Integration

Abschiebung des Musterschülers schockt Lehrer und Freunde

Die Schüler der IV-Klasse der Realschule-Süd und Lehrerin Wanda Tarnozek-Huckert (Mitte) können nicht verstehen, dass seine guten Leistungen Genti Shakiri nicht geholfen haben.

Foto: Stephan Eickershoff

Die Schüler der IV-Klasse der Realschule-Süd und Lehrerin Wanda Tarnozek-Huckert (Mitte) können nicht verstehen, dass seine guten Leistungen Genti Shakiri nicht geholfen haben. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Dass Genti Shakiri (15) trotz seiner hervorragenden schulischen Leistungen abgeschoben wurde, können seine Lehrer und Mitschüler nicht verstehen.

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In einem Raum der drei internationalen Vorbereitungsklassen (IV-Klassen) der Realschule Süd stehen drei Sofas und ein Sessel. Darauf hat Genti Shakiri gern gesessen mit seinen Mitschülern. „Er war ein Integrationsvorbild“, sagt Wanda Tarnozek-Huckert, die Klassenlehrerin, über den 15-Jährigen. Seit dem Dienstag vergangener Woche ist sein Platz leer. Mit seinen Eltern und den drei jüngeren Geschwistern wurde Genti abgeschoben nach Mazedonien. Die Familie gehört in ihrem kleinen Heimatdorf zu den wenigen Katholiken – das war der Grund, nach Deutschland auszureisen.

„Es ist ein Schock für die Kinder und das gesamte Team“, sagt Lehrerin Pia Kutschera. Gemeinsam mit den 43 Jugendlichen aus 13 Nationen wollen sie sich dafür einsetzen, dass es für den Jungen eine Chance auf Rückkehr gibt. „Es darf nicht sein, dass seine Leistung keine Rolle spielt“, sagen sie.

Hilfloser Versuch am Flughafen

Morgens um 6 Uhr erreichte Wanda Tarnozek-Huckert die Handy-Nachricht von Genti. „Ich muss zurück in die Heimat“, schrieb der Junge. Da standen schon Mitarbeiter des Ordnungsamtes in der Wohnung an der Eigenstraße in Hochfeld, um die Familiein zum Flughafen Düsseldorf zu bringen.

Pia Kutschera und Martin Redies, der als Flüchtlingshelfer den Schülern Nachhilfe erteilt, fuhren zum Flughafen – ein hilfloser Versuch, die Abreise noch zu verhindern. Selbst ein ärztliches Attest für den jüngsten Sohn, schwerbehindert und auf Medikamente angewiesen, habe nichts bewirkt, obwohl es die Reiseunfähigkeit bescheinigte, berichtet Redies.

„Ausgerechnet Genti“, sagt Wanda Tarnozek-Huckert. Stets nett und hilfsbereit sei der Junge, ein hervorragender Schüler, seit er vor bald zwei Jahren in die Realschule Süd kam. Er hat so schnell und gut Deutsch gelernt, dass er bald in mehreren Fächern die Regelklasse besucht habe. „Nach dem Sommer sollte er komplett wechseln“, berichtet die Klassenlehrerin.

„Den besten Freund verloren“

Auch die Mitschüler traf die Abschiebung völlig unvorbereitet. „Ich habe meinen besten Freund verloren“, sagt Sadija (13), ebenfalls aus Mazedonien, „wir haben gemeinsam gelernt, es ist sehr traurig.“ Nicht anders geht es dem Lehrer-Team. „Wir geben uns Mühe, die Jugendlichen hier zu integrieren. Da wäre es schön, wenn man mit uns spricht“, sagt Wanda Tarnozek-Huckert. Nicht nur für Genti, auch für seine Lehrer „waren nun zwei Jahre Arbeit umsonst“.

Dass ausgerechnet der Beste von ihnen abgeschoben wurde, sei ein verheerendes Signal für die Motivaton aller anderen, fürchtet Pia Kutschera. „Wie sollen wir jetzt sagen: Es lohnt sich, zu lernen.“

Weder die Lehrer, noch die Mitschüler wollen aber aufgeben. „Ich würde nicht für jeden Schüler kämpfen, aber für Genti sehr wohl. Weil es sich für ihn lohnt“, sagt Wanda Tarnozek-Huckert.

>> INFOSTAND

Schüler und Lehrerteam haben in einem Brief an die Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas um Unterstützung für die Rückkehr von Genti Shakiri gebeten.

Am morgigen Samstag, 28. Januar, wollen Lehrerteam und IVK-Schüler gemeinsam an einem Infostand am Livesaver-Brunnen auf der Königstraße informieren.

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