Verkehr

A-59-Ausbau: Duisburgs Chance auf einen Nord-Süd-Radweg

Mit dem RS 1 verläuft durch Teile des Ruhrgebiets bereits ein komfortabel ausgebauter Radweg. In Duisburg sollen Radfahrer künftig auch entlang der A 59 so einen Weg nutzen können.

Mit dem RS 1 verläuft durch Teile des Ruhrgebiets bereits ein komfortabel ausgebauter Radweg. In Duisburg sollen Radfahrer künftig auch entlang der A 59 so einen Weg nutzen können.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Mit dem Ausbau der A 59 soll auch ein Radweg entstehen, der den Duisburger Norden mit der Innenstadt verbindet. So könnte die Strecke verlaufen.

Der Traum vom Tunnel war ein schöner: Die A 59 wäre samt Autos unter der Erde verschwunden, darüber hätten Parkflächen mit Spielmöglichkeiten und Radwegen entstehen können. Dazu wird es wohl nicht kommen; trotzdem soll der geplante Autobahnausbau zumindest Fahrradfahrern Grund zur Freude geben: Entlang der Berliner Brücke will die Stadt einen Radschnellweg bauen, und denkt auch über eine Verlängerung weiter Richtung Norden nach. So könnte das entstehen, was der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) schon lange fordert: Die radverkehrliche Anbindung der nördlichen Stadtteile an die Duisburger Innenstadt.

Von einer „Chance für die nächsten 50 Jahre“ spricht der ADFC-Vorstandssprecher Herbert Fürmann und verweist auf eine noch frische Änderung am Bundesfernstraßengesetz, die den Bau von Radwegen auf Autobahnbrücken ermöglicht: „Es ist wichtig, dass wir die Gelegenheit nutzen und endlich eine Verbindung über das Hafenbecken schaffen.“

Neuer Duisburger Radschnellweg könnte unterhalb der A 59 verlaufen

Der Wille der Stadt scheint vorhanden. Nach Auskunft von Sprecherin Gabi Priem wurde bereits ein Gutachten angefertigt, in dessen Rahmen man das Nutzerpotenzial der Strecke sowie bereits einige Fragen der Machbarkeit untersucht habe. Dabei denkt die Stadt über den auszubauenden Abschnitt der A 59 hinaus, sodass die Studie im Grundsatz eine Verbindung bis nach Dinslaken erwägt. Die Ergebnisse sollen im Laufe der nächsten Wochen den politischen Gremien vorgestellt werden. Priem ergänzt: „Bund und Land werden ebenfalls zeitnah über das Gutachten unterrichtet, sodass der anstehende Autobahnentwurf angepasst werden kann.“

Doch Priorität hat zunächst die ab 2026 neu zu bauende Berliner Brücke. Hier sähe der ADFC am liebsten eine Konstruktion, die den Radweg seitlich unter die Fahrbahn verlegt. „Der Weg könnte dann unter dem Standstreifen verlaufen“, erklärt Fürmann. Das habe den Vorteil, dass Radfahrer bei Regen nicht nass und obendrein vor dem Verkehrslärm geschützt würden. Und, so Fürmann, „man müsste nicht noch weitere fünf Meter dran bauen. Die Straße wird ja so schon breiter als die bisherige Autobahn.“

Eine solche Konstruktion schwebt Fürmann auch für eine mögliche Fortführung durch Meiderich vor, wo die A 59 nach der Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums in Hochlage, also ebenfalls auf einer Brücke, ausgebaut wird. Aber auch mit einer Alternative könnte sich der ADFC wohl anfreunden: „Wenn diese Variante für Meiderich zu teuer ist, müsste der Weg halt durch die Wohngebiete führen.“

A-40-Brücke in Neuenkamp als Vorbild für die Berliner Brücke?

Noch weiter nördlich, in Hamborn, müsste man wohl ohnehin auf Nebenstraßen ausweichen. Denn dort verläuft die Autobahn wieder in Tieflage; dass seitlich der ausgebauten Fahrbahn noch Platz für ausreichend breite Radwege bleibt, ist zu bezweifeln. „Man könnte den Radverkehr hier gut entlang der Hamborner Straße und Buschstraße führen“, meint Fürmann. Zudem soll bekanntlich der Abschnitt der Autobahn zwischen Jägerstraße und Dr.-Heinrich-Laakmann-Straße überdeckelt werden, sodass auch dort Platz für Radwege entstünde.

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Zu solchen Fragen der technischen Realisierung sagt Stadtsprecherin Priem, man müsse das alles im Rahmen der weiteren Autobahnplanung und insbesondere der Bauwerksplanung prüfen: „Eine Konstruktion seitlich der eigentlichen Autobahn, analog der A-40-Brücke Neuenkamp, ist eine nahe liegende Möglichkeit.“ Auch die Führung unterhalb der Autobahnbrücke sei abschnittsweise denkbar, stimmt die Stadt dem ADFC grundsätzlich zu.

Ein direkter Anschluss an den geplanten Radschnellweg RS 1 sei leider nicht möglich, erklärt Priem. „Es ist aber eine Verbindung zwischen der RS-1-Trasse über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs an den Rand der Innenstadt vorgesehen.“ Demnach würden zwischen dem RS 1 und dem südlichen Ende der Berliner Brücke dann etwa zwei Kilometer liegen, die laut Stadt im konventionellen Radverkehrsnetz zurückgelegt werden könnten.

Stadt Duisburg erwartet für einen Radweg Kosten im dreistelligen Millionenbereich

Die genauen Kosten für das Projekt seien derzeit schwer abzuschätzen, so Priem, die sich dennoch um eine Prognose bemüht: „In Summe wird ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag erreicht.“ Die Stadt erwartet, dass seitens Bund und Land die regionale Bedeutung der Radschnellverbindung anerkannt wird und somit auch eine Förderung möglich ist. Fürmann betont im Namen der Radfahrer: „Das ist viel Geld, aber man muss das im Gesamtverhältnis betrachten“, so der ADFC-Sprecher mit Verweis auf die 1,1 Milliarden Euro, die der Autobahnausbau nach jetziger Planung kosten wird.

>> STADT DUISBURG UNTERSUCHT WEITERE RADVERBINDUNGEN

• In dem Gutachten erwägt die Stadt nicht nur eine Nord-Süd-Verbindung bis Dinslaken, sondern auch weitere mögliche Radschnellwege in umliegende Städte. „Die Verbindungen verlaufen jeweils vom Rand der Innenstadt bis zur Stadtgrenze, werden aber darüber hinaus gedacht und greifen Planungen der Nachbarstädte auf“, erklärt Sprecherin Gabi Priem. Gerade rechtsrheinisch bestehe ein Austausch mit den Städten Dinslaken, Voerde und Wesel.

• Für einen Radweg entlang des A-59-Ausbaus wäre die Stadt nur in Teilen der Baulastträger. Etwa für den Bereich der Berliner Brücke wäre das Land NRW für Planung, Bau und Finanzierung des Radwegs zuständig.

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