30. Geburtstag

Aids-Hilfe Duisburg ruft nach finanzieller Hilfe

Den runden Geburtstag der Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel feierten am Freitag in Neudorf auch (v. l.) Daniela Niemczyk, Dietmar Heyde, Beate Jagla, Dr. Dieter Weber, Peter Kiehlmann und Thomas Hilgers.

Foto: FUNKE Foto Services

Den runden Geburtstag der Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel feierten am Freitag in Neudorf auch (v. l.) Daniela Niemczyk, Dietmar Heyde, Beate Jagla, Dr. Dieter Weber, Peter Kiehlmann und Thomas Hilgers.

Duisburg.   Der Verein bittet zu seinem 30. Geburtstag um finanzielle Hilfe, da sonst das bisherige Angebot nicht mehr weiterbestehen kann.

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Ein runder Geburtstag ist genau die richtige Zeit für besondere Wünsche: Und weil die Aids-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel nun 30 Jahre auf dem Buckel hat, nahm sie die Jubiläumsfeier am Freitag in ihren Räumlichkeiten an der Neudorfer Bismarckstraße zum Anlass, um mehr finanzielle Hilfen einzufordern. „Uns steht das Wasser nämlich fast bis zum Hals“, sagt Peter Külpmann, der Vorstandsvorsitzende der hiesigen Aids-Hilfe.

Vier Vollzeit- und drei Honorarkräfte sowie 25 ehrenamtliche Helfer bilden das Team der Aids-Hilfe. „Unser Jahresbudget liegt bei rund 300.000 Euro, davon müssen wir etwa 50.000 Euro an Eigenmitteln aufbringen“, nennt Dietmar Heyde, der Geschäftsführer der Aids-Hilfe, konkrete Zahlen. Dabei sei man vor allem auf Spender angewiesen. „Und es wird immer schwerer, solche zu finden“, so Heyde. Vorsitzender Külpmann ergänzt: „Es darf nicht sein, dass unsere Ehrenamtlichen sich auch um das Auftreiben von Spenden kümmern müssen, statt ihre Zeit und ihr Engagement in die eigentliche Arbeit hier zu investieren.“

Anlässlich des runden Geburtstages hatten die Organisatoren zwei illustre Talkrunden zusammengestellt. Platz nahmen die Gäste im Freien. Rund 50 Zuhörer verfolgten die Diskussion, die WDR-Moderatorin Asli Sevindim moderierte. Peter Külpmann stellte die Bedeutung der Ehrenamtlichen für die Aids-Hilfe heraus: „Ohne sie würden wir es nicht schaffen.“ Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas betonte, dass sich die Aufklärungsarbeit in der Gesellschaft enorm verbessert habe, es aber weiterhin eine Stigmatisierung von Menschen mit HIV gebe.

Erinnerungen an die anfängliche Aids-Hysterie in den 80er Jahren

Die heutigen Zustände seien mit der Aids-Hysterie in den 80er Jahren zum Glück nicht mehr vergleichbar, meinte Landtagsabgeordneter Rainer Bischoff (SPD): Vor 30 Jahren hätte er bei einem Kirmesbesuch erlebt, dass Gäste an einem Bierwagen rebellierten, weil Gläser nicht ordentlich genug gespült worden seien. „Sie hatten Angst, sich mit HIV anzustecken“, so Bischoff. Die Unwissenheit von einst sei inzwischen zwar behoben, dafür grassiere nun beim Thema Aids eine gewisse Sorglosigkeit in der Bevölkerung. Bischoff: „Das Problem ist nicht mehr so im Bewusstsein der Menschen.“

Arne Kayser, der Landesvorsitzende der Aids-Hilfe NRW, rückte die medizinischen Fortschritte der vergangenen Jahre in den Vordergrund: „Menschen mit HIV können heute dank besserer Medikamente genauso alt werden wie jeder andere auch.“ Doch im Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung der Betroffenen im Alltag gelte es manch dickes Brett zu bohren. Er und seine Mitstreiter wollen sich aber nicht entmutigen lassen, sondern stattdessen um Akzeptanz streiten. Das könne nur gelingen, so Kayser, in dem man der Gesellschaft positive Bilder von einem Leben mit HIV aufzeige.

Weitere Aids-Test-Angebote schaffen

Dr. Dieter Weber, Leiter des hiesigen Gesundheitsamtes, stellte klar, dass es in ganz Duisburg nur eine Untersuchungsstelle gibt und dass dringend weitere, möglichst niedrigschwellige Aids-Test-Angebote geschaffen werden müssten. In 2015 habe es rund 450 Testberatungen gegeben. Weber: „Wir müssen die bislang unerkannten Erkrankten schnellstens in Behandlung bringen, um zu verhindern, dass sie die Infektion weitergeben.“

„Das Ehrenamt braucht professionelle Unterstützung, um selbst betreut und gesteuert zu werden, – sonst kann es nicht funktionieren“, so Bärbel Bas. Die finanziellen Mittel seitens des Bundes und des Landes seien seit Jahren konstant geblieben.

In Duisburg gibt es derzeit 600 bis 650 Menschen mit HIV. „Hinzu kommt aber eine hohe Dunkelziffer, gerade im ständig wachsenden Prostituiertenmilieu“, so Dietmar Heyde von der Aidshilfe.

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