreut: Der Bruder floh schon vor vier Jahren vor dem syrischen Militärdienst und lebt nun in Stuttgart, zwei weitere Schwestern leben in den Niederlanden, ein Bruder in der Schweiz, eine weitere Schwester rettete sich in ein Flüchtlingslager im Irak.

Wohnung ist ein Ziel auf dem Weg ins normale Leben

Als Labor-Assistentin hat Saleha in Syrien gearbeitet, nun lernt die 32-jährige Deutsch, die wichtigste Grundlage, hier arbeiten zu können. „In Syrien gibt es für mich keine Zukunft“, glaubt sie. Dass sie mit ihrer Familie bald aus der Unterkunft an der Memelstraße in eine Wohnung ziehen kann – es ist ihr nächstes Ziel auf dem Weg in ein normales Leben.

Dazu gehört auch die Zeit im ISI-Projekt. Bei der Foto-Aktion „Auf unseren Wegen“ hat auch Saleha mitgemacht. Viele der Bilder, die bei den Duisburger Akzenten in einer Ausstellung im Stadthistorischen Museum gezeigt wurden, hängen nun an der Blumenstraße. Im Stadtwald, in der Nähe ihrer Wohnungen haben die Frauen fotografiert, neben den Bildern kleine Stoff-Streifen mit Gedanken und Erinnerungen aufgehängt. „Für die Menschen ist wichtig, dass sie wirksam werden, in irgendeiner Form“, betont Zeljka Telisman. „Ich möchte“, hat eine Frau aus Damaskus kürzlich zu Viola Werner gesagt, „einfach eine Stunde Leichtigkeit haben.“

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