Prozess

Duisburgerin zeigt Seitensprung als Vergewaltigung an

Das Amtsgericht hat eine 19-Jährige verurteilt. Aus Angst, dass ihr Seitensprung aufflog, bezichtigte sie einen Mann der Vergewaltigung.

Foto: Uli Deck / dpa

Das Amtsgericht hat eine 19-Jährige verurteilt. Aus Angst, dass ihr Seitensprung aufflog, bezichtigte sie einen Mann der Vergewaltigung. Foto: Uli Deck / dpa

Duisburg.  Das Amtsgericht Duisburg hat eine 19-Jährige aus Ruhrort wegen falscher Beschuldigung zu Arbeitsstunden und Freizeitarrest verurteilt.

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Im Juni 2016 hatte sich ein Duisburger unversehens einem schlimmen Vorwurf ausgesetzt gesehen. Angeblich hatte er im Februar eine junge Frau in seiner Wohnung vergewaltigt. Zum Glück für den jungen Mann stellte sich heraus, dass die Behauptung aus der Luft gegriffen war. Eine 19-jährige Ruhrorterin stand am Dienstag wegen der falschen Beschuldigung vor dem Amtsgericht am König-Heinrich-Platz.

„Es war ja nicht so“, gestand die Auszubildende mit leiser Stimme, wobei sie nicht die Anklageschrift meinte, sondern ihre Beschuldigungen, die sie bei der Polizei erhoben hatte. „Jetzt sage ich die Wahrheit.“ Und sie berichtete, dass ihre Mutter sie aus der Wohnung geworfen habe. „Ich durfte bei meinem Freund wohnen, der noch bei seinen Eltern lebt.“

„Ich habe die Geschichte aus Angst erfunden“

Dann, so die Angeklagte, habe sie sich dummerweise mit einem anderen Mann eingelassen. „Es gab Sex, aber einvernehmlich.“ Doch ihr Freund habe davon erfahren. „Aus Angst davor, plötzlich auf der Straße zu stehen, habe ich die Geschichte mit der Vergewaltigung erfunden.“

Zum Glück für den Beschuldigten habe sich die Angeklagte dabei ziemlich dämlich angestellt, meinte die Jugendrichterin. Denn bei der Auswertung des Chat-Verkehrs zwischen der Angeklagten und dem zu Unrecht beschuldigten Zeugen wurde den Ermittlern rasch klar, dass von einer Vergewaltigung nicht die Rede gewesen sein konnte.

Richterin: „So etwas kann Leben zerstören“

„Der Fall Kachelmann sollte doch hinreichend deutlich gemacht haben, dass so etwas Leben zerstören kann“, belehrte die Richterin die Angeklagte. Und es sei auch ein Schlag ins Gesicht der vielen Frauen, die tatsächlich sexuelle Gewalt erfahren mussten, ergänzte die Staatsanwältin. Die Angeklagte sank immer mehr in sich zusammen und entschuldigte sich, kaum noch hörbar, bei dem Geschädigten, der ohne Vernehmung entlassen werden konnte.

Im Urteil berücksichtigten die Juristen, dass die 19-Jährige ein Geständnis abgelegt hatte und bislang noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Und es war wohl auch eine gute Portion Mitleid dabei, dass die junge Frau, die ihr Leben ohne Familie meistern muss, mit einem milden Urteil davon kam: Sie muss 50 Arbeitsstunden leisten und darf in einer Jugendarrestanstalt ein Wochenende lang über ihre Missetat nachdenken.

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