Umwelt-Protest

Düsseldorf: Aktivisten protestieren vor Uniper-Zentrale

Rund 200 Aktivisten blockieren das Gebäude von Uniper im Düsseldorfer Medienhafen.

Rund 200 Aktivisten blockieren das Gebäude von Uniper im Düsseldorfer Medienhafen.

Foto: OH

Düsseldorf.  200 Aktivisten haben am Freitag vor der Uniper-Zentrale demonstriert. Sie kippten eine Tonne Kohle vor das Gebäude. Protest gegen Datteln IV.

Aktivisten der Umweltgruppe Extinction Rebellion (XR) bereiteten der deutschen Uniperzentrale in Düsseldorf am Valentinstag ein besonderes „Geschenk“: 200 Aktivisten des Bündnisses protestierten am Freitag vor der Uniperzentrale an der Holzstraße im Medienhafen. Sie schütteten eine Tonne Steinkohle vor die Zufahrt des Konzerns.

Die Aktion, die unter dem Motto „Stop! In the name of love“ bereits am Freitagvormittag startete, richtet sich gegen den Ableger der finnischen Firma, die laut dem Bündnis zuletzt mit der Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks Datteln IV das Versagen der deutschen Klimapolitik bestätigt habe. Die Gruppe hatte Mitte Januar auf sich aufmerksam gemacht, als sich Aktivisten im Landtagsgebäude festgeklebt hatten.

Kohle soll im Ausland unter menschenverachtenden Umständen geschürft worden sein

„Wir fordern Uniper dazu auf, die lebensfeindlichen Geschäftspraktiken, die mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung einhergehen, zu stoppen. Mit dieser Aktion handeln wir im Namen der Liebe und fordern den Konzern auf, die Kohleverstromung zu beenden,“ sagte Umweltaktivistin Sara aus Münster.

Die Steinkohle für Datteln IV stamme laut XR unter anderem aus Russland, Südafrika und Kolumbien. Gerade die Kohle, aus den Kohlengebiete in Kolumbien, werde durch Vertreibung oder Ermordung der ansässigen Bevölkerung erschlossen, heißt es von dem Bündnis.

Billig-Kohle werde durch lebensgefährliche Einsätze gewonnen

Auch in Russland und Südafrika könne die Kohle nur durch lebensgefährliche Einsätze der Arbeiter gewonnen werden. „Datteln 4 und die Aufkündigung des Kohlekompromisses zeigt das Versagen der Regierung und verdeutlicht, dass für sie die kurzfristigen Konzerninteressen wichtiger sind, als ein gesellschaftlicher Konsens und Klimaschutz. Deswegen müssen wir, die Zivilbevölkerung, aktiv werden,“ sagt Norman Schumann aus der Ortsgruppe Bochum.

Auch Volkswagen-Chef Herbert Diess kritisierte die Inbetriebnahme des Kraftwerks und sprach von einer „Energiewende paradox“. Während VW seine Kohlekraftwerke abschalte und durch Gas-Dampfturbinen ersetze, seien in Datteln „1,5 Milliarden in den Kohleeinstieg investiert“ worden, schrieb Diess am Freitag im Online-Netzwerk LinkedIn. „Sieben der zehn größten CO2-Emittenten in Europa sind deutsche Kohlekraftwerke“, kritisierte Diess. Das Datum 2038 für den Kohleausstieg nannte er „mutlos“. Ohne sauberen Strom könne es auch keine saubere Mobilität durch Elektroautos geben. „Ich kann jeden Jugendlichen verstehen, der freitags auf die Straße geht“, fügte er hinzu.

Vorstandschef: „Erstmal vor eigener Türe kehren“

Uniper-Vorstandschef Andreas Schierenbeck erwiderte, beim Klimaschutz „sollte jeder erstmal vor seiner eigenen Türe kehren“. Uniper habe einen ehrgeizigen Ausstiegspfad für eigene Kohlekraftwerke in Deutschland beschlossen. „Greenwashing müssen wir nicht betreiben.“ Uniper werde seine CO2-Emissionen in den kommenden fünf Jahren noch einmal um bis zu 40 Prozent senken und die Versorgungssicherheit für seine Kunden aufrechterhalten. (mit dpa)

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